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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
Eine Frage des Respekts

„Stell dich nicht so an“ – das müssen sich Frauen anhören, wenn sie sich gegen dumme Sprüche oder plumpe Anmache im Job wehren. Dass nun in Deutschland eine Debatte über Sexismus geführt wird, ist nicht überzogen.


Fast jede Frau kennt sie – die taxierenden Blicke von Kollegen oder Vorgesetzten. Andere müssen sich schon mal Pfiffe, schlüpfrige Sprüche über ihre Figur oder zotige Witze mit zweideutigen Anspielungen anhören. Während die eine das noch als schlechten Humor abtut, fühlt sich die andere dadurch vielleicht belästigt und unwohl. Denn sexuelle Belästigung fängt nicht erst bei ungewolltem Körperkontakt an – auch verbale Entgleisungen gehören dazu. Wenn Frau das offen anspricht oder sich wehrt, kann sie sich schnell den Vorwurf einhandeln, eine humorlose, verbissene „Emanze“ zu sein.


Der Umgang miteinander hat etwas mit Respekt oder vielmehr mit fehlendem Respekt zu tun. Sexuelle Übergriffe kommen deutlich häufiger in Bereichen vor, in denen Frauen diskriminiert werden, kritisiert Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Sie sagt: „Wenn sich Frauen und Männer dagegen auf Augenhöhe begegnen, relativiert sich der Charakter der Belästigung“. Männer können ihre Machtposition dann nicht so einfach ausspielen.

Diskriminierungsfreies Arbeitsklima schaffen ...

„Wir brauchen eine Unternehmenskultur, die sexuelle Belästigung nicht nur unterbindet, sondern ein diskriminierungsfreies Arbeitsklima schafft“, sagt Gabriele Trittel, Betriebsrätin bei VW in Wolfsburg. Der Autokonzern hat sich diesem Ziel schon seit längerem verschrieben und eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die das Verfahren bei sexuellen Belästigungen regelt. „Pinup-Girls“ in Umkleideschränken beispielsweise verstoßen danach gegen die Arbeitsordnung und werden bei VW nicht geduldet.

Je nach Schwere des Vorfalls folgen auf sexuelle Übergriffe Verweise, Entgeltkürzungen, Versetzungen oder in schweren Fällen sogar Entlassungen. Doch VW geht auch präventiv vor, denn es geht nicht nur darum, dass derartige Vergehen bestraft werden. Der Autokonzern bietet ein Pflichtseminar zum Thema „Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz“ an. Dort werden angehende Führungskräfte auf Konflikte vorbereitet und erfahren, wie ein möglichst diskriminierungsfreies Arbeitsklima geschaffen werden kann.

... damit sich Männer und Frauen

In vielen Firmen ist sexuelle Belästigung noch immer ein Tabu. Darüber spricht man nicht. Die Opfer fühlen sich in ihrer Würde verletzt und schweigen. Die Täter sehen sich in ihrer Stellung bestärkt und viele Beschäftigte schauen einfach weg. Und: Es kommt in den „besten“ Kreisen vor, in Büros des Managements genauso wie in Fabrikhallen.


Doch meistens sind Frauen betroffen, die sich noch in der Probezeit befinden oder in der Firmenhierarchie weiter unten arbeiten. Also Frauen, von denen Männer glauben, dass sie sich nicht wehren können. „Mann“ versucht auf diese Weise Abhängigkeitsverhältnisse auszunutzen. In anderen Fällen wird sexuelle Belästigung eingesetzt, um Kolleginnen zu verunsichern oder sie als Konkurrenz auszuschalten. Auch in Zukunft wird es in den Unternehmen unterschiedliche Führungsebenen und damit Abhängigkeiten geben. Daher sind klare Regeln notwendig, um ein diskriminierungsfreies Klima zu schaffen.

... auf Augenhöhe begegnen

„Eigentlich kann sexueller Belästigung nur mit konsequenter Gleichstellung von Frauen begegnet werden. Wo Frauen angemessen vertreten sind, ist der Führungs- und Umgangsstil ein anderer. Daher liegt es auf der Hand, dass die Frauenquote ein gutes Mittel gegen sexuelle Belästigungen ist“, sagt Christiane Benner. Denn dann könnten die Machtverhältnisse in vielen Bereichen wieder gerade gerückt werden.

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