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Schiffbau
Flensburger Schiffbaugesellschaft mit 360 Arbeitsplätzen aus Insolvenz gerettet

Die Flensburger Schiffbaugesellschaft ist raus aus der Insolvenz. 360 Arbeitsplätze sind gerettet. Die Werft hat Aufträge für zwei neue Schiffe. Das hat die IG Metall Flensburg erreicht, durch Gespräche mit Politik und Investoren, Öffentlichkeitsarbeit und über 90 Prozent IG Metall-Mitgliedern.


Das Aus der Flensburger Schiffbaugesellschaft (FSG) ist abgewendet – in letzter Minute. Die FSG ist raus aus der Insolvenz. Investor Lars Windhorst übernimmt die FSG zum 1. September und sichert zwei neue Schiffe zu. Das haben IG Metall und Betriebsrat in zahlreichen Gesprächen, durch Kontakte in die Politik und durch öffentlichen Druck erreicht.

360 der rund 650 Arbeitsplätze sind gesichert, zu guten tariflichen Bedingungen. Die übrigen Beschäftigten werden sechs Monate in einer Transfergesellschaft weiterbeschäftigt, qualifiziert und in neue Arbeitsplätze vermittelt. Wenn die FSG weitere Schiffe an Land zieht, werden sie als erste wieder eingestellt.

Ende Juli sah das noch ganz anders aus. Keine neuen Aufträge. Kein Geld.


Einen Tag vor dem Aus die gute Nachricht

„Vielleicht wären 30 Leute geblieben, die ab dem 1. August alles ausfegen“, meint Michael Schmidt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Flensburg. „Doch dann hat Lars Windhorst angerufen: Zwei Schiffe seien kein Problem. Offenbar haben unsere Gespräche und Aktionen Wirkung gezeigt.“

Die Beschäftigten der FSG bliesen ihre „öffentlichkeitswirksame Aktion“ am Berliner Olympiastadion wieder ab. Windhorst sponsort den Fußballverein Hertha BSC Berlin mit fast 400 Millionen Euro. Jetzt investiert er auch in die FSG.

Am 31. Juli verkündeten IG Metall, Betriebsrat, Windhorst und der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) den Beschäftigten auf der Werft, dass die FSG weiterlebt –  einen Tag vor dem drohenden Aus.


Zukunft auch für die Auszubildenden und Studierenden

360 Beschäftigte bei der FSG haben wieder eine Zukunft. Und alle 38 Auszubildenden und dual Studierenden können ihre Ausbildung bei der FSG beenden.

„Wir haben schon überlegt, wo unsere Auszubildenden und dual Studierenden ihre Ausbildung fortführen können. Das ist hier oben bei uns in der Region nicht so einfach, vor allem nicht zu tariflichen Bedingungen“, erklärt Brian Knauf, Jugend- und Auszubildendenvertreter bei der FSG. „Doch Michael Schmidt von der IG Metall Flensburg hat es irgendwie geschafft, den Arbeitgeber zu überzeugen. Alle können ihre Ausbildung hier bei der FSG abschließen. Jetzt schauen wir noch, dass wir unsere beiden Ausbilder aus der Transfergesellschaft zurückbekommen. Und dann geht es schließlich um die Übernahme nach der Ausbildung.“


Perspektiven in der Transfergesellschaft

Trotzdem: Fast 300 FSG-Beschäftigte haben ihren Arbeitsplatz verloren. Für sie handelten Betriebsrat und IG Metall die Finanzierung einer Transfergesellschaft aus, die die Beschäftigten ein halbes Jahr lang zu 80 Prozent ihres bisherigen Bruttolohns weiterbeschäftigt. Die Transfergesellschaft vermittelt die Beschäftigten zudem in neue Arbeitsplätze – und qualifiziert sie dafür. 98,7 Prozent der Betroffenen stimmten ihrem Wechsel in die Transfergesellschaft zu.

„Klar gibt es schon einige, die nicht ganz so glücklich sind. Aber im Großen und Ganzen wissen die meisten, dass das, was wir erreicht haben, nicht schlecht ist. Ohne die super Arbeit des Betriebsrats und der IG Metall wären wir alle bei der Arbeitsagentur gelandet“, meint Maurice Michler, Betriebsrat und Mitglied der IG Metall-Vertrauenskörperleitung im Betrieb. Der Konstruktionsmechaniker ist freiwillig in die Transfergesellschaft gewechselt und macht nun eine halbjährige Fortbildung zum Maschinenbautechniker in Hameln. Die Transfergesellschaft und die Arbeitsagentur zahlen ihm die komplette Fortbildung, alle Lehrmittel, ein Zimmer in Hameln und Heimfahrten zu seiner Familie. „Ich habe bereits zehn Stellenangebote von der Transfergesellschaft bekommen, bei sieben hätte ich mich beworben. Aber ich konzentriere mich jetzt auf meine Weiterbildung.“

Viele Stellenangebote trotz Corona – das ist kein Zufall. Die IG Metall Flensburg hat überall Kontakte geknüpft, auch über die nahe Grenze nach Dänemark, wo gerade 50 FSG-Schweißer grenznah gute Jobs gefunden haben.

Maurice Michler würde nach seiner Fortbildung natürlich am liebsten zurück zur FSG. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich: Wenn die FSG es schafft, noch ein drittes Schiff an Land zu ziehen, werden wieder Leute aus der Transfergesellschaft gebraucht.


Gut organisiert und gut vernetzt

„Wir haben jetzt Zeit gewonnen, um neue Aufträge zu bekommen. Ich denke, uns ist unter den Umständen etwas Gutes gelungen“, meint Michael Schmidt von der IG Metall Flensburg. „Einen Betrieb aus der Insolvenz zu holen, ist schon ein Erlebnis. Und wir konnten sogar den Tarif erhalten. Das kannst Du nur, wenn Du total vernetzt bist – und als IG Metall stark im Betrieb.“

Die Stärke im Betrieb – über 90 Prozent der Beschäftigten bei der FSG sind Mitglied der IG Metall – war ein entscheidender Faktor, auch bei den Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter und dem von ihm eingesetzten Geschäftsführer.

„Wenn wir nicht so gut organisiert wären, hätten wir uns niemals so durchsetzen können“, bekräftigt Thomas Jansen, Betriebsratsvorsitzender von der FSG. „Unser neu eingesetzter Geschäftsführer hat mich gleich zu Anfang gefragt, wie das hier mit Gewerkschaft ist – und wie viele drin sind. Und ihm war sofort klar: Ohne uns, gegen die Beschäftigten und die IG Metall, geht hier gar nichts.“

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