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Ratgeber Leiharbeit: Antworten rund um die Branchenzuschläge
Wo die Zuschläge ankommen

Leihbeschäftigte in Metall- und Elektrobetrieben bekommen einen Branchenzuschlag. Auch haben Leiharbeiter einen Anspruch, die in der Holz-, Kunststoff-, Textil- und Bekleidungsindustrie eingesetzt sind. Doch nicht immer läuft es glatt mit den Zuschlägen.


Seit November 2012 bekommen Leihbeschäftigte in Metall- und Elektrobetrieben einen Branchenzuschlag. Seit dem 1. April 2013 haben auch Leiharbeiter einen Anspruch, die in der Holz-, Kunststoff-, Textil- und Bekleidungsindustrie eingesetzt sind. Doch nicht immer läuft es mit den Zuschlägen wie gewünscht.


Wann habe ich als Leihbeschäftigter einen Anspruch auf die Branchenzuschläge?

Leihbeschäftigte in den Industriebranchen der IG Metall verdienen mehr: In der Metallindustrie, in der Holz- und Kunststoffindustrie und in der Textilindustrie haben sie Anspruch auf tarifliche Branchenzuschläge. Das bringt in den ersten neun Monaten Einsatzdauer bis zu 7000 Euro Plus. Anspruch besteht, wenn der Verleiher Mitglied in den Verleihverbänden iGZ oder BAP/BZA ist oder im Arbeitsvertrag auf den sogenannten Tarifvertrag Branchenzuschläge Bezug genommen wird. Ob der jeweilige Einsatzbetrieb tarifgebunden ist, spielt dabei keine Rolle. Die Zuschläge zahlt der Arbeitgeber, also der Verleiher.


Wie hoch sind die Branchenzuschläge?

Das hängt von der Länge des Einsatzes beim Entleiher ab. Nach den IG Metall-Tarifverträgen gibt es in der Metall- und Elektroindustrie nach der sechsten Woche einen Zuschlag von 15 Prozent auf den normalen Zeitarbeitstarif. In den Branchen Holz und Kunststoff (West) gibt es nach der sechsten Woche 7 Prozent, in der Textil-und Bekleidungsindustrie (West) 5 Prozent Zuschlag.

Die Branchenzuschläge steigen mit zunehmender Einsatzdauer weiter an. Nach 15 Monaten gibt es dann Equal Pay - das gleiche Geld wie für Stammbeschäftigte.

Im IG Metall-Tarifinfo gibt es eine Übersicht über die Höhe der Tariflöhne und Zuschläge für die einzelnen Entgeltgruppen.


Was gilt bei Unterbrechung des Einsatzes?

Wenn die Unterbrechung kürzer als drei Monate ausfällt, gibt es den Zuschlag beim erneuten Einsatz im selben Kundenbetrieb weiter. Dauert die Unterbrechung länger als drei Monate, beginnt die Einsatzzeit neu zu zählen. Auch Urlaub, Feiertage oder Krankheit gelten nicht als Unterbrechung der Einsatzdauer.


Darf der Zuschlag verrechnet werden?

Nur wenn es sich um übertarifliche Leistungen handelt, die der Arbeitgeber freiwillig zahlt, beispielsweise Entgelt über Tarif. Keinesfalls darf der Verleiher Fahrgeld, Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder andere Zuschläge verrechnen.


Ich bin in einem Betrieb eingesetzt, bei dem es eine „Besservereinbarung“ gibt. Habe ich Anspruch auf Zuschläge?

Bei Besservereinbarungen sind Leistungen gemeint, die der Entleiher einem Leihbeschäftigten beim Einsatz zahlt. Die betrieblich vereinbarten Leistungen gibt es aber nicht zusätzlich zum Branchenzuschlag. Ist die betriebliche Leistung geringer, so haben Beschäftigte Anspruch mindestens in Höhe des Branchenzuschlags. Das heißt: Der Anspruch besteht selbst dann, wenn eine Betriebsvereinbarung beim Kunden existiert, die die Bezahlung von Leihbeschäftigten regelt. Es gilt, was für den Leiharbeiter günstiger ist.


Mein Arbeitgeber kürzt den Branchenzuschlag, weil im Einsatzbetrieb niedrigere Löhne gezahlt werden. Darf er das?

Wenn die Entgelte für Leiharbeiter inklusive Branchenzuschlag das Entgelt eines vergleichbaren Stammbeschäftigten übersteigen, etwa weil der Kundenbetrieb keinen Tarif zahlt, dann ist eine Deckelung auf das tatsächliche Entgelts eines vergleichbaren Stammbeschäftigten möglich. Der Entleiher muss sich ausdrücklich darauf berufen und das tatsächliche Entgelt nachweisen. Deckelt der Arbeitgeber generell, sollten sich Betroffene beim Betriebsrat des Kunden über die dortige Vergütung informieren.


Meine Tätigkeit beim Kunden entspricht der eines Facharbeiters. Vertraglich bin ich als Helfer eingruppiert. Was kann ich tun?

Leihbeschäftigte sollten eine falsche Eingruppierung sofort beim Verleiher reklamieren und ihren Arbeitsvertrag entsprechend korrigieren lassen (Ausschlussfristen beachten). Übrigens: Die Bezahlung eines Facharbeiters steht Leihbeschäftigten selbst dann zu, wenn sie die entsprechende Qualifikation nicht besitzen. Maßgeblich ist die Tätigkeit, die sie beim Kunden ausüben.

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