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Jahrestag 8. Mai 1945
Endlich frei! Die Gewerkschaften und das Kriegsende

Auch für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter bedeutete der 8. Mai 1945 das Ende eines Terrors, der bis in die letzten Kriegstage wütete. Der 75. Jahrestag des Kriegsendes bleibt ein Tag der Erinnerung und der Mahnung.


Am 13. April 1945, nur drei Tage bevor die Rote Armee ihre Schlussoffensive auf Berlin beginnt, stirbt im Gefängnis Berlin-Plötzensee der Maschinenschlosser Richard Weller. Er wird enthauptet, zusammen mit sechs weiteren Arbeitern. Die Männer hatten in ihrer Fabrik eine der zahlreichen Widerstandsgruppen aufgebaut, sie verteilten Flugblätter und knüpften Kontakt zu Zwangsarbeitern. Für die NS-Justiz ist das „Vorbereitung zum Hochverrat“.

Am 8. Mai 2020 jährt sich das Ende der Nazi-Diktatur zum 75. Mal, und damit auch das Ende des zweiten Weltkriegs in Europa. Die Bilanz des von Deutschland angezettelten Krieges in einer kaum greifbaren Zahl: 60 Millionen Todesopfer.

Der 8. Mai 1945 markierte das Ende einer zwölfjährigen Gewaltherrschaft und das Ende des historisch einmaligen, systematischen Massenmordes an den europäischen Juden. Ebenso endete die Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma, von Homosexuellen und politisch Andersdenkenden.

Für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter hat dieser Jahrestag eine besondere Bedeutung. Sie gehörten mit zu den ersten Opfern des nationalsozialistischen Terrors. Zu tausenden wurden sie verfolgt, verhaftet, gefoltert, ermordet.

Für die Überlebenden war der 8. Mai ein Tag der Befreiung.


Gemeinsam stark

Nach der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands stürzen sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wie Hans Böckler in den Wiederaufbau der organisierten Arbeitnehmervertretung. Dabei vollziehen sie eine radikale Kehrtwende: Sie etablieren das Prinzip der Einheitsgewerkschaft. Sie steht allen Beschäftigten offen, unabhängig von politischer Einstellung oder Konfession. So finden Arbeiterinnen, Angestellte und Beamte in den neuen deutschen Gewerkschaften eine gemeinsame Heimat.

In der Weimarer Republik hingegen war die Gewerkschaftsbewegung zersplittert. Es gab Gewerkschaften für Angestellte, Arbeiter und Christen, für Liberale, Sozialisten, Kommunisten und für verschiedene Einzelberufe. Diese Zersplitterung war eine der Ursachen für den Erfolg der Nazis. Eine starke politische und gesellschaftliche Gegenmacht fehlte. Nach 1945 half der antifaschistische Grundkonsens, alte Trennlinien zu überwinden.

Fortan sollte gelten: Ein Betrieb, eine Gewerkschaft, ein Tarifvertrag. Dieses Prinzip leitet uns bis heute. Es begründete eine rasante Phase des Wiederaufbaus, der gesellschaftlichen Demokratisierung und der Mitbestimmung der Beschäftigten. Die Gewerkschaften wurden zum Stabilitätsanker der Demokratie nach 1945.


Und heute?

Der 8. Mai ist für die IG Metall nicht nur ein Tag der Befreiung. Er ist auch ein Tag der Erinnerung und der Mahnung. Aus der Erinnerung an den nationalsozialistischen Terror erwächst eine besondere und dauernde Verantwortung für unser Land: Die Verantwortung, überall und jederzeit für die Würde eines jeden Menschen einzutreten.

Die IG Metall kämpft heute wie jeher für die Gleichstellung der Menschen und die Freiheit von Diskriminierung – zum Beispiel mit der Initiative Respekt.

Unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität, Herkunft, Hautfarbe oder Religion sollen sich alle Menschen frei entfalten können. Unser Einsatz für eine gerechte Wirtschaft und Arbeitswelt ist auch ein Engagement für die Gleichstellung, die Vielfalt und für eine offene Gesellschaft.

Eine unsolidarische Gesellschaft, in der alle von Absturz, sozialer Isolation, Arbeitslosigkeit oder gar Armut bedroht sind, bringt Menschen gegeneinander auf. Genau das spüren wir heute in Europa zunehmend: Der gesellschaftliche Zusammenhalt und auch das Miteinander unserer Kolleginnen und Kollegen wird durch Hass und Hetze bedroht. Feindseligkeiten gegen andere Gruppen, gegen vermeintlich Fremde oder andere Lebensformen nehmen zu.

Dagegen stehen wir zusammen.


Leseempfehlung:

Zum 8. Mai haben DGB und Friedrich-Ebert-Stiftung Namen und Schicksale verfolgter Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter recherchiert und dokumentiert. Die so entstandene Broschüre ist hier abrufbar.

 

 

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