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Interview mit Hans-Jürgen Urban
„Die Grundrente muss jetzt kommen“

Die Koalition streitet noch immer über die Grundrente für Menschen, die 35 oder mehr Jahre gearbeitet haben. Die IG Metall fordert seit langem eine Aufstockung niedriger Renten und unterstützt das Vorhaben ausdrücklich, sagt Hans-Jürgen Urban, im IG Metall-Vorstand für Sozialpolitik zuständig.


Warum unterstützt die IG Metall die Einführung einer Grundrente?

Hans-Jürgen Urban: Wir fordern seit langem eine Aufstockung niedriger Renten für langjährig Versicherte. Der Vorschlag von Hubertus Heil geht in die richtige Richtung. Die Grundrente ist keine Frage der Bedürftigkeit, sondern ein Beitrag für mehr Gerechtigkeit. Sie ist in erster Linie ein Instrument, mit dem die Lebensleistung jahrzehntelanger Arbeit anerkannt und Altersarmut ein Stück weit eingedämmt werden kann. Von der Grundrente würden gut drei Millionen Menschen profitieren, die trotz langjähriger Erwerbsarbeit, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen heute nicht von ihrer Rente leben können. Unter ihnen vor allem Frauen und Menschen in Ostdeutschland. Wer 35 oder mehr Jahre gearbeitet hat, muss auch eine Rente oberhalb der Grundsicherung beziehen.

 

Hans-Jürgen Urban ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und zuständig für die Themen Sozialpolitik sowie Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik. (Foto: IG Metall)


Woran scheitert die Einführung der Grundrente bislang?

Die Koalition konnte sich bislang nicht auf einen finalen Gesetzesentwurf verständigen. Trotz wochenlanger Verhandlungen und zahlreicher Arbeitsgruppentreffen gibt es noch immer kein Ergebnis. CDU und CSU müssen ihre Blockadehaltung beim Thema Grundrente aufgeben und die Lebensleistung von Millionen Rentnerinnen und Rentnern endlich anerkennen. Die Grundrente muss jetzt kommen und wir fordern von der Politik eine schnelle Umsetzung!


Gibt es in Sachen Rente weitere Baustellen, bei denen nachgebessert werden muss?

Da fallen mir so einige ein. Wir haben gerade erst bei unserem Gewerkschaftstag in Nürnberg eine intensive Debatte über die Zukunft der Alterssicherung geführt. Die knapp 500 Delegierten haben über die 110 Anträge zum Thema Alterssicherung beraten und die programmatischen Eckpunkte der IG Metall für die nächsten Jahre beschlossen. Das Thema hat also einen großen Stellenwert für uns und wir werden unsere Kampagne für eine solidarische Neuausrichtung der Alterssicherung mit erhöhtem Einsatz fortsetzen.


Was sind die zentralen Forderungen der IG Metall?

Auskömmliche Renten müssen wieder das entscheidende Sicherungsziel werden und nicht möglichst niedrige Beiträge. Hierzu bedarf es einer deutlichen Anhebung des Rentenniveaus und der Einführung einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung. Wir brauchen Verbesserungen bei den Zugangskriterien zur Erwerbsminderungsrente, die an die realen Bedingungen des Arbeitsmarktes angepasst werden müssen. Und allen Versuchen, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen, erteilen wir eine klare Absage. Vielmehr brauchen wir flexible Ausstiegsoptionen vor der heutigen Regelaltersgrenze. In Sachen Rente haben wir also noch eine Menge zu tun!

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