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Transformationsatlas der IG Metall
Jörg Hofmann: "Viele Arbeitgeber haben keine Strategie zur Bewältigung der Transformation"

Mit dem Transformationsatlas ist es der IG Metall gelungen, den digitalen Wandel sichtbar zu machen. Deutlich wird: Risiken und Unsicherheiten nehmen zu. Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, fordert von den Arbeitgebern, die Betriebe auf die Transformation einzustellen.


Die Ergebnisse sind eindeutig, die Zahlen eindrücklich. Sie machen deutlich: Es ist an der Zeit zu handeln, es ist dringend geboten, jetzt aktiv zu werden – denn klar ist: Die Transformation wird die Arbeitswelt grundlegend ändern, und das wird weitreichende Auswirkungen für die Beschäftigten haben: Welche Auswirkungen das konkret sein werden, welche Umbrüche auf die Betriebe zukommen, das wollte die IG Metall mit betrieblichen Transformationsatlanten sichtbar machen, die im Frühjahr in Betrieben überall in der Republik erstellt wurden. Zugleich ging es darum, einen detaillierten, generellen Überblick über Ausmaß und Auswirkungen des digitalen Wandels zu erhalten. Das ist gelungen.


Viele Betriebe auf Transformation nicht vorbereitet

Die Ergebnisse zeigen: Viele Unternehmen im Organisationsbereich der IG Metall sind auf den digitalen und ökologischen Wandel nicht vorbereitet. „Knapp die Hälfte der Betriebe haben keine oder keine ausreichende Strategie zur Bewältigung der Transformation. Betriebe und Beschäftigte müssen sich auf neue Qualifikationen und zum Teil auch neue Geschäftsmodelle einstellen. Die dazu notwendige Fähigkeit zur Veränderung ist allerdings erst in Ansätzen bemerkbar. Wenn sich die Unternehmen weiterhin so defensiv verhalten, spielen sie Roulette mit der Zukunft der Beschäftigten“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, bei der Vorstellung des Transformationsatlas der Gewerkschaft.

 

Erstellt wurde der Transformationsatlas auf der Basis von Daten aus knapp 2000 Betrieben, in denen mehr als 1,7 Millionen Menschen beschäftigt sind. Mittels Fragebogen, der zumeist in einer betrieblichen Arbeitsgruppe vom Betriebsrat und Vertrauenskörper gemeinsam mit dem Betriebsbetreuer, der Betriebsbetreuerin diskutiert und ausgefüllt wurde, konnten in jedem Betrieb eine detaillierte Bestandsaufnahme vorgenommen, jeweils spezifische Chancen- und Risikopotentiale in Bezug auf den Transformationsprozess ermittelt und so konkrete betriebliche Herausforderungen und Handlungsfelder identifiziert werden

Die Ergebnisse zeigen klar auf: Digitalisierung hält Einzug überall in die Betriebe – allerdings schreitet sie ungleichzeitig, mit unterschiedlichem Tempo voran. Von der Digitalisierung wird vor allem die Arbeit in der Fertigung und Montage, in der Verwaltung und Logistik sowie in der Technischen Kundenbetreuung massiv betroffen sein. Die dortigen Arbeitsplätze enthalten große Anteile an Tätigkeiten, deren Profil sich verändern wird oder die teilweise entfallen könnten. 57 Prozent der Beschäftigten in den beteiligten Betrieben üben Tätigkeiten mit einem hohen Potential für eine Substituierung aus.


Autoindustrie wird sich am stärksten wandeln

„Die Betriebe stehen erst am Beginn der Transformation, doch schon jetzt ist abzusehen, dass es mittelfristig zu einem Beschäftigungsabbau kommen wird, der sich nach Regionen und Branchen unterscheidet. Die höchsten Rückgänge erwarten wir in Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten“, sagte Rudolf Luz, Bereichsleiter Betriebspolitik beim Vorstand der IG Metall in Frankfurt.

Besonders die Automobil- und die Zulieferindustrie wird durch den Technologiewandel stark verändert: In 54 Prozent der Betriebe in dieser Branche wird damit gerechnet, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinken wird. „Vor allem für Zulieferer kann die Transformation existenz-gefährdend werden, wenn sie nur über wenig Kapital und keine tragfähigen neuen Geschäftsmodelle verfügen“, sagte Hofmann.

Gut vorbereitet auf den digitalen Wandel sind die meisten Betrieb allerdings nicht: Die Hälfte der untersuchten Betriebe hat keine systematische Personalplanung und -bedarfsermittlung. Gleiches gilt für die Qualifizierungsbedarfsermittlung, die nur in 45 Prozent der Betriebe systematisch erfolgt.

 

 


Arbeitgeber müssen Vorsorge treffen

Angesichts dieser Ergebnisse fordert der Gewerkschafter von den Arbeitgebern, Vorsorge zu treffen und die Betriebe auf die Transformation einzustellen. „Die Unternehmen müssen die anstehenden Veränderungen offensiv angehen. Dazu gehören Investitionen in neue Produkte, Prozesse und in neue Geschäftsmodelle. Nötig ist auch eine vorausschauende Personalplanung und betriebliche Qualifizierung, um sicherzustellen, dass die Betriebe den Wandel bewältigen können“, sagte Hofmann. Berufliche Weiterbildung darf sich nicht mehr auf Spezialisten und Führungskräfte beschränken, alle Beschäftigtengruppen müssen die Chance bekommen, sich zu qualifizieren. Hofmann: „Dieser Wandel kann nur zusammen mit den Beschäftigten gelingen. Der Betriebsrat braucht deshalb mehr Mitbestimmungsrechte bei der betrieblichen Weiterbildung, der Personalplanung und bei strategischen Fragen.“

Auch die Politik ist bei der digitalen und ökologischen Transformation in der Verantwortung. Viele Betriebe fahren auch deshalb auf Sicht, weil über die Rahmenbedingungen der Energie- und Mobilitätswende weiter Unklarheit besteht. Dazu gehören auch notwendige Milliarden-investitionen in die Infrastruktur.

Für Regionen, die vom Strukturwandel besonders betroffen sind, weil sie zum Beispiel stark von der Automobilindustrie abhängen, müssen Strukturfonds aufgelegt werden, um die Veränderungen abzufedern.


Transformations-Kurzarbeitergeld dringend erforderlich

Dringend erforderlich ist auch ein Transformations-Kurzarbeitergeld. Wenn durch den Strukturwandel Arbeitsvolumen wegbricht, können die Beschäftigten mit diesem neuen arbeitsmarktpolitischen Instrument in einem Betrieb gehalten und zugleich für die Arbeit an neuen Produkten geschult werden. Hofmann: „Wir brauchen das Transformations-Kurzarbeitergeld als Beschäftigungsbrücke, wenn Entlassungen vermieden werden sollen.“

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die IG Metall zu einer Kundgebung unter dem Motto #FairWandel am Samstag, 29. Juni 2019, am Brandenburger Tor in Berlin auf.

#FairWandel
Auf nach Berlin!

Am 29. Juni fahren wir zur Großdemonstration nach Berlin. Unser Ziel: Regierung und Unternehmen endlich zum Handeln bewegen. Damit der anstehende Umbau der Industrie gelingt - sozial, ökologisch und demokratisch.

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