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Heidelberger-Druck

© Uli Eberhardt

Heidelberger Druckmaschinen in Heidelberg

Bis zum neuen Job begleiten

Die Heidelberger Druckmaschinen erleben seit Jahren eine Krise nach der anderen. Mit einer ganzen Reihe von Transfergesellschaften, mit Arbeitszeitverkürzung und Ausstiegsmodellen gelang es Betriebsrat und IG Metall, die Krise abzufedern. "Jetzt hat sich die Lage stabilisiert", sagt Rainer Wagner, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates. "Wir tun alles, um die Wachstumskurve wieder zu kriegen."

In der Finanzkrise ab 2008 brachen bei Heidelberger Druckmaschinen die Aufträge für Bogenmaschinen um etwa die Hälfte ein. Die Folgen waren massive Kurzarbeit und Forderungen der Geschäftsleitung nach einem Abbau von weltweit 5000 Arbeitsplätzen, davon die Hälfte in Deutschland mit Hauptlast in den Stammwerken Heidelberg und Wiesloch. Die Finanzkrise verstärkte die strukturelle Krise der grafischen Industrie, bis heute steckte die Branche in einem Konzentrationsprozess. "Seit 2008 sank die Zahl der Druckereien in Deutschland von über 12 000 auf unter 8000", sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ralph Arns. Gründe sind Überkapazität, produktivere Maschinen, ein Rückgang von Druckaufträgen durch wachsende digitale Medien oder Dumpingpreise der neuen Online-Anbieter. Kleine Drucker gaben auf, die Kunden für kleine und mittlere Druckmaschinen fehlten plötzlich. "Im ganzen Druckmaschinenbau ging der Umsatz zurück und stieg bis heute nicht wieder an."

 

Kurz: Das Unternehmen war 2009 in einer ernsten Lage und musste bei der Bundesregierung eine Bürgschaft beantragen. Alle Sparrunden und das Konjunkturkurzarbeitergeld reichten nicht, ein Stellenabbau war unvermeidlich. Am 1. März 2010 öffnete die erste Transfergesellschaft. Träger wurde weitblick-personalpartner, eine Tochter des DGB-Berufsfortbildungswerks. "Im Lauf von sechs Jahren sind es über 15 geworden", so Wagner. Ende Mai 2016 schloss die letzte. Der Betriebsrat beschloss, die gekündigten Beschäftigten während der Transfergesellschaft nicht im Stich zu lassen und sie bis zum neuen Job zu begleiten. Diese Aufgabe übernahmen die Betriebsräte Peter Oehmig und Thomas Schwebler. "Etwas mulmig war es uns schon", sagen beide, "die Beratung von mehr als tausend Menschen war eine Herausforderung."

 

Betriebsräte der Heidelberger Druckmaschinen im Print Media Center des Unternehmens (Kundenvorführzentrum), von links: Ralph Arns, Rainer Wagner, Peter Oehmig (oben), Thomas Schwebler. Foto: Uli Eberhardt

 

Intensive Nachbetreuung

Die IG Metall Heidelberg stellte ihnen Peter Toussaint, früher IG Metall-Bevollmächtigter in Mannheim, und Thomas Wenzel zur Seite. Das Betriebsrätenetzwerk arbeitete erfolgreich. Ein Beirat aus Betriebsrat, IG Metall, Geschäftsleitung und Agentur für Arbeit erwies sich als effizientes Instrument zur schnellen Problemlösung. Am Ende gingen rund 2300 Beschäftigte durch die Transfergesellschaften, wo sie mit über 90 Prozent ihrer letzten Nettoverdienste abgesichert blieben. Mehr als 90 Prozent hatten Ausbildungen in Metallberufen; am Ende lag die Vermittlungsquote bei etwa 80 Prozent. In Leiharbeit wurde grundsätzlich nicht vermittelt. Weitere konnten in der Nachbetreuung noch einen Job finden. "95 Prozent sind versorgt", so das Fazit von Oehmig und Schwebler.

 

Aber damit noch nicht genug der Krisen, 2012 kam die nächste. Erneut sollten 1250 Jobs in den deutschen Werken gestrichen werden. Zum wichtigsten Instrument wurde diesmal die für alle um zehn Prozent auf bis zu 31,5 Wochenstunden verkürzte Arbeitszeit mit Teillohnausgleich. Mit einer temporären tarifdynamischen Strukturkomponente von 100 Euro, der Verteilung geschuldeter Sonderzahlungen auf zwölf Monate und der anstehenden Tariferhöhung blieb das Monatsentgelt in etwa auf altem Niveau. "So konnten wir über 600 Arbeitsplätze retten", sagt Wagner. Heute gilt wieder die 33-Stunden-Woche, Ziel ist die Rückkehr zur tariflichen Basis im Jahr 2018. "Wichtig war, jüngere Beschäftigte halten zu können. In fünf, sechs Jahren droht ein demografischer Einschlag, weil geburtenstarke Jahrgänge abgehen."

 

Trotz der guten Erfahrung mit den Instrumenten zur Bewältigung der Krise - "insgesamt bleibt das ein schmerzlicher Prozess", sagt Rainer Wagner. Jetzt wurde auf Drängen des Betriebsrats vereinbart, dass die Ausbildungsplätze im produktionsnahen Bereich nicht weiter reduziert werden, sondern wieder steigen. Zum Ausgleich altersbedingter Abgänge werde das freilich lange nicht reichen. Dem Management erspart Wagner nicht den Vorwurf, sich nicht rechtzeitig um zusätzliche Standbeine außerhalb der kriselnden grafischen Industrie gekümmert zu haben.

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