Kampf um unsere Industrie
Standort und Zukunft bei MAN Salzgitter gesichert

Die Konzernleitung wollte verlagern und ab Januar 2027 bis zu 1300 Beschäftigte entlassen. Doch nun ist die Beschäftigung bei MAN Truck & Bus in Salzgitter bis mindestens 2035 gesichert. Zudem erreichten Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall Investitionen und Mitbestimmung bei der Transformation.

3. Februar 20263. 2. 2026


Schon ab Januar 2027 sollten die Massen-Entlassungen bei MAN Truck & Bus in Salzgitter starten. Radflanschen, Achsschenkel, Kurbelwellen und weitere Komponenten sollten nach Plan der Konzernleitung schrittweise in bereits fertige Hallen in Osteuropa verlagert und bis zu 1300 der 2161 Arbeitsplätze abgebaut werden - trotz hoher Gewinne. Nur die Ersatzteillogistik sollte bleiben.
 

Mit Aktionen Druck gemacht 

Doch das ist vom Tisch. Nach intensiven und teils schwierigen Verhandlungen haben sich die IG Metall und die Geschäftsführung der MAN Truck & Bus SE auf ein weitreichendes Tarifergebnis für den Standort Salzgitter verständigt. Die Vereinbarung schützt die Beschäftigten langfristig, sichert industrielle Wertschöpfung vor Ort und schafft verbindliche Grundlagen für eine mitbestimmte und sozial gerechte Transformation.

Die Produktion von LKW-Komponenten bei MAN in Salzgitter bleibt da. Es gibt keine Entlassungen, betriebsbedingte Kündigungen sind bis mindestens 2035 ausgeschlossen.

Zudem bestimmen die Beschäftigten jetzt mit über die Zukunft ihres Standorts: In dem erzielten Tarifergebnis ist auch ein gemeinsamer Lenkungskreis für die Transformation vereinbart. In den letzten Wochen haben Experten, Facharbeiter und Führungskräfte bereits zahlreiche Vorschläge ausgearbeitet und teils schon konkret durchkalkuliert – von der Optimierung von Maschinennutzungszeiten bis hin zu möglichen neuen Produkten.

„In einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage ist es uns gelungen, eine brutale, ideenlose Entkernung unseres Standorts abzuwenden“, erklärt Hüseyin Uc, Vorsitzender des Betriebsrats bei MAN in Salzgitter. „Wir konnten betriebsbedingte Kündigungen verhindern, eine Beschäftigungsgarantie bis 2035 – mit Option auf Verlängerung bis 2040 – durchsetzen und zugleich wichtige Investitionszusagen für unseren Standort sichern.“
 

Mitbestimmung über Zukunft - kein Verzicht auf Geld

Geld oder andere tarifliche Leistungen geben die Beschäftigten dafür nicht her. Der Arbeitgeber zahlt ihnen sogar noch Geld nach, das er ihnen bereits weggenommen hat: Das Management kündigte einseitig Betriebsvereinbarungen über Prämien und Zulagen. Mit der Januar-Abrechnung erhielten die Beschäftigten mehrere Hundert Euro weniger. Der Druck war enorm.

„Wie sie uns gedroht haben – dass sie alles verlagern würden – so was habe ich in 16 Jahren Tarifpolitik noch nicht erlebt“, meint Verhandlungsführer Carsten Maaß, Tarifsekretär der Bezirksleitung Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Doch die Beschäftigten hielten dem Druck stand – und fragten uns sogar noch, welches Werktor wir zuerst dichtmachen. Dieses Tarifergebnis ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gelebter Solidarität. Geschlossene Reihen und ein außergewöhnlich hoher Organisationsgrad in der IG Metall haben aus individueller Betroffenheit eine wirksame Verhandlungsmacht gemacht.“

 

Demo bei MAN Salzgitter, unterstützt von Metallerinnen und Metallern aus anderen Betrieben.

Arbeitgeber und Beschäftigte richten den Standort Salzgitter nun gemeinsam neu aus. Arbeitsplätze, die durch die Transformation wegfallen, werden ausschließlich sozialverträglich über die Demografie, also etwa über Altersteilzeit abgebaut. Durch den Ausbau der Ersatzteillogistik in Salzgitter werden jedoch auch neue Arbeitsplätze entstehen. MAN hat eine Jobgarantie bis 2035 gegeben, es besteht sogar die Option, dass ab 2030 zusätzlich Personal zugeführt werden muss.

Der Standort Salzgitter erhält nun ein eigenes, verbindliches industrielles Zielbild, das auf dem Erhalt und der Modernisierung zentraler Produktionsbereiche sowie dem Ausbau der Ersatzteillogistik als Hauptkompetenz-Standort basiert. MAN investiert dafür 59 Millionen Euro. Im Lenkungskreis erarbeiten und steuern Unternehmensleitung, Betriebsrat und IG Metall gemeinsam künftige Produkte, Kompetenzen und industrielle Entwicklungsschritte. Das Ziel: neue Produkte sollen, wenn wirtschaftlich, zielgerichtet in Salzgitter angesiedelt werden.

„Bei uns gibt es keine Transformation mit der Kettensäge, sondern Zukunft wird bei MAN in Salzgitter mit der Mannschaft gestaltet“, erklärt Andrea Deiana, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Leiter der IG Metall-Vertrauensleute bei MAN in Salzgitter. „Die Belegschaft bleibt an Bord, niemand verliert seinen Job. Zudem müssen die Beschäftigten keine tariflichen Zugeständnisse machen – das ist ein wichtiges Signal. Ohne eine starke IG Metall an der Seite der Belegschaft wäre unser Werk nur noch eine leere Hülle – ohne Produktion und ohne Menschen.“

Weitere Informationen und Hintergründe bei der IG Metall Niedersachsen-Sachsen-Anhalt und bei der IG Metall Salzgitter-Peine.

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