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Ergebnisse des Autogipfels
Mit Fonds die Zulieferindustrie stützen

Die Autozulieferer stecken tief in der Krise. Transformation und Corona, das ist für viele Betriebe zu viel. Mit staatlichem und privatem Kapital könnte die Branche gerettet werden, so der Vorschlag der IG Metall. Die Politik prüft nun, wie das gehen könnte.


Die Bundesregierung scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben.  „Von dem gestrigen Autogipfel geht ein gutes Signal aus: Die Bundesregierung hat die schwierige Situation in der Zulieferindustrie wahrgenommen und versucht, Lösungen zu finden“, erklärt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, der an der virtuellen Konferenz teilgenommen und Lösungsvorschläge der IG Metall aufgezeigt hat. Die Vorschläge sind auf fruchtbaren Boden gefallen. Der Gipfel, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel Vertreter der Politik, der Automobilwirtschaft und der Gewerkschaften einlud, legte fest, dass nun Arbeitsgruppen prüfen sollen,

  • „ob und gegebenenfalls wie ein marktwirtschaftliches Konzept zur Stärkung des Eigenkapitals insbesondere von Zulieferunternehmen entwickelt werden könnte“ und
  • „welche weiteren Aspekte bei den im Konjunkturpaket vorgesehenen ‚Zukunftsinvestitionen in die Fahrzeugbranche‘ berücksichtigt werden sollten“.


Zwei Fonds könnten die Transformation fair gestalten

Eigentlich sollte es beim Autogipfel in erster Linie um Themen wie das autonome Fahren gehen. Doch wer über die Zukunft der Autoindustrie sprechen will, muss zuerst sicherstellen, dass es überhaupt eine Zukunft für sie gibt. Insbesondere die Betriebsräte der Zulieferindustrie und der Nutzfahrzeughersteller haben auf die massiven Verwerfungen hingewiesen, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Um dem zu begegnen, schlug Jörg Hofmann auf dem Autogipfel einen mit privaten Geldern gespeisten Transformationsfonds vor, der den staatlichen Sicherungsschirm mit staatlicher Beteiligung ergänzen würde. Für systemrelevante Unternehmen im Bereich des Verbrennungsmotors könnte dagegen das von der IG Metall erarbeitete Konzept einer Best Owner Group (BOG) Hilfe bieten. Beides wurde von weiten Teilen des Teilnehmerkreises durchaus positiv aufgenommen und als zielführend bezeichnet.


Transformationsfonds kann für nötige Investitionen sorgen

Um die Transformation hin zu einer klimaschonenden Mobilität zu bewerkstelligen, braucht es massive Investitionen. Doch vielen Betrieben der Zulieferindustrie fehlt nun einfach das Geld dafür. Die Coronakrise hat ihnen ihre finanziellen Möglichkeiten geraubt. Damit die Transformation dennoch gelingt und die Klimaziele nicht gefährdet werden, kann ein „Transformationsfonds“ helfen.  Der Vorschlag der IG Metall: Es braucht einen Fonds, der in die Zulieferer investiert. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen kann so das notwendige Kapital für Investitionen und Innovationen verschafft werden. Dazu kommt: Wenn der Staat oder die KfW die Erstrisiken des Fonds bis zu einer bestimmten Höhe übernehmen, könnte der Fonds auch für andere Kapitalgeber interessant werden, da dann eine attraktive Verzinsung winken würde. Kapital ist genug vorhanden, das nach rentablen Anlagen sucht.


Best Owner Group bietet Hilfe für Verbrennerexperten

Für Unternehmen, deren Perspektive und Geschäftsfeld mit zunehmender Dauer der Transformation schwinden, hat die IG Metall zudem die Idee einer Best Owner Group (BOG) entwickelt. Dieses Beteiligungsmodell richtet sich an Zulieferer für Verbrennungsmotortechnik, die durch die Transformation unter Druck geraten. Da Hersteller aber auch über 2030 hinaus Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bauen werden, gilt es, den Bestand an Zulieferern – trotz allmählich sinkender Stückzahlen – zu sichern und zugleich vor strategischen Übernahmen ausländischer Konkurrenten zu schützen.


Auslaufen der Verbrennertechnik fair gestalten

Die Idee einer Best Owner Group sieht folgendermaßen aus: Mit den Mitteln eines Eigenkapital-Fonds wird ein Zulieferunternehmen, das sich aufgrund seines Portfolios zwangläufig perspektivisch verkleinern wird und bei dem Alternativen wie Weiterentwicklung im Konzern etc. nicht realisiert werden können, mehrheitlich übernommen und bis zum Auslaufen der nicht erneuerbaren Produkte aktiv gemanagt.

Dieser Betrieb ist gewinnbringend, denn viele Gemein- und Entwicklungskosten sowie Neuinvestitionen fallen weg. Der Personalabbau kann durch die noch lange Laufzeit entsprechend der Altersstruktur der Beschäftigten gut und sozialverträglich geplant werden. Beschäftigte können außerdem über einen längeren Zeitraum im Rahmen – gegebenenfalls auch innerhalb der Cluster regional organisierter – qualifizierter Personalplanungsprozesse für zukunftsfähige Tätigkeiten qualifiziert werden.

Das bringt den OEMs Sicherheit über die Weiterentwicklung und Teileverfügbarkeit und bereitet gleichzeitig den Boden für eine gezielt gestaltete und sozialverträgliche Transformation der Belegschaften in Unternehmen.


Die Best Owner Group geht bereits an den Start

Der BOG-Fonds soll mit privaten Geldern gespeist werden. Die formellen Voraussetzungen sind geschaffen. Die IG Metall war und bleibt allerdings nur Ideengeber und hat bestenfalls Starthilfe geleistet. Die Best Owner Group will über die kommenden Wochen und Monate das benötigte Kapital bei Stiftungen, Endhersteller, Unternehmerfamilien und Vermögensverwalter einwerben.

Politik und Bundesregierung sollten das Modell unterstützen und prüfen, ob es über die KfW auch hier die Möglichkeit zur Risikoabsicherung gibt.

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