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Tarifrunde Holz- und Kunststoffindustrie 2019
9000 Beschäftigte im Warnstreik

Gerade mal 1,5 Prozent mehr Geld haben die Arbeitgeber für die Holz- und Kunststoffindustrie angeboten. Eine Provokation aus Sicht der IG Metall. Die „Hölzer“ machen nun mit Warnstreiks Druck. Seit Beginn der Woche haben sich 9000 Beschäftigte beteiligt.


250 Beschäftigte sind zum Warnstreik bei der Deutschen Fertighaus Holding (DFH) in Simmern / Rheinland-Pfalz raus vors Tor an die Feuertonnen der IG Metall gekommen. Eine Jazz-Bläser-Band spielt „Oh when the Saints go marching in“. Die DFH-Beschäftigten machen Druck für die Tarifforderungen der IG Metall: 5,5 Prozent mehr Geld und ein Extraplus für die Auszubildenden. Ihr Laden brummt. Am Bau boomt es. Sie kommen mit ihren Fertighäusern kaum hinterher.

„Wir haben Arbeit ohne Ende, machen Überstunden, arbeiten Schicht“, erklärt ein Vorarbeiter aus dem Giebelbau. „Die Leute bei uns sind alle Facharbeiter. Sie wollen arbeiten und Leistung bringen. Aber für unter 17 Euro? Das Geld ist einfach zu wenig.“

Die Arbeitgeber in der Holz- und Kunststoffindustrie haben gerade mal 1,5 Prozent ab mehr 2020 und 1,3 Prozent ab 2021 angeboten, weniger als die erwartete Inflation. Dadurch würden die Einkommen der Holz- und Kunststoffbeschäftigten sogar real sinken.

„Die Preise steigen, der Sprit wird teurer, Ihr ackert, Ihr macht Überstunden“, macht Ingo Petzold von der IG Metall Bad-Kreuznach klar. „Ihr sollt mehr Geld in der Tasche haben – und nicht weniger. Deshalb steht Ihr heute hier draußen beim Warnstreik – so wie Tausende andere Beschäftigte bundesweit.“

Bundesweit allein am Mittwoch 5000 im Warnstreik

Bundesweit waren seit Beginn der Tarifrunde rund 9000 Beschäftigte in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Warnstreik - allein am Mittwoch 5000. Die größte Aktion fand in Isny / Baden-Württemberg statt. Dort kamen rund 3400 Beschäftigte der Caravanhersteller Dethleffs, Hymer und Carthago, vom Labormöbelhersteller Waldner und vom Staud Möbelwerk zu einer gemeinsamen Aktion zusammen.

Weitere Warnstreiks gab es in Bayern, Niedersachsen und erneut in Nordrhein-Westfalen. Dort hatten sich bereits am Dienstag 300 Beschäftigte von Küchenmöbelherstellern zu einer gemeinsamen Warnstreiks-Kundgebung in Hiddenhausen versammelt.

Und die Woche ist noch nicht zu Ende. Am Donnerstag sind die Betriebe in Niedersachsen draußen und am Freitag weitere Betriebe in Westfalen-Lippe. Bis Ende der Aktionswoche werden sich voraussichtlich mehr als 11.000 sich an Warnstreiks und Aktionen beteiligt haben. Und nach der Stimmung der Beschäftigten und Aussagen der IG Metall ist durchaus „noch Luft nach oben“.


„Hölzer“ verdienen im Vergleich zu wenig

Statistisch gesehen verdienen Beschäftigte in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Schnitt rund 20 Prozent weniger als in anderen Industriebranchen. Viele Betriebe finden kaum noch Fachkräfte.

Das ist bei DFH nicht anders. In den Nachbarbetrieben hier in Simmern und Umgebung, vor allem in Metallunternehmen verdienen die Beschäftigten deutlich mehr.

Die DFH-Beschäftigten in Simmern sind bereit, erneut zum Warnstreik für ihr Geld rauszugehen. Heute sind auch viele aus der Verwaltung draußen – auch viele junge Beschäftigte. Erst letztes Jahr haben sich die DFH-Beschäftigten mit Warnstreiks ihre Tarifbindung erkämpft. Bis dahin gab es keinen Tarif.

„Wir haben jahrelang auf Lohn verzichtet“, macht der DFH-Betriebsratsvorsitzende Dietmar Mohr in seiner Rede klar. „Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft für unseren Tarif weiter so zusammenstehen.“

Tarifrunden - Holz und Kunststoff
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