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Metall-Tarifrunde 2018
Bundesweite Warnstreiks

Seit vergangener Woche gingen mehr als 376.000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie zu Warnstreiks auf die Straße. Sie fordern 6 Prozent mehr Geld und Arbeitszeiten, die zum Leben passen. Wir haben Eindrücke in Köln, Schweinfurt und Homburg gesammelt.


Warnstreik, Ford Entwicklungszentrum Köln

Das Foyer des Entwicklungszentrums von Ford in Merkenich ist voll. Vor den Türen und im Eingang drängeln sich Metaller. Wir haben zum Warnstreik aufgerufen und fast 600 sind gekommen. Auf der Treppe, die sich nach oben zur Empore windet, steht der Leiter der Ford Vertrauensleute, Benjamin Gruschka. Er berichtet von den bisherigen Verhandlungen, von der Verweigerungshaltung der Arbeitgeber.

Lukas Preußer ist zum Warnstreik gekommen. Der Ingenieur arbeitet zurzeit Teilzeit, 25 Stunden, drei Tage die Woche. Er hat einen 18 Monate alten Sohn und macht Elternzeit. Die Haltung der Arbeitgeber zur Arbeitszeitforderung von uns kann er nicht verstehen: „Pauschal zu sagen, wir wollen die Verkürzung auf 28 Stunden nicht, geht nicht“, sagt der 31-Jährige. „Flexibilität ist doch auch im Interesse der Arbeitgeber. Das funktioniert aber nur, wenn es auch Flexibilität für Beschäftigte gibt.“

 

Wunsch nach Flexibilität

Ein Stück weiter steht Nils Heinzmann. Er arbeitet in der Entwicklung bei Ford in Aachen und ist zum Warnstreik nach Köln gefahren. Das Angebot der Arbeitgeber von 2 Prozent nennt er einen Witz. „Aber es zeigt auch, wie berechtigt unsere Forderung nach 6 Prozent ist, wenn sie jetzt schon 2 Prozent bieten“, sagt Nils. Dass die Arbeitgeber gleich mit einer Gegenforderung zur Arbeitszeit gekommen sind, findet er ein starkes Stück. „Die Arbeitgeber können sich bei der Flexibilität nicht nur die Rosinen herauspicken, sie müssen auch was zurückgegeben.“ Er sieht Pflege als das große Thema in den kommenden Jahren. „Die Arbeitgeber haben jetzt die Chance, mit einem modernen Tarifvertrag bei diesem Thema ein Zeichen zu setzen.“


Warnstreik, Monteure in Köln

Mit Luftmatratzen, Schwimmreifen und Surfbrettern haben sich Monteure von Otis, Kone, Schindler, Thyssen-Krupp Aufzüge und der Bosch Sicherheitssysteme am Fühlinger See im Kölner Norden zum Warnstreik aufgemacht. Sie halten ein Transparent in die Höhe mit der Aufschrift: „Rufbereitschaft ― ohne uns geht ihr baden.“ Wenn irgendwo ein Aufzug hängt oder ein System nicht funktioniert, müssen die Monteure raus ― zu jeder Tages- und Nachtzeit. Die Rufbereitschaft macht allen hier zu schaffen. Rufbereitschaft heißt eine Woche lang 24 Stunden auf Abruf zu leben. Georg Vinck, Monteur bei Thyssen-Krupp Aufzüge, kann in einer solchen Woche alle privaten Verabredungen vergessen.

Die Arbeitszeit der Monteure ist belastend, aber auch insgesamt hat sich die Arbeit verdichtet. Beschäftigte, die in Rente gingen, wurden nicht oder nur teilweise ersetzt, erzählt Andreas Fischer, Monteur bei der Bosch Sicherheitssysteme GmbH. Wenn er zu einer Fortbildung geht, muss er vorarbeiten oder seine Arbeit bleibt liegen. Georg Vinck wünscht sich, Arbeit und Freizeit wieder besser planen und vereinbaren zu können. Deshalb ist er zum Warnstreik am Fühlinger See gekommen: „Die Arbeitgeber bewegen sich nur, wenn wir Druck machen.“


Warnstreik in Schweinfurt

Vor gut 4 000 Warnstreikenden in Schweinfurt rief Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler den Arbeitgebern kämpferisch entgegen: „Wenn ihr stur seid, sind wir auch stur. Und unsere Sturheit heißt: Die Räder stehen still.“ Wir könnten auch mehr als ein paar Stunden Warnstreik. „Wir können auch den ganzen Tag, wenn es sein muss. Die IG Metall wird solange keine Ruhe geben, bis wir den Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt haben“, betonte Wechsler in Schweinfurt vor mehr als 4 000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die Beschäftigten sollen das Recht erhalten, ihre Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, mit teilweisem Lohnausgleich. Denn: Die Arbeitszeit muss auch zum Leben passen. Wir fordern außerdem sechs Prozent mehr Lohn.

Diakon Peter Hartlaub, Leiter der Betriebsseelsorge im Bistum Würzburg, griff ebenfalls unserer Forderung nach einem Recht zur Arbeitszeitverkürzung für die Beschäftigten auf. Bislang sei der Umstieg von Voll- in Teilzeit vielfach nur ein „Gnadenerweis der Arbeitgeber“. Damit muss Schluss sein. „Ein Recht ist ein Recht und kein Gnadenerweis“, betonte Hartlaub bei den Warnstreiks in Schweinfurt, für die Tausende Beschäftigten von Schaeffler, Bosch Rexroth, ZF und SKF auf die Straße gingen. „Wenn wir nicht im Betrieb sind, passiert dort gar nichts“, ermunterte Norbert Lenhard, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Schaeffler Technologies AG & Co. KG, die Streikenden mit Verweis auf die vollen Auftragsbücher zu Durchhaltevermögen in der Tarifauseinandersetzung.


Warnstreik, Bosch und Bosch Rexroth in Homburg

Unser Erste Vorsitzende, Jörg Hofmann, sprach vor den Warnstreikenden von Bosch und Bosch Rexroth in Homburg/Saar. Dort gingen 2 000 Beschäftigte auf die Straße. In seiner Rede vor den Warnstreikenden Hofmann, die Arbeitgeber dazu auf, ihre Blockadehaltung endlich aufzugeben. Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es hier:

Warnstreik bei Bosch und Bosch Rexroth

Mit Trommeln und Ölfässern in den Warnstreik

Seit dieser Woche rollt die Warnstreikwelle in der Metall- und Elektroindustrie. Über 250.000 Beschäftigte haben sich bisher daran beteiligt. Bei Bosch und Bosch Rexroth in Homburg/Saar waren es 2000. In seiner Rede vor den Warnstreikenden in Homburg forderte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, die Arbeitgeber dazu auf, ihre Blockadehaltung endlich aufzugeben. mehr...

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