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Tariferfolg bei Valmet Automotive Engineering
Bundesweite Tarifbindung bei Valmet Automotive Engineering

Sie entwickelten Produkte für die großen Autobauer, arbeiteten aber länger und bekamen ein mageres Gehalt. Bis jetzt: Nach jahrelangen Auseinandersetzungen haben sich die Beschäftigten der Valmet Automotive Engineering Germany GmbH (VAEG) die bundesweite Tarifbindung erkämpft.


Der Schock war groß: Der Entwicklungsdienstleister und damalige Eigner Semcon kündigte den Haustarifvertrag mit seinem Standort in Wolfsburg. Dabei war dieser der einzige in Deutschland, der einen Tarifvertrag besaß. Bundesweit sollte es keine Tarifbindung mehr geben. Das wollte keiner der Beschäftigten hinnehmen. Katrin Bergien, Betriebsratsvorsitzende von VAEG in Wolfsburg, erinnert sich: „Wir in Wolfsburg haben Warnstreiks durchgeführt und versucht, auch die anderen Standorte in Deutschland zu aktivieren, die noch niemals einen Tarifvertrag hatten.“

Der Arbeitgeber zeigte sich zunächst unbeeindruckt. Stattdessen wollte Semcon neue Eingruppierungen der Entgelte einführen, während zuvor die Beschäftigten an den anderen Standorten ihre Gehälter stets individuell verhandeln mussten. Das Problem dabei: Die Entgeltgruppen sollten nicht klar voneinander abgegrenzt sein.

Das Ziel war eindeutig: Semcon wollte zwar die Vorteile der Eingruppierung nutzen, um besser kalkulieren zu können, gleichzeitig sollten aber die Gehälter der Beschäftigten klein gehalten werden. „Der Arbeitgeber wollte die Beschäftigten mit dem neuen Eingruppierungssystem über den Tisch ziehen“, so Bergien. „Wir in Wolfsburg haben die anderen Standorte darauf aufmerksam gemacht und auf die IG Metall als Partner in den Verhandlungen bestanden.“


Gehälter bei Entwicklungsdienstleistern deutlich niedriger

Das Aufbegehren der Beschäftigten war die logische Folge eines Prozesses der vergangenen Jahre. Denn egal, ob Entwicklung, Fertigung oder Lieferung von Produkten: Die Aufgabenbereiche von Entwicklungsdienstleistern sind immer vielfältiger geworden. Automobilkonzerne nutzen deren Dienste gerne, um eigene Arbeitsabläufe auszulagern. Die Gewinne von Entwicklungsdienstleistern sind so in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Beschäftigten dagegen bekommen kaum etwas davon ab: Die wenigsten Entwicklungsdienstleister sind tarifgebunden, die Beschäftigten bekommen im Schnitt 21 Prozent weniger Geld als ihre Kolleginnen und Kollegen mit Tarifvertrag.


 

Schon früh nach Kündigung des Tarifvertrags führte der Wolfsburger Standort Aktionen durch. (Foto: IG Metall)


Große Solidarität unter den Standorten

Die Beschäftigten wollten an den Gewinnen der Branche endlich teilhaben. Neuer Schwung kam 2017 in die Auseinandersetzungen: Das finnische Unternehmen Valmet Automotive übernahm die Semcon-Standorte. Jetzt oder nie, dachten sich die Beschäftigten. Doch die Arbeitgeberseite versuchte immer wieder, die verschiedenen VAEG-Standorte in Wolfsburg, München, Ingolstadt und Bad Friedrichshall gegeneinander auszuspielen. Wenn die einen etwas bekamen, sollten die anderen etwas hergeben. Gleichzeitig beharrte auch der neue Eigner auf der Einführung der undurchsichtigen Eingruppierungen. Doch Beschäftigte und Betriebsräte der VAEG-Standorte spielten nicht mit: „An einigen Standorten hielten Betriebsräte und Vertreter der IG Metall Infoveranstaltungen ab, um den Beschäftigten die Vorteile eines Tarifvertrags zu erläutern“, erzählt Katrin Bergien. Zahlreiche Beschäftigte traten in die IG Metall ein, organisierten sich und stärkten ihre Verhandlungsposition. Sie wollten unbedingt einen Tarifvertrag, der allen Transparenz und Sicherheit bietet.


Zum ersten Mal bundesweiter Tarifvertrag

Valmet Automotive musste schließlich einknicken: Am 1. Oktober trat der neue Haustarifvertrag in Kraft ― diesmal bundesweit. IG Metall-Verhandlungsführer Johannes Katzan zeigt sich zufrieden: „Der neue Haustarifvertrag senkt die Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden ― bei vollem Lohnausgleich.“ Zudem werden die Beschäftigten nun endlich fair den Entgeltgruppen zugeordnet. Besonders für diejenigen von Valmet, die früher nie einen Tarifvertrag besaßen oder unfair eingruppiert waren, bedeutet das ein dickes Lohnplus. Auszubildende und dual Studierende bekommen ebenfalls mehr Geld.

„Der Tarifabschluss ist nicht nur ein großer Erfolg für die rund 800 Beschäftigten von Valmet Automotive Engineering, sondern ein Signal an die ganze Branche der Entwicklungsdienstleistung“, ist sich Johannes Katzan sicher. „Die Beschäftigten haben jahrelang für die Tarifbindung gekämpft und wurden schließlich belohnt. Wir hoffen, dass in Zukunft weitere Entwicklungsdienstleister diesem Beispiel folgen werden.“

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