Tarifrunde Holz und Kunststoff 2021
Kein besseres Angebot: Warnstreiks gehen in die dritte Woche

Die Arbeitgeber mauern weiter - auch zum Start der zweiten Runde der Tarifverhandlungen in der Holz- und Kunststoffindustrie am Freitag in Niedersachsen. Die IG Metall macht weiter Druck. Fast 14 000 Beschäftigte haben sich bislang an Tarifaktionen beteiligt.


Auch zum Start der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie bewegen sich die Arbeitgeber weiterhin nicht einen Millimeter. Bei der Verhandlung in Niedersachsen am Freitag blieben bei ihrem mickrigen Angebot – und vor allem bei ihrem Nein zum Tarifvertrag Demografie.

Beschäftigte und IG Metall machen weiter Druck mit Aktionen und Warnstreiks. Die Beschäftigten wollen mehr auf den Tisch gelegt bekommen, als das, was die Arbeitgeber bislang in den Tarifverhandlungen anbieten: Sechs Monate keine Erhöhung, 1,2 Prozent plus ab März 2022 und für zwölf weitere Monate 1,3 Prozent ab März 2023. Und den Demografiefonds, aus dem unter anderem die Altersteilzeit finanziert wird, wollen sie am liebsten ganz abschaffen.

In Niedersachsen und in den meisten anderen Tarifgebieten läuft die Friedenspflicht am 14. Oktober aus. Dann sind Warnstreiks möglich. Die Planungen laufen.

„Wer jetzt noch kein Mitglied der IG Metall ist, sollte dieses schleunigst werden und sich für gute Löhne und die Sicherung der Einkommen einsetzen“, so Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall in Niedersachsen und Bremen. „Die Verlängerung des Tarifvertrages Demografie ist eine Frage der Generationengerechtigkeit. Dafür werden wir ab dem 14. Oktober streiten und Druck in den Betrieben erzeugen. Uns steht ein heißer Herbst bevor.“

Insgesamt haben sich bislang fast 14 000 Holz- und Kunststoff-Beschäftigte an Aktionen der IG Metall beteiligt.


Warnstreiks in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist anders als in anderen Tarifgebieten die Friedenspflicht bereits beendet – und somit sind Warnstreiks zulässig. Seit Mitte September haben hier fast 4500 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, allein letzte Woche noch einmal fast 2000.

Der Reisemobilhersteller Carthago musste am Montag zwei Stunden lang zusehen, wie die Produktion stillliegt, während die Beschäftigten auf den Hof zogen. Das Unternehmen steht sinnbildlich für den wachsenden Gewinn in weiten Teilen der Branche: „Der Verkauf von Wohnmobilen boomt seit Jahren“, sagt Dinko Rejo, Betriebsrat bei Carthago. „Trotzdem wurden kaum mehr Stellen geschaffen. Die Mehrarbeit haben wir Beschäftigten mit Überstunden gestemmt.“

Ein Plus ist dabei nicht für sie rumgekommen. Dagegen haben am Montag 300 Beschäftigte bei Carthago protestiert und legten damit 90 Prozent der Produktion still. Was die Beschäftigten dabei antreibt? „Mehr Geld und eine Erhöhung für den Demografie-Fonds. „Wir haben viele belastete ältere Kollegen – auch die sollen gesehen und entlastet werden“, sagt der Betriebsrat.

Ein gutes Stück weiter im Norden liegt der beschaubare Ort Heuchlingen. Dort im tiefsten Schwabenland standen die Maschinen in der Früh- und Spätschicht bei dem Unternehmen Gardena am Mittwoch still. Für den Kunststoffspritzen-Betrieb heißt das: insgesamt 90 Minuten keine Produktion. Nahezu alle Beschäftigten zogen mit. „Die Mannschaft steht gut“, sagt Tobias Buche von der IG Metall Geschäftsstelle Heidenheim. „Man kann sogar sagen: Die freuen sich auf die weitere Streikphase und sind jederzeit bereit, den Konflikt hochzufahren.“

Der Antrieb kommt nicht von ungefähr: „Gardena ist ein Unternehmen, das gar nicht mehr zählen kann, wie viele Rekordjahre es jetzt schon hintereinander einfährt“, bestätigt der Betriebsratsvorsitzende André Uhlig. Das bedeutet auch eine hohe Belastung für die Beschäftigten. „Trotzdem kam nie groß was rüber vom Arbeitgeber, außer das, was die Gewerkschaft für uns ausgehandelt hat. Von daher haben wir natürlich eine große Erwartungshaltung in dieser Tarifrunde.“ Sollte es zum nächsten Warnstreik kommen, sind die Beschäftigten bereit, auch länger vor dem Werk zu stehen. Für das leibliche Wohl der Beschäftigten soll dann das Hähnchen-Mobil sorgen – „das hat Tradition bei uns“, sagt André Uhlig.


Harte Arbeit für Ältere kaum noch zu schaffen

Auch bei Ruf-Betten im badischen Rastatt machten die Beschäftigten eine Stunde früher Feierabend.

„Das Geschäft läuft seit Jahren super. Selbst 2020 haben wir noch Gewinn gemacht. Seit die Möbelhäuser im Frühjar wieder aufgemacht haben, verbesserte sich die Lage spürbar“ , erklärt der Betriebsratsvorsitzende Stefan Gieringer. „In den drei Wochen Sommerurlaub kamen so viele Bestellungen rein, dass die Geschäftsleitung zu den geplanten 38 Stundenwoche noch 4,5 Stunden draufgepacken wollte. Dabei ist die Arbeit schon hart bei 35 Stunden, gerade im Akkord. Deshalb wollen unsere Leute endlich mehr Geld. Es ist auch wichtig, dass wir näher an die  Metall- und Elektroindustrie herankommen. Wir finden kaum noch junge Fachkräfte und Auszubildende. Die gehen alle lieber nach nebenan zum Benz.“

Ein Großteil der rund 150 Beschäftigten bei Ruf-Betten ist schon älter. Viele schaffen die schwere Akkordarbeit kaum noch und müssen entlastet werden. „Auch unsere Angestellten haben eine sehr hohe Arbeitsverdichtung und Mehrbelastung“, betont Gieringer. „Uns ist daher besonders die Aufstockung des tariflichen Demografiefonds wichtig. Der reicht derzeit nur für einen Altersteilzeit-Antrag im Jahr. Wir sollten zumindest zwei Beschäftigte im Jahr in die Altersteilzeit bekommen.“

Die IG Metall wird ihre Warnstreiks in Baden-Württemberg ausweiten. Auch in den anderen Tarifgebieten sind weitere Aktionen geplant.

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