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Kampagne „Together at work“
Tarifbindung in Europa mit vereinten Kräften stärken

Am 26. September startet der Dachverband der Industriegewerkschaften IndustriAll Europe seine Kampagne zur Stärkung des Tarifgefüges. Was hinter „Together at work“ steckt und warum das Beschäftigte in ganz Europa angeht, erklärt Tarifexperte Uwe Fink im Interview.


Die Europäischen Gewerkschaften haben sich darauf verständigt, Tarifverträge zu stärken. Um was geht es genau?

Uwe Fink: Ziel ist es, Beschäftigten aus ganz Europa in ihrem Kampf für gute tarifliche Bedingungen zu einigen und zu stärken. Initiiert hat sie der Dachverband der europäischen Industriegewerkschaften IndustriAll Europe. Der Titel lautet Together at work.

 

 


Warum kommt die Kampagne zum jetzigen Zeitpunkt?

In den letzten Jahrzehnten wurden die Tarifvertragssysteme in vielen Ländern der Europäischen Union im Zuge der Sparpolitik geschwächt. Insbesondere nach der Finanzkrise 2008 wurden Entgelte und Tarifstandards gesenkt. Vielerorts haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert.


Mit welchen Auswirkungen?

Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Europa ist in den letzten 20 Jahren zurückgegangen. Die Verhandlungsposition von Gewerkschaften und Beschäftigten wurde geschwächt. Die Folgen: Ungleichheit, Armut trotz Erwerbstätigkeit, wirtschaftliche Unsicherheit und prekäre Arbeit nehmen in ganz Europa deutlich zu. Die Tarifbindung ist gesunken. Eine geringere Tarifbindung aber untergräbt auf Dauer die Macht der Gewerkschaften und verhindert, dass sie gute Löhne und Arbeitsbedingungen durchsetzen können. Diesem Teufelskreis will die Kampagne von IndustriAll Europe gegensteuern.


Was sind die Kernbotschaften der Kampagne?

Mit der europäischen Kampagne Together at Work wollen wir in ganz Europa die Vorteile von Tarifverträgen für die Beschäftigten aufzeigen. Tarifverträge kommen der Gesellschaft als Ganzes zugute und sie sind ein zentraler Faktor für die Gewährleistung einer gerechten Transformation der Industrie.


Geht es dabei auch um höhere Löhne?

Das ist ganz wesentlich. Starke Tarifvertragsstrukturen sind der Schlüssel zur Verbesserung bei der Vergütung und den Arbeitsbedingungen insgesamt. Wenn Arbeitnehmer über kollektive Macht verfügen, versetzt sie das in die Lage, einen gerechten Anteil der Beschäftigten am Wohlstand sicherstellen zu können. Natürlich müssen die Gewerkschaften dafür mehr Mitglieder gewinnen und grenzübergreifende Macht aufbauen, um aus einer Position der Stärke und Geschlossenheit heraus zu verhandeln.


Und welche Rolle spielt dabei die Politik?

Die Gewerkschaften brauchen mehr politische Unterstützung. Die Europäische Kommission muss aufhören, Empfehlungen abzugeben, die darauf abzielen, die Branchentarifverträge durch erzwungene, nicht konditionierte und unbefristete Dezentralisierung von Tarifverhandlungen und Tarifverträgen aufzuweichen, wie dies beispielsweise in Griechenland, Rumänien und Spanien geschehen ist. Es ist an der Zeit, dass die europäische Säule sozialer Rechte in die Tat umgesetzt wird. Wir brauchen dazu mehr als nur politische Erklärungen.

Besser mit Tarif
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