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Tarifkonflikt

Ingenieure bei IAV im Warnstreik

30.05.2018 Ι Erstmals in ihrer Geschichte traten die Beschäftigten des Entwicklungsdienstleisters IAV für zwei Stunden in den Warnstreik. Nach drei ergebnislosen Tarifverhandlungen wollen sie endlich einen fairen Abschluss. Die Geschäftsleitung jedoch besteht auf deutliche Abstriche bei den Einstiegsgehältern bei IAV. Die Beschäftigten wollen jedoch keine Spaltung.

Die Beschäftigten des Entwicklungsdienstleisters "Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr" (IAV) sind am Mittwoch zum ersten Mal in ihrer Geschichte in den Warnstreik getreten. Rund 3600 Ingenieure und Techniker in Berlin, Chemnitz, Gifhorn, Ingolstadt, München und Sindelfingen legten die Arbeit nieder.


Am größten Standort in Gifhorn, wo heute auch der Aufsichtsrat von IAV tagt, kamen 2500 von 3500 Beschäftigten zu einem Demonstrationszug vor die Tore und blockierten die Zufahrt für die Vertreter des Managements, die zur Aufsichtsratssitzung anreisten. Der Demonstrationszug in Gifhorn wurde per Livestream an alle anderen Standorte übertragen.

 

Für einen fairen Tarifabschluss: In Chemnitz üben 300 Beschäftigte Druck auf die Geschäftsführung aus.


Geschäftsleitung will Einstiegsgehälter kürzen

Mit ihren Warnstreiks wollen die IAV-Beschäftigten nach nunmehr drei ergebnislosen Tarifverhandlungen Druck auf die IAV-Geschäftsleitung machen: Sie wollen endlich einen fairen Tarifabschluss bei IAV, der sich am Flächentarifvertrag der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie orientiert, mit einer Erhöhung der Entgelte um 4,3 Prozent.


Die Geschäftsleitung von IAV jedoch will nur abschließen, wenn die gewählte Verhandlungskommission der IG Metall deutlichen Abstrichen zustimmt. Ingenieure, die neu bei IAV einsteigen, sollen deutlich weniger verdienen als bisher - und deutlich weniger als die bereits bestehende Belegschaft, trotz des allgemein beklagten Ingenieurmangels auf dem Arbeitsmarkt.


"Alle schütteln den Kopf. In der gesamten Metall- und Elektrobranche haben wir Tarifergebnisse abgeschlossen, auch bei VW und seinen Töchtern, nur bei IAV gibt es Probleme", kritisiert Dietmar Brennecke von der IG Metall Wolfsburg, der das Unternehmen IAV betreut. "Warum wissen wir nicht. Der Streit ist für uns unverständlich, denn IAV ist ein Top-Unternehmen."


Die weltweit über 7000 Beschäftigten entwickeln in hoher Qualität für viele Autohersteller weltweit, in eigenen IAV-Entwicklungszentren und eigenen Laboren. In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Beschäftigten verdoppelt, der Umsatz stieg von 375 auf 850 Millionen Euro. Und: Seit über 25 Jahren hat der Entwicklungsdienstleister einen eigenen Tarifvertrag mit der IG Metall und ist auch damit ein Vorzeigunternehmen in der Dienstleistungsbranche.


Beschäftigte gegen Spaltung und für Warnstreik

"Alle Bereiche sind für viele Jahre voll ausgelastet, die Prognosen sind super und unsere Kunden loben unsere kompetenten Mitarbeiter. Da ist es unverständlich für uns, dass die Geschäftsführung das nicht würdigt und behauptet, dass wir gefährdet seien", kritisiert Mark Bäcker, Betriebsratsvorsitzender am größten IAV-Standort in Gifhorn bei Wolfsburg und Mitglied der IG Metall-Verhandlungskommission. "Wir suchen händeringend Fachkräfte, um die Aufträge abzuarbeiten, die IAV aufgrund seines hervorragenden Teams akquirieren konnte und die Geschäftsleitung hat nichts Besseres zu tun, als die Belegschaft zu demotivieren und Bewerber abzuschrecken? Das ist doch ein Stück aus dem Tollhaus!"


Tatsächlich hat die IG Metall-Verhandlungskommission der Geschäftsführung in den bislang drei Tarifverhandlungen bereits Kompromisse und Gespräche über eine neue Entgeltsystematik angeboten. In der Vergangenheit war die IG Metall dem Unternehmen bereits mit der Einführung niedrigerer Grundstufen in den Entgeltgruppen entgegengekommen.


Doch eines wollen die Beschäftigten nicht: Niedrigere Entgelte für die Neueinsteiger. Diese Rückmeldung haben die Betriebsräte von der Belegschaft auf Betriebsversammlungen eingeholt, erklärt Johannes Katzan, Verhandlungsführer der IG Metall bei IAV. "IAV legt ohne Not die Axt an den Teamgeist und damit die wesentliche Ressource des Unternehmens. Eine unterschiedliche Bezahlung im Unternehmen führt zu Demotivation und zur Spaltung der Belegschaft, wo doch alle Kraft auf die Teamleistung beim Kunden konzentriert werden sollte. Doch die Belegschaft ist ein Team und lässt keine Spaltung zu. Schon in den letzten Wochen erreichten uns aus allen Standorten Nachfragen, wann wir mit den Warnstreiks beginnen."


Vor der dritten Tarifverhandlung am 18. Mai in Gifhorn hatten bereits 900 Beschäftigte für die Tarifforderung der IG Metall demonstriert. Am Montag stimmte schließlich die gewählte Tarifkommission der IG Metall bei IAV für den Warnstreik.


Heute waren es mit bundesweit rund 3600 Warnstreikenden mehr als viermal so viele Teilnehmer - mehr als die Hälfte der Beschäftigten der deutschen IAV-Standorte. "Überwältigend", findet Mark Bäcker den Zuspruch der Beschäftigten. Damit hätten die Metaller bei IAV nicht gerechnet. "Vor allem haben uns die Beschäftigten noch einmal einen klaren Auftrag erteilt: Wir lassen uns nicht spalten."

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Werner Bachmeier
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