IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Foto: IG Metall

CEVA-Logistics

VW-Logistiker erkämpfen Tarifvertrag

03.12.2015 Ι Werkverträge an Kontraktlogistiker vergeben und so die Löhne drücken: Das ist ein beliebtes Vorgehen in der Automobilindustrie. In Wolfsburg haben Beschäftigte nun gezeigt, wie man diese Dumping-Strategie stoppt.

Sie haben gekämpft - und sie haben gewonnen: Rund 450 Beschäftigte beim Kontraktlogistiker CEVA Logistics erhalten ab kommendem Jahr mehr Geld und müssen zudem kürzer arbeiten. Die IG Metall hat bei dem Unternehmen einen Tarifabschluss erzielt.

 

Die Eckpunkte: Ab 1. Januar 2016 beträgt die wöchentliche Arbeitszeit der Logistiker 37,5 Stunden, bisher lag sie bei 39 Stunden. Die Stundenentgelte steigen zum selben Stichtag um 15,05 Prozent und ab 1. Januar 2017 um weitere 2,5 Prozent. Damit erhält ein CEVA-Logistiker ab Januar 12 Euro pro Stunde. Bislang lag das Entgelt nur bei knapp über zehn Euro.

 

Die Tarifbedingungen werden schrittweise an die der VW-Tochter AutoVision herangeführt. Zum Januar 2018 endet diese Phase. Danach gelten grundsätzlich die tariflichen Bedingungen der AutoVision.

 

"Es waren ausgesprochen schwierige Verhandlungen, die zeitweise von der Unternehmensseite abgebrochen wurden", sagt Thilo Reusch, Bezirkssekretär bei der IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. "Der Tarifabschluss ist ein voller Erfolg, an dem sich andere Kontraktlogistiker im IG Metall-Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ein Beispiel nehmen sollten."

 

Abschluss mit Signalwirkung

Der Abschluss hat auch bundesweit Signalwirkung. Der Bereich der Kontraktlogistik wächst. Vielen Belegschaften geht es dabei so wie den CEVA- Beschäftigten: Sie arbeiten Seite an Seite mit den Stammbelegschaften, verdienen aber deutlich weniger. CEVA ist in Wolfsburg auf dem VW-Werksgelände und in einem Logistikzentrum in Hattorf tätig. Die Kontraktlogistiker verteilen Autoteile im Werk und montieren sie vor.

 

Die IG Metall will die Spaltung von Belegschaften unterbinden. Seit Jahresbeginn hat sie in zahlreichen Kontraktlogistik-Firmen Haustarife abgeschlossen und mehrere Tausend neue Mitglieder in dem Bereich gewonnen.

 

Eine viel beachtete Übereinkunft gibt es bei BMW: der Autobauer hat erklärt, Werkverträge nur noch an Unternehmen zu vergeben, die einen Tarifvertrag mit der IG Metall haben.

 

Video: Wie Werkverträge Belegschaften spalten

 

Entschlossener Widerstand

Der Fall CEVA-Logistic zeigt, dass solche Erfolge nur möglich sind wenn die Beschäftigen sich organisieren und entschlossen handeln. Bei CEVA gab es mehrere, zähe Verhandlungsrunden. Im November kam es zum Warnstreik. Das war entscheidend: Die CEVA-Manager sahen, dass die Beschäftigten den Betrieb lahmlegen können.

 

Hartwig Erb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle Wolfsburg, hat die Verhandlungen bei CEVA hautnah miterlebt. Sein Fazit: "Das Ergebnis haben die Beschäftigten hart erkämpft. Der Druck der gesamten Belegschaft hat das Unternehmen schließlich zum Einlenken bewegt."

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

Was ist ein Werkvertrag?

Ein Werkvertrag ist ein Vertrag, bei dem sich der Auftragnehmer (Hersteller) ver-pflichtet, ein Werk gegen Zahlung (Werk-lohn) durch den Auftraggeber (Besteller) herzustellen. Im Werkvertrag wird die Arbeit nach dem Ergebnis beurteilt und nicht nach dem Aufwand der geleisteten Arbeit.

Werkverträge können von natürlichen Personen (Werkvertragsnehmern) und von juristischen Personen (Unternehmen) geschlossen werden. Die meisten Solo-Selbstständigen erbringen ihre Leis-tungen auf Grundlage von Werkver-trägen, besonders im IT- und Medien-bereich. Vergibt ein Betrieb Werkverträge an andere Unternehmen, ist das eine Auslagerung der Tätigkeit an eine Fremd-firma. Diese lässt die Arbeiten entweder durch ihre eigenen Beschäftigten durch-führen oder beauftragt Subunternehmer damit.

Ein Werkvertrag dient also dazu, einen Teil der Tätigkeiten eines Unternehmens an eine Person oder einen anderen Betrieb auszulagern.

Servicebereich