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Ziel Tarifvertrag fest vor Augen
Fertighausbauer wollen endlich fair behandelt werden

Unsere Mitglieder beim Fertighausbauer DFH fordern erstmals einen Tarifvertrag: faire Löhne, sichere Arbeitsplätze, mehr Ausbildung – und Mitsprache bei den Abläufen im Betrieb. Trotz Rekordgewinne gab es seit Jahren kaum Lohnerhöhungen. Über die Hälfte der Belegschaft ist nun bei uns eingetreten.


Die Stühle reichen nicht, heute bei der Versammlung unserer Mitglieder der Deutschen Fertighaus Holding AG (DFH) im Rheinland-pfälzischen Simmern. Obwohl es Samstag ist und viele von ihnen weit fahren müssen, über kurvige Landstraßen im Hunsrück. Auch einige Monteure, die bundesweit unterwegs sind, sind heute da. Weil es ihnen wichtig ist: Sie wollen einen Tarifvertrag, zum ersten Mal überhaupt bei DFH. Mehr als die Hälfte der Belegschaft ist dafür in den letzten Monaten bei uns eingetreten. Und immer mehr kamen zu den Mitgliederversammlungen.

 


Guten Mutes und das Ziel Tarifvertrag fest vor Augen: IG Metall-Mitglieder bei DFH.


Einstimmig stimmen unsere Mitglieder bei DFH heute dafür: Sie fordern die Geschäftsleitung zu Tarifverhandlungen auf. Sie wollen einen Euro mehr Stundenlohn und eine faire Eingruppierung, für Auszubildende 100 Euro mehr im Monat und eine Ausbildungsquote von 10 Prozent sowie eine Absicherung der Arbeitsplätze. Zudem wollen die Abläufe im Betrieb mitbestimmen und verbessern.


Marktführer – und trotzdem kaum Lohnerhöhungen

DFH ist Marktführer bei der Fertigung und Montage von Fertighäusern in Deutschland, unter anderem unter den Marken Allkauf, Massa Haus, Ein Steinhaus und Okal. Im Bau-Boom der letzten Jahre hat DFH massiv expandiert. Die Zahl der Beschäftigten schnellte in den vergangenen vier Jahren von 500 hoch auf 1300, von denen 800 in Simmern arbeiten. Umsätze und Gewinne sind massiv gestiegen. Doch die Löhne wurden seit Jahren kaum erhöht.

„Wir, die Beschäftigten, sind das Fundament der Umsatzrekorde. Wir haben überproportional Leistung erbracht. Dafür wollen wir auch fair behandelt werden“, fordert der Betriebsratsvorsitzende Dietmar Mohr. Nicht nur bei den Löhnen hakt es bei DFH. Die Beschäftigten leisten Überstunden, die einfach verfallen, ohne Bezahlung oder Freizeitausgleich, vor allem in der Verwaltung. Es mangelt an Fachkräften ― doch DFH hat nicht einmal eine Ausbildungswerkstatt.


Fragwürdige Betriebsführung

Und bei den Abläufen im Betrieb knirscht es gewaltig. „Im letzten Jahr sind zahlreiche Schichten kurzfristig ausgefallen. Die Leute wurden wieder nach Hause geschickt, weil das Material nicht da war. Und dann mussten sie dafür am Samstag kommen, um die Aufträge nachzuholen“, erzählt Betriebsrat Mohr, der früher einmal Produktionsleiter war. „Wir haben hier eine Goldgrube ― doch die wird falsch gelenkt.“

Deshalb wollen unsere Mitglieder künftig bei den Abläufen mitbestimmen und die Prozesse verbessern. So hat es auch Mohr damals gemacht: den Teams selbst Verantwortung übertragen. Schließlich wollen unsere Mitglieder bei DFH auch eine Beschäftigungssicherung durchsetzen. Mindestens 1400 Arbeitsplätze sollen im künftigen Tarifvertrag festgeschrieben werden. Denn der aktuelle Bau-Boom wird nicht ewig anhalten.


Steiniger Weg

Dass heute über die Hälfte der Beschäftigten bei DFH bei eingetreten sind und einen Tarifvertrag fordern, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. „Als ich 2010 das erste Mal zu DFH kam, hatten wir 29 Mitglieder“, erinnert sich Ingo Petzold von der IG Metall Bad Kreuznach. „Und alle sagten: Ein Tarifvertrag? Das wird es bei uns nie geben.“

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von DFH, Thomas Sapper, war eine schillernde Persönlichkeit ― für den Fernsehsender RTL schleuste er sich als „Undercover Boss“ eine Woche in die Belegschaft ein ― aber auch ein erklärter Gewerkschaftsgegner.


Spürbare Veränderungen durch MItgliedschaft

Doch es ging stetig bergauf mit unseren Mitgliedern. 2016 wählten sie Vertrauensleute, die sich regelmäßig samstags zu Workshops treffen ― und vor einigen Monaten auch eine Tarifkommission, die die Tarifforderungen diskutiert und erarbeitet. „Ich habe heute das allererste Mal Gänsehaut“, meint Tarifkommissionsmitglied Andrea Hartseil in der Diskussion. Sie arbeitet in der Verwaltung. „Bei uns verfallen die Überstunden immer am Monatsende“, kritisiert sie. „Und ich hatte seit 14 Jahren keine Lohnerhöhung mehr.“

Davon hatte sie die Nase voll. Sie trat sie bei uns ein. „Das ist ja nichts Freches, sondern ganz normal.“ Jetzt ist Andrea Hartseil Mitglied der Tarifkommission und arbeitet mit bei der Aufstellung der Forderungen und den Vorbereitungen der Verhandlungen.


Verhandlungen ab Januar

Bereits für Ende November haben sie der Geschäftsleitung Verhandlungstermine angeboten, doch die lehnte erst mal ab. Ende Januar soll es nun so weit sein.

Immerhin: Zur fairen Eingruppierung gibt es bereits konstruktive Gespräche. Seit einigen Monaten läuft ein Projekt zusammen mit der Geschäftsleitung, zu dem wir in Bad Kreuznach die Technologieberatungsstelle Rheinland-Pfalz hinzugezogen hat. Das Ziel: ein Entgeltrahmen (Era) zur objektiven Eingruppierung nach der tatsächlich geleisteten Arbeit.


Blick in die Zukunft

Nach dem Haustarifvertrag haben unsere Mitglieder auch schon das nächste Ziel im Blick: Eine Anbindung an unseren Flächentarifvertrag  für die Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie, der nicht nur bessere Löhne sondern auch bessere Arbeitszeiten bietet.

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