MAN-Warnstreik in Nürnberg
Kein MAN-Motor läuft vom Band

Von Trillerpfeifengeheul und lautem Applaus der Metallerinnen und Metaller begleitet schließen pünktlich um 6 Uhr bei MAN Truck & Bus in Nürnberg die Werkstore. Ein Banner der IG Metall macht allen Vorbeifahrenden deutlich: „Dieser Betrieb wird bestreikt.“


Nichts geht mehr ― den ganzen Tag über. Kein Motor läuft vom Band, keiner verlässt das Werk.

Vor den Toren wärmt sich Tobias Apgar an einer Feuertonne, eingeprägt ist Forderung nach 6 Prozent mehr Geld: „Wir wollen ein gerechtes Stück vom Kuchen abhaben“, sagt die Fachkraft für Lagerlogistik. Die Unternehmen streichen riesige Gewinne ein, die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Ganztägige Warnstreiks in der Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektronindustrie treffen sie da hart: „Die Arbeitgeber sollen sehen, dass wir vehement hinter unseren Forderungen stehen“, betont Vertrauensmann Tobias Apgar.

 

 

Die Feuerlöwen

Mit überwältigender Mehrheit haben sich die Beschäftigten bei MAN in Nürnberg für die ganztägigen Warnstreiks ausgesprochen, um unsere Forderungen zu unterstützen und noch mehr Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. „Der Rückhalt bei den Beschäftigten ist gigantisch“, freut sich Jürgen Wechsler, Bezirksleiter Bayern. „Die IG Metall ist wild entschlossen, ja vielleicht sogar so entschlossen wie noch nie, ein deutliches Zeichen in der Tarifpolitik zu setzen. Denn die Zeit gehört uns, und sonst niemandem.“

Die Feuerlöwen, diesen Namen haben sich die Metallerinnen und Metaller von MAN Nürnberg eigens für die Tarifrunde zugelegt, halten selbst gebastelte Schilder mit ihrem Logo in die Höhe: „Wir wollen die Wahloption auf kurze Vollzeit“, ist darauf zu lesen. Die IG Metall setzt sich zusätzlich für einen Entgeltzuschuss für Beschäftigte ein, die ihre Arbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren und gleichzeitig Kinder erziehen oder Verwandte pflegen wollen.


Solidarität von vielen Seiten

Günter Geller ist Prozessplaner im MAN-Motorenwerk. Er sagt: „Es kann einfach Phasen im Leben geben, in denen man auf eine Arbeitszeitreduzierung angewiesen ist.“ Seine jungen Kolleginnen Kristina Scheming und Tina Betz fügen hinzu: „Ohne Probleme muss es danach aber auch wieder in eine Vollzeitanstellung gehen können.“

Nicht nur die Metallerinnen von MAN sind an diesem Morgen in Nürnberg auf der Straße. Auch Elke Babetz von AEG Elektrolux und Birgit Lageder von Siemens sind in ihrer Freizeit gekommen, um sich solidarisch zu zeigen. „Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir gemeinsam dafür einstehen“, sagt Elke Babetz. Sie findet die IG Metall-Forderungen wichtig und richtig. „Ohne die Gewerkschaft wären die Arbeitnehmer verloren.“

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