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Unsichere Arbeit: IG Metall fordert faire und sichere Jobs. Foto: Izabela Harbur/iStockphoto

Betriebsräteumfrage der IG Metall zu unsicherer Beschäftigung

Ausmaß prekärer Beschäftigung unverändert hoch

16.02.2011 Ι Trotz des anhaltenden Aufschwungs sind die Chancen auf einen unbefristeten Arbeitsplatz weiter gesunken. Das geht aus einer Umfrage der IG Metall unter fast 5000 Betrieben im Organisationsbereich der Gewerkschaft hervor. Dass die Arbeitgeber voll auf Leiharbeit und prekäre Beschäftigung setzen, bezeichnet der Erste Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber als einen "arbeitsmarktpolitischen Irrweg mit weit reichenden und gefährlichen Konsequenzen" für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die bundesweite Umfrage unter 4937 Betrieben im Organisationsbereich der IG Metall bestätigt die Befürchtungen der Gewerkschaft: Trotz des anhaltenden Aufschwungs setzen die Arbeitgeber verstärkt auf prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Begünstigt durch das "Nichtstun" der Regierungsparteien verfolgen die Arbeitgeber eine "Dumping-Strategie".

Fehlende Perspektive
Doch Leiharbeit, Befristungen, Werkverträge und Auszubildende ohne dauerhafte Übernahme sind keine sichere Zukunftsperspektive, kritisiert der Erste Vorsitzende der IG Metall Berthold Huber. "Sie sind auch keine stabile Grundlage für den Wirtschaftsstandort Deutschland", so Huber.

Bereits die Ergebnisse der Befragung vom September 2010 waren alarmierend. Der damals festgestellte hohe Anteil an prekären Arbeitsverhältnissen bleibt auf konstant hohem Niveau, stellt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, fest. Er kritisiert: "Nichts hat sich geändert. Im Gegenteil: Die Arbeitgeber richten sich mit Leiharbeit und Befristung ein." Zunehmend werde Leiharbeit als Instrument zur Etablierung einer neuen Billiglohnlinie eingesetzt, obwohl immer wieder öffentlich verkündet wird, dass es nur um das Abfedern von Auftragsspitzen gehe, stellt Wetzel fest.

Leiharbeit: weit verbreitet
Nach der aktuellen Umfrage richten sich mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen trotz des anhaltenden Aufschwungs mit Leiharbeit und Befristungen ein. Dort, wo Leiharbeitnehmer zum Einsatz kommen, machen sich die Betriebsräte der IG Metall für sie stark. So konnte in einem Viertel der Betriebe die Leiharbeit quotiert oder begrenzt werden. Und: In 34 Prozent aller Betriebe, in denen es Leiharbeit gibt, wurden Entgelterhöhungen oder sonstige "Besser-Vereinbarungen" abgeschlossen.


Neueinstellungen: überwiegend befristet

In 83 Prozent der befragten Betriebe besteht zusätzlicher Bedarf an Mitarbeitern. Trotz stabiler Konjunkturaussichten wird etwa nur ein Fünftel in einem normalen Arbeitsverhältnis eingestellt. Der hohe Anteil an prekären Arbeitsverhältnissen zu Beginn des Aufschwungs  - besonders an Befristungen - bleibt also weiterhin konstant hoch.



Werkverträge: schon Standard in vielen Betrieben
Neben der Leiharbeit sieht Detlef Wetzel vor allem im Missbaruch von Werkverträgen ein beliebtes Instrument für Lohndumping, Entrechtung und Flexibilisierung im Betrieb. In über einem Drittel der befragten Unternehmen werden Werk- und Dienstverträge als Flexibilisierungsinstrument eingesetzt. Mit Werkverträgen umgingen Arbeitgeber Kündigungsschutz, betriebliche Mitbestimmung und tarifliche Bezahlung, beklagt Wetzel. Sie tragen keine Verantwortung für Abgaben an die Sozialversicherungen. In über einem Drittel der Betriebe, die Werkverträge nutzen, gehen diese zu Lasten der Stammbelegschaften. Ein Großteil der Werkverträge dient dazu, unsichere Beschäftigung ohne Arbeitgeberpflichten zu etablieren - statt neue Arbeitsplätze in den Betrieben zu schaffen.

Zwei Drittel der Unternehmen übernehmen Auszubildende nur befristet
Der Trend hin zu unsicheren Arbeitsverhältnissen trifft vor allem junge Menschen. Nur 22 Prozent der befragten Betriebe übernehmen ihre Auszubildenden unbefristet. Für den größten Teil bleibt der Berufseinstieg schwierig. Detlef Wetzel kritisiert diese Haltung der Arbeitgeber: "Angesichts des demografischen Wandels und des viel beschworenen Fachkräftemangels agieren die Arbeitgeber nicht nur gesellschatspolitisch, sondern auch betriebswirtschaftlich verantwortungslos."



Aktionstag am 24. Februar

Arbeit muss sicher und fair sein! Die Politik hat es jedoch versäumt - zuletzt im Hartz-IV-Vermittlungsausschuss - dem Missbrauch der Leiharbeit und dem Ausufern prekärer Jobs einen Riegel vorzuschieben. Es gehe der IG Metall in ihrem Protest um den Wert der Arbeit an sich und auch die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland, bekräftigt Berthold Huber. Er warnt: "Arbeit darf nicht zur Ramschware verkommen, denn sie ist der wertvollste Rohstoff, den Deutschland besitzt." Deshalb ruft die IG Metall für den 24. Februar zu einem bundesweiten Aktionstag mit vielfältigen Protestaktionen in und vor den Betrieben auf. 

Von der Politik erwartet Berthold Huber, "dass sie unwürdiger, prekärer Arbeit und Lohndumping endlich einen gesetzlichen Riegel vorschiebt". Die Arbeitgeber fordert er auf, zu einem Konsens zurückzukehren, "in dem Flexibilität fair geregelt ist und nicht durch Leiharbeit, unzulässige Befristungen und Werkverträge unterlaufen wird".

Hintergrund Befragung
Die IG Metall hat im Februar 2011 eine Befragung zur aktuellen Situation von Leiharbeit und anderen Formen prekärer Beschäftigung unter Betriebsratsvorsitzenden im Organisationsbereich der IG Metall durchgeführt. Es wurden 7697 Betriebsratsvorsitzende angefragt, 4937 haben sich an der Umfrage beteiligt. Das entspricht - trotz Nachweihnachtszeit - einer Rücklaufquote von 64,2 Prozent. Ein Großteil der beteiligten Betriebsräte (86 Prozent) vertritt Industrieunternehmen.

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