Klimaschutz und Transformation
„Wir brauchen den massiven Ausbau der Erneuerbaren“

Fünf Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen fehlt es noch immer an konkreten Maßnahmen. IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb erklärt, wie der ökologische Umbau sozial und demokratisch ablaufen kann.


Worauf kommt es der IG Metall beim Klimaschutz an?

Wolfgang Lemb: Die IG Metall steht zu den Klimaschutzzielen von Paris. Wir fordern aber, dass die Transformation der Wirtschaft sozial, ökologisch und demokratisch erfolgt. Das müssen Politik und Arbeitgeber gewährleisten. Und die Beschäftigten müssen in diesen Prozess einbezogen werden.


Das Pariser Klimaabkommen liegt fünf Jahre zurück. Bei der Umsetzung hakt es. Was muss passieren?                  

Lemb: Der Handlungsdruck durch den fortschreitenden Klimawandel ist enorm. Wir müssen zügig Maßnahmen einleiten, um die industriellen Strukturen zukunftsgerichtet voran zu bringen: Die Energiewende muss durch einen ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden. Dafür braucht es einen massiven Ausbau von Windenergie an Land und auf See wie auch der Solarenergie.


Was ist mit anderen Sektoren?

Lemb: Für die Mobilitätswende müssen die notwendigen Infrastrukturen wie Stromnetze und E-Ladestationen und der ÖPNV ausgebaut werden. Neue Speichertechnologien sollten Förderung erhalten. Durch die Vernetzung von Energie und Mobilität können neue Arbeitsplätze entstehen. Für den Hochlauf der Elektromobilität müssen wir die technologischen Voraussetzungen schaffen, vor allem die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Batteriezellproduktion und Halbleitern.


Zur Person: Wolfgang Lemb ist seit November 2013 geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Der gelernte Universalfräser ist zuständig für transnationale Gewerkschaftspolitik, Industrie-, Energie- und Strukturpolitik und für die Perspektive Ost. (Foto: Alexander Paul Englert)


Was bedeutet dieser Umbau für die Branchen der IG Metall?

Lemb: Die Veränderungen durch die Transformation betreffen die industriellen Branchen wie Stahlproduktion, Maschinen- und Energieanlagenbau. Die Automobilindustrie steht durch den Umstieg auf Elektromobilität vor einem grundlegenden Umbruch. Zugleich wandelt sich die Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung: Manche Produktion und Dienstleistungen verschwinden, Berufsbilder verändern sich. Die IG Metall will diesen Wandel gestalten und hat dazu die Kampagne „FairWandel“ ins Leben gerufen.


Muss die Politik helfen?

Lemb: Die Politik ist gefordert, die notwendigen massiven Investitionen in neue Technologien, Produkte, zukunftsfeste Arbeitsplätze und Qualifizierung zu unterstützen. Flankiert werden muss der Wandel durch gezielte regionale Strukturpolitik. Beschäftigung muss gesichert werden und dort, wo dies nicht möglich ist, müssen die sozialen Folgen abgesichert und neue Perspektiven für die Beschäftigten entwickelt werden.


Und die Arbeitgeber?

Lemb: Selbstverständlich müssen die Unternehmen als Arbeitgeber Geld für die Investitionen in den Umbau in die Hand nehmen. Sie sollten zusammen mit den Betriebsräten und Belegschaften Zukunftskonzepte für die einzelnen Betriebe entwickeln. Dabei gilt: „Umbau vor Neubau“. Bei mittel- und langfristigen Investitionsentscheidungen wie auch bei der Personalentwicklung müssen Belegschaft und Betriebsräte beteiligt werden. Die IG Metall fordert faire Teilhabe  an den Umbauprozessen. Abgesichert werden muss das durch mehr Mitbestimmung und betriebliche Zukunftsverträge.

 

Zum Thema: Fragen und Antworten zum Klimaschutz

Die IG Metall hat einen umfassenden FAQ zum Thema Klimaschutz erarbeitet. Interessierte können sich die wichtigsten Fragen und Antworten hier im PDF-Format durchlesen und herunterladen.

Umwelt & Energie

Neu auf igmetall.de

Newsletter bestellen