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Europäischer Stahlaktionstag 2020
Gemeinsam für den Erhalt der Stahlindustrie

In ganz Europa demonstrierten die Beschäftigten der Stahlindustrie für ihre Zukunft. Sie wollen klimaneutral Stahl produzieren und fordern dafür politische Unterstützung ein.


Die Beschäftigten der Stahlindustrie gehen auf die Straße. Sie kämpfen für die Zukunft ihrer Branche. Am europäischen Stahlaktionstag zeigten gerade auch die deutschen Standorte von Bremen über Eisenhüttenstadt bis nach NRW und ins Saarland Flagge. Unter dem Slogan „Unser Herz aus Stahl hat eine grüne Zukunft“ fordern sie die Politik auf, ihnen bei dem Umbau hin zu einer klimaneutralen Stahlproduktion zu helfen und so den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und der europäischen Stahlstandorte zu garantieren.

Europa will klimaneutral werden und das als erster Kontinent der Welt. Die Beschäftigten der deutschen Stahlindustrie sind bereit, ihren Beitrag dazu zu leisten. Wenn ein ganzer Kontinent klimaneutral sein soll, dann gilt das natürlich auch für die Stahlhersteller. Wie sie das anstellen sollen, das wissen die Beschäftigten auch. Die technische Lösung ist da. Allerdings bisher nur auf dem Papier. Die nötigen Anlagen und die nötige Infrastruktur fehlen. Und genau hier müssen der Staat und die EU einspringen.


Klimaneutraler Stahl braucht staatliche Unterstützung

Um klimaneutral Stahl zu produzieren müssen viele Hersteller ihren Produktionsprozess komplett umkrempeln. Statt Hochöfen brauchen sie nun Direktreduktionsanlagen, statt Kokskohle brauchen sie Wasserstoff und für die Elektroofenroute wird bezahlbarer Strom aus regenerativen Energien benötigt. Das wird teuer. Auch ist in Deutschland bislang nicht genügend Wasserstoff zu bekommen. Daher fordert die IG Metall:

 

  • Staatliche Forschungs- und Investitionsförderung
  • Aufbau von Wasserstoffkapazitäten inklusive der dazugehörigen Leitungsnetze
  • Bezahlbaren Strom aus regenerativen Energien
  • Branchenübergreifendes Handeln
  • Beschäftigungssicherung und Qualifizierung in der Transformation


Mit diesen Forderungen schlägt die IG Metall seit vielen Monaten bei den politischen Entscheidungsträgern in Brüssel und Berlin auf. Und das hat mittlerweile auch Früchte getragen. Im Sommer legte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier das Handlungskonzept Stahl vor, das die Forderungen der IG Metall erfüllen könnte. Das ist gut. Doch reine Absichtserklärungen reichen nicht.

Holger Wachsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostbrandenburg brachte es in Eisenhüttenstadt am europäischen Stahlaktionstag auf den Punkt: „Die Bundesregierung hat ein stahlpolitisches Programm beschlossen. Jetzt geht es darum, konkrete Schritte zu ergreifen.“ Gleicher Aktionstag, knapp 500 Kilometer entfernt verdeutlichte Andree Jorgella, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, warum die Zeit jetzt so drängt: „Bei grünem Stahl wollen wir Vorreiter werden und es lange bleiben“, so Jorgella. Und im Saarland betonte Stephan Ahr, Betriebsratsvorsitzender bei Saarstahl: „Das vereinte Europa muss sich an dieser Stelle besser präsentieren und vermarkten.“ Generell kämen aus der Politik lediglich Lippenbekenntnisse, konkrete Hilfen für die Branche blieben jedoch aus, kritisiert Ahr. Die IG Metall steht deshalb weiter in Berlin und Brüssel auf der Matte.


Klimaneutralen Stahl vor Billigimporten schützen

Grüner Stahl ist ein zartes Pflänzchen. Damit es eines Tages blühen kann, muss es geschützt werden. Aber Klartext: Was bringt es, wenn die Stahlhersteller hier mühsam und kostenaufwendig klimaneutralen Stahl entwickeln und produzieren, wenn der dann keine Abnehmer findet, da Billigimporte aus Fernost, die mit hohen CO2-Emissionen hergestellt wurden, deutlich billiger sind. Will Europa klimaneutral werden, dann muss es auch die klimaneutrale Produktion von Stahl mit entsprechenden handelspolitischen Maßnahmen schützen. Importzölle auf Stahl, der unter hohen CO2-Emissionen produziert wurde, wäre eine Möglichkeit.


Stahl ist systemrelevant

Und: Während der europäischen Stahlindustrie nichts Anderes übrigbleibt, als klimaneutral zu werden, müssen die EU sowie die Bundesregierung auch erkennen, dass es ohne die heimische Stahlindustrie nicht geht. Sollte es sie eines Tages nicht mehr geben, würde Stahl aus Russland, der Türkei oder Fernost kommen und mit hohen CO2-Emissionen verbunden sein. Der Klimawandel wäre so nicht aufzuhalten. Dazu kommt: Die Stahlindustrie ist für Deutschland systemrelevant. Jetzt mag der ein oder andere angesichts der mittlerweile vergleichsweise relativ kleinen Branche müde lächeln. Doch es reicht sich einfachmal vorzustellen, wie die der Industriestandort Deutschland ohne Stahlindustrie aussehen würde.

Tekin Nasikkol, Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel, kann dabei helfen: „Wenn VW einen neuen Golf konstruiert, kommen die zu uns, um die Außenhaut zu planen. Wir wissen also zwei, drei Jahre bevor ein neues Modell vom Band läuft, wie es aus­sieht. Da braucht es Vertrauen und verlässliche Zusammen­arbeit. Wenn es keine Stahlproduktion in Deutschland gäbe, müssten das die Autohersteller zum Beispiel mit den Chine­sen machen. Ich glaube kaum, dass sie das wollen.“ Die IG Metall kann und will sich jedenfalls nicht vorstellen, dass es in Deutschland keine Stahlproduktion mehr gibt.

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