Hilfe für ukrainisches Stahlwerk
Stahlkocherinnen bedanken sich für Metaller-Hilfe

In der südukrainischen Stadt Kriwij Rih halten Frauen den Betrieb des Stahlwerks aufrecht, während die Männer ihr Land verteidigen. Sie bekommen Hilfe vom Schwesterstahlwerk ArcelorMittal in Bremen.

2. Mai 20222. 5. 2022


1000 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt die Stadt Kriwij Rih. Sie ist geprägt von Bergbau und Schwerindustrie. Größter Betrieb ist das Stahlwerk, das zum Arcelor-Mittal-Konzern gehört. 19 000 Menschen arbeiteten dort in Friedenszeiten, ein Drittel davon Frauen. Jetzt im Krieg sind 1600 männliche Beschäftigte eingezogen und verteidigen ihr Land.

Es sind jetzt gerade die weiblichen Beschäftigten, die den Betrieb des Stahlwerks am Laufen halten. So wie Natalya Marynyuk, die resolute Vorsitzende der Betriebsgewerkschaft von ArcelorMittal Kriwij Rih. Seit dem ersten Tag der russischen Invasion hält sie die Belegschaft aufrecht. „Wir müssen anpacken und unseren Leuten helfen, die eingezogen werden. Einige der Beschäftigten sind bereits gefallen.“ Über den Gewerkschaftsdachverband IndustriAll Global mit dessen Präsidenten, IG Metall-Vorsitzender Jörg Hofmann, flehte Natalya um Hilfe. Die IG Metall reagierte umgehend. 

In Deutschland sammelte der Betriebsrat Daniel Tech bei ArcelorMittal Bremen mit seinem Kollegen Mike Böhlken Geld für Notstromaggregate, Powerbanks und Verbandsmaterialien. Die Hilfsgüter brachten sie selbst in zwei Touren an die polnisch-ukrainische Grenze. „Ich habe gelernt, dass nichts selbstverständlich ist. Dass Du etwas besitzt, Dir etwas gehört, dass Du eine Arbeit hast – das ist alles nicht selbstverständlich“, sagt Mike.


Die Menschen brauchen Arbeit und Lohn

Beeindruckt hat die beiden Metaller aus Deutschland besonders der Durchhaltewillen der Frauen im Stahlwerk. Gewerkschafterin Natalya kümmert sich in Kriwij Rih darum, dass junge Frauen mit Kindern evakuiert werden und weit weg von der Front bei ArcelorMittal-Familien in Deutschland unterkommen. Mit Daniel und Mike hat Natalya weitere Hilfslieferungen vereinbart. So werden Schlafsäcke gebraucht für Kollegen, die jetzt gezwungen sind zu kämpfen. „Die Nächte sind noch immer eiskalt.“ 

Auch Stirnlampen und Verbandskästen werden gebraucht, um Verwundete schnell zu versorgen. Zusammen mit ihren Kolleginnen Elena Pantyuch und Tatjana Prizkau kämpft Natalya darum, dass die Hochöfen des Stahlwerks in Kriwij Rih möglichst bald wieder anlaufen und produzieren, denn die Menschen brauchen Arbeit und Lohn. Sie halten auch Kontakt zum Vorsitzenden der Betriebsgewerkschaft von Asow-Stahl in der eingekesselten Stadt Mariupol. Der Kollege dort ist seit Wochen eingeschlossen. Die Verhältnisse in der zerstörten Stadt sind katastrophal. 

Das Engagement von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern im Ukraine-Krieg ist beispielhaft. In Deutschland und im Kriegsgebiet sind seit Kriegsbeginn viele grenzüberschreitende Initiativen entstanden. In der Not erweist sich die jahrelange Zusammenarbeit von Metallerinnen und Metallern über europäische Betriebsräte und Gewerkschaftsnetzwerke als besonders wertvoll. Die Kontakte sorgen dafür, dass Hilfe dort ankommt, wo sie benötigt wird. „Eure Hilfe und Unterstützung machen uns Mut und geben Hoffnung in einer schweren Zeit“, sagen Natalya, Tatjana und Elena vom Stahlwerk in Kriwj Rih. „Wir geben nicht auf.“
 

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