Tarifrunde Metall und Elektro 2021
Über 227 000 Beschäftigte in erster Woche im Warnstreik

Die erste Warnstreikwoche in der Metall- und Elektroindustrie zeigt, dass die Beschäftigten bereit sind, für ihre Forderungen an die Arbeitgeber auf die Straße zu gehen und vor das Werkstor zu ziehen. Sie fordern Beschäftigungssicherung, mehr Geld und Zukunftsperspektiven. Ein Rückblick.


Um Punkt 13.30 Uhr füllt sich der Platz vor dem Werkstor von Continental in Karben. Rund 250 Menschen versammeln sich zum Warnstreik. Die Beschäftigten, die entschlossen zum Pavillon der IG Metall laufen, werden von lauten Ratschen empfangen. So laut, dass der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Geschäftsstelle Frankfurt, Christian Egner, nur schwer durch sein Megaphon zu verstehen ist, aber seine Botschaft ist klar: „Wir kämpfen in dieser Tarifrunde nicht nur für die vier Prozent mehr Geld, wir haben uns auch die Beschäftigungssicherung auf die Fahne geschrieben.“


Zusammenhalt ist das Wichtigste

Arbeitsplätze erhalten – darum geht es auch hier in Karben. Die IG Metall, der Betriebsrat und die Geschäftsführung verhandeln aktuell über einen Sozialtarifvertrag, denn im Oktober wurde verkündet, dass das ganze Werk geschlossen werden soll.

Beschäftigte von Continental im Warnstreik (Foto: Frank Rumpenhorst)

Doch immer mehr Menschen in dem Werk organisieren sich. „Zusammenhalt ist das Wichtigste, weil man alleine gar nichts erreichen kann“, sagt eine Montagehelferin, die seit über 35 Jahren in dem Werk arbeitet und bei allen drei Warnstreiks in dieser Woche dabei war. Sie nimmt teil, um für ihre Zukunft zu kämpfen. „Ich bin Mitte Fünfzig. Ein Neuanfang ist also nicht mehr drin und um in Rente zu gehen bin ich noch zu jung.“

Für diese Zukunftsperspektiven kämpft die IG Metall in den Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern und fordert Zukunftstarifverträge, die den Beschäftigten mehr Mitbestimmung in der Gestaltung der Zukunft zugesteht. Auch für die IG Metall Jugend geht es um ihre Zukunft und auch sie stehen wieder mit vor dem Werkstor in Karben. Sie fordern auf Transparenten eine gesicherte Ausbildung, ebenfalls Teil der laufenden Tarifverhandlungen. „Wir wollen heute als Jugend zeigen, dass wir auch da sind“, sagt ein Auszubildender, der in seinem ersten Lehrjahr bei Continental arbeitet. „Mein Ausbildungsjahrgang wäre besonders davon betroffen, wenn das Werk schließt, weil wir uns erst am Anfang der Ausbildung befinden. Deshalb stehen wir hier und zeigen den Arbeitgebern, was wir von ihren Plänen halten.“


Über 6000 Beschäftigte in Bayern am Donnerstag im Warnstreik

Nicht nur in Karben sind die Beschäftigten vor das Werkstor gezogen, in ganz Deutschland sind über 227.300 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie mit weit über 500 Aktionen in den Warnstreik gezogen. Autokorsos, Kundgebungen, Menschenketten, Fackeln – alles mit Abstand und Maske. Die IG Metall und die Beschäftigten haben sich einiges einfallen lassen, um auch während der Coronakrise ihr Recht auf Warnstreik wahrnehmen zu können. In Bayern zum Beispiel haben allein am Donnerstag 6000 Menschen aus 30 Betrieben ihren Ärger über die Situation der Beschäftigten in Warnstreiks kundgetan. In Schweinfurt taten sich gleich mehrere Betriebe wie ZF und SKF zusammen und kamen mit 1000 Menschen bei einer Kundgebung zusammen.

Schon in der Nacht zum Dienstag legten viele Metallerinnen und Metaller die Arbeit zum Auftakt nach Ende der Friedenspflicht nieder. Im Bezirk Küste beteiligten sich bereits 2600 an diesem ersten nächtlichen Warnstreik. „Mit Ende der Friedenspflicht sind viele Kolleginnen und Kollegen aus den Nachtschichten vors Tor gezogen", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Sie haben ein deutliches Zeichen für unsere Forderungen gesetzt. Gemeinsam wollen wir Einkommen stärken, Beschäftigung sichern und die Zukunft in den Betrieben gestalten.“

Mehr Warnstreiks und Aktionen sowie Nachrichten zu den Tarifverhandlungen findest Du in unserem Newsticker.

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