Tarrifrunde Holz und Kunststoff 2021
Zweite Warnstreikwelle in Baden-Württemberg gestartet

Überall in Baden-Württemberg haben die Beschäftigten vergangene Woche in einer zweiten Warnstreikwelle kurzfristig ihre Arbeit niedergelegt. In dieser Woche endet die Friedenspflicht auch in anderen Tarifgebieten. Über 5000 Beschäftigte haben sich bereits an Warnstreiks beteiligt.


Warnstreik beim Möbelhersteller Rolf Benz in Nagold im Schwarzwald am Donnerstag Mittag: Die Produktion steht komplett, die Hallen sind leer. Zuschnitt, Polsterei, Lager. 200 Beschäftigte sind draußen, beim Warnstreik der IG Metall – und gehen danach nach Hause. Die Spätschicht tritt erst gar nicht an.

„Die Leute finden schon unsere Forderung von 4,5 Prozent eher wenig“, meint die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Petra Ruckgaber. „Aber dass von den Arbeitgebern halt gar nichts kommt, finden sie eine Unverschämtheit. Die Beschäftigten haben hier wirklich hartes Geschäft, die sind danach K.O. Für das, was sie dafür an Geld kriegen, ist die Belastung hart an der Grenze. Die Leute sind seit Jahren nicht mehr zufrieden.“


Ende der Friedenspflicht auch in anderen Gebieten

Besonders wichtig ist ihnen, früher rauszukommen. Denn diese Arbeit bis 67 Jahre durchzuhalten, können sie sich kaum vorstellen. Immer mehr Beschäftigte kamen in den letzten Monaten zum Betriebsrat und zu den IG Metall-Vertrauensleuten im Werk, berichtet Petra Ruckgaber, die auch Mitglied der IG Metall-Tarifkommission ist, die die Tarifforderungen beschlossen hat. „Die Leute fragen uns nach der Altersteilzeit – und sagen uns, dass wir da unbedingt dranbleiben müssen.“

Seit Mittwoch rollt die zweite Warnstreikwelle in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Baden-Württemberg. Am Mittwoch läuft dann auch die Friedenspflicht in vielen anderen Tarifgebieten aus. Dann starten auch dort die Warnstreiks.
 

Über 5000 Beschäftigte beteiligten sich an Warnstreiks

Bereits vor Ende der Friedenspflicht haben die Aktionen begleitend zu den Verhandlungen auch in anderen Tarifgebieten längst begonnen. Über 5000 Beschäftigte haben sich in Baden-Württemberg laut der IG Metall-Geschäftsstellen bereits an den Warnstreiks beteiligt – etliche werden nun in Niedersachsen und Westfalen-Lippe in dieser Woche hinzukommen.

Solange sich die Arbeitgeber nicht rühren, werden die Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall weiter für ihre Forderungen vor die Fabrikhallen ziehen: 4,5 Prozent mehr Geld und eine Aufstockung des Demografiefonds um 450 Euro auf 750 Euro. Aus diesem Fonds, der Teil des Demografie-Tarifvertrags ist, werden die Altersteilzeit und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz finanziert.

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