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Jörg Hofmann über Tarifbindung

© Foto: IG Metall

Jörg Hofmann über Tarifbindung

Gerecht geht nur mit Tarifvertrag

01.03.2016 Ι In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie verhandelt die IG Metall über mehr Geld. Ihr Erster Vorsitzender, Jörg Hofmann, erklärt, warum es um mehr als die Zahl vor dem Komma geht.

Was ist für Dich gerecht, wenn es um mehr Entgelt geht?

Jörg Hofmann: Eine gerechtere Verteilung zugunsten der Arbeitseinkommen. Eine gerechtere Verteilung für alle und nicht nur für die, die stark auf dem Arbeitsmarkt sind.

Was heißt das für die Tarifrunde?
Hofmann:
Gerechtigkeit geht nur mit Tarifvertrag. Er hilft gerade den Schwachen. Angelernte Beschäftigte verdienen ohne Tarifvertrag im Schnitt 32 Prozent weniger als ihre Kollegen mit Tarifvertrag. Auch zwischen Frauen und Männern schaffen Tarifverträge mehr Gerechtigkeit und schließen bei gleicher Qualifikation die Entgeltlücke. Ohne Tarifvertrag liegen Frauen deutlich tiefer in den Einkommen. Aber nur noch jeder zweite Beschäftigte in unserer Branche hat Anspruch auf den Tarifvertrag. Das wollen wir ändern und wieder mehr in den Tarifvertrag holen. Dazu treten wir solidarisch für alle an.

 

Macht es die Tarifrunde einfacher, wenn es nur um Geld geht?

Hofmann: Es gibt keine einfachen Tarifrunden. Wenn es nur um Geld geht, macht sich alles nur an einer Zahl fest. Das macht es nicht einfacher.

 

Die Arbeitgeber warnen vor Höhenflügen bei den Löhnen, weil es Arbeitsplätze in Deutschland gefährde. Welche Risiken siehst Du?

Hofmann: Ich sehe im Moment nur eins, das abhebt: die Profite, die gerade in diesen Wochen viele Unternehmen ausweisen. Unsere Tarifforderung ist kein Höhenflug. Sie stabilisiert Kaufkraft und Beschäftigung. Angesichts der stabilen wirtschaftlichen Lage gibt es keinen Grund, von der verlässlichen Lohnpolitik der vergangenen Jahre abzuweichen.

 

Gesamtmetall nennt die stabile Lage einen Scheinaufschwung, der getragen wird von billigem Öl, niedrigen Zinsen und niedrigem Wechselkurs. Was ist dran?

Hofmann: Die Rahmenbedingungen sind im Moment für die Wirtschaft günstig. Aber warum soll davon nur die Kapitalseite profitieren? Das leuchtet mir nicht ein.

 

Setzen gestiegene Lohnstückkosten und geringe Produktivität die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aufs Spiel?

Hofmann: Nein, international stehen die deutschen Unternehmen glänzend da. Das ganze letzte Jahr ist ein Gegenbeweis für diese Behauptung. Wir haben Anfang des Jahres einen guten Tarifabschluss gemacht und die Betriebe haben neue Leute eingestellt. Die Zahl der Beschäftigten ist auf Rekordniveau. Und wenn nach Jahren einer unterdurchschnittlichen Entwicklung der Lohnstückkosten, es nun zu einem Aufholen kommt, ist dies aufgrund der Ertragskraft, aber auch der weiter sinkenden Lohnquote verkraftbar.

 

Wie sieht es mit den Investitionen aus und welche Rolle spielen Löhne für die Entscheidung, zu investieren? 

Hofmann: Es mangelt tatsächlich an Investitionen im Inland. Aber da muss man genau hinschauen. Der Fahrzeugbau und die Großbetriebe investieren viel. Die Klein- und Mittelbetriebe investieren wenig. Aber sie sind nicht ertragsschwächer, sondern sie leiden unter unsicheren Rahmenbedingungen wie den Energiepreisen oder der Unsicherheit, was für sie Innovationsschritte wie Industrie 4.0 bedeuten. Wir müssen aufpassen, dass Klein- und Mittelbetriebe nicht abgehängt werden. Auch Politik kann hierzu Beiträge leisten. Es ist wichtig, die politischen Rahmenbedingungen zu verbessern. So frage ich mich, warum Erträge aus Investitionen in Finanzprodukte steuerlich günstiger sind als aus Investitionen in Maschinen.

 

Wie sieht für Dich am Ende der Tarifrunde ein gerechtes Ergebnis aus?

Hofmann: Das liegt in unserer Hand. Mehr Gerechtigkeit fällt nicht vom Himmel. Unser solidarisches Handeln ist gefordert, wenn wir ein Mehr an Entgeltunde in Mehr an Tarifbindung durchsetzen wollen. "Wir für mehr" ist daher auch 2016 das richtige Logo der Tarifrunde Metall- und Elektro.

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