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Ratgeber Bildungsurlaub

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Ratgeber Bildungsurlaub

Fünf Tage bezahlte Lernzeit im Jahr

03.08.2018 Ι Ob Computerworkshop oder Sprachkurs: Wer sich weiterbilden und etwas für sich oder seine Karriere tun möchte, kann dafür Sonderurlaub beantragen. Unser Ratgeber "Bildungsurlaub" gibt Tipps für einen reibungslosen Ablauf der bezahlten Bildungszeit.

Ein Sprachkurs wäre schön, aber es fehlte bislang die Zeit dafür? Wie wäre es mal mit Bildungsurlaub? Den zu beantragen, ist nicht schwer - aber nur wenige Arbeitnehmer wissen von diesem Recht. Nur ein bis zwei Prozent der Beschäftigten nehmen Bildungsurlaub in Anspruch. Schade, denn der berufliche und persönliche Nutzen von Weiterbildung ist groß.

 

Wo gibt es Gesetze für Bildungsurlaub?

In fast allen Bundesländern können sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für eine berufliche oder politische Weiterbildung freistellen lassen. Die Regelungen für eine bezahlte Bildungsfreistellung gehen zurück auf das Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO aus dem Jahr 1974. Es verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, bezahlte Bildungsfreistellung zum Zwecke der beruflichen, allgemeinen und politischen Bildung einzuführen - auch "Bildungsurlaub" genannt.

 

Da der Bund keine Initiative ergriffen hat, um diese Verpflichtung umzusetzen, haben einzelne Bundesländer Landesgesetze erlassen. In 14 der 16 Länder gibt es das Recht auf bezahlte Freistellung. Nur Bayern und Sachsen haben keine entsprechende Regelung.

 

Wie viele Tage für die Bildung?

In den entsprechenden Gesetzen der Länder ist festgelegt, wie viele Tage sich Beschäftigte freistellen lassen können. Fast überall sind fünf Arbeitstage pro Kalenderjahr vorgesehen, die auch über zwei Jahren "angespart" werden können. Dann sind zehn Arbeitstage innerhalb von zwei aufeinander folgenden Kalenderjahren möglich.

 

Rechtzeitig beantragen

Eine Freistellung muss im Voraus beantragt werden. Die Regelungen zu den Antragsfristen schwanken je nach Bundesland: Meistens müssen Beschäftigte zwischen vier und acht Wochen einplanen. Es ist aber ratsam, die Freistellung mit dem Arbeitgeber weitaus früher zu besprechen, als es die gesetzlichen Regelungen erlauben. Schließlich sollen dem Arbeitgeber während der Abwesenheit des Beschäftigten keine Engpässe entstehen. Zum Antrag auf Freistellung ist auch die geplante Bildungsveranstaltung zu nennen, die nach dem Weiterbildungsgesetz anerkannt sein muss. Entsprechende Belege und Formulare haben in der Regel die Veranstalter.

 

Und wenn der Chef "nein" sagt?

Eine rechtzeitig und korrekt beantragte Freistellung muss der Arbeitgeber genehmigen. Er kann die Freistellung nur dann verweigern, wenn dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn zu viele andere Kolleginnen und Kollegen bereits Urlaub haben und dadurch der geregelte Arbeitsablauf im Betrieb gefährdet ist. Bei Ablehnung durch den Arbeitgeber verfällt der Anspruch auf die bezahlte Freistellung nicht.

 

Welche Kurse darf ich machen?

Wer eine Weiterbildung besuchen will, die mit dem Job in Verbindung steht, vermeidet unter Umständen eine Auseinandersetzung mit dem Vorgesetzen. Bildungsurlaub ist aber nicht auf berufliche Weiterbildung beschränkt. Auch politische oder kulturelle Weiterbildung wird gefördert. Wenn der Kurs im Sinne des Weiterbildungsgesetzes anerkannt ist, kann man ebenso eine Sprache lernen oder einen Kurs zur Stressbewältigung belegen. Bei Unsicherheiten sollten sich Beschäftigte beim Veranstalter erkundigen, ob das Bildungsangebot im jeweiligen Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt wird. Wenn die Antwort wage ausfällt, sprechen Beschäftigte besser mit dem Arbeitgeber über weitere Möglichkeiten.

 

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für die Weiterbildung teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Der Arbeitgeber zahlt während der Bildungsmaßnahme das Entgelt weiter, der Arbeitnehmer trägt die Kosten für das Seminar oder den Kurs, die Übernachtung und die Anfahrt.

 

Steuervorteile nutzen

Ausgaben für berufsbedingte Fort- und Weiterbildung sind bei der Einkommens- oder Lohnsteuer absetzbar. Neben den Kursgebühren erkennt das Finanzamt auch die Kosten für Anfahrten, Übernachtungen sowie Verpflegungspauschalen an.
 

Hilfreiche Adressen

Auf dem Portal der Kultusministerkonferenz wird man zu den jeweiligen Portalen der Bundesländer mit Weiterbildungsgesetzen weitergeleitet. Dort sind nicht nur die einzelnen Landesgesetze ausführlich erklärt, sondern meist auch anerkannte Bildungsveranstaltungen aufgelistet.

 

Die Gewerkschaften gehören in Deutschland zu den größten Bildungsanbietern. Auch die IG Metall bietet zahlreiche anerkannte Seminare an, an denen aktive Mitglieder kostenlos teilnehmen können.

Themen

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Links und Zusatzinformationen
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Die Lücke schließt sich

Gesetze zur Bildungsfreistellung

  • seit 1974: Berlin, Hamburg und Bremen
  • seit 1975: Niedersachsen
  • seit 1984: Hessen und Nordrhein-Westfalen
  • seit 1990: Saarland und Schleswig-Holstein
  • seit 1993: Rheinland-Pfalz und Brandenburg
  • seit 1998: Sachsen-Anhalt
  • seit 2001: Mecklenburg-Vorpommern
  • seit 2015: Baden-Württemberg
  • seit 2016: Thüringen
  • In Bayern und Sachsen bisher kein Bildungsurlaubsgesetz.
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