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Marion Both hilft Geflüchteten bei der Jobsuche
Eine Metallerin mit vollem Einsatz fürs Ehrenamt

Marion Both (55) ist Betriebsrätin bei SKF in Schweinfurt. Außerhalb des Betriebs betreut sie Geflüchtete und hilft ihnen bei der Jobsuche. „Es gibt mehr Erfolgsgeschichten als viele glauben“, sagt die Metallerin zum Tag des Ehrenamts.


Es fing vor zwei, drei Jahren an. Im interkulturellen Begegnungszentrum in Schweinfurt lernte Marion Both Frauen aus Syrien kennen. „Die waren offen, nett und einfach klasse“, erinnert sie sich. Eine Mutter bat sie, bei den Bewerbungen ihres Mannes und ihres Sohnes zu helfen. „Mit Arbeit kenne ich mich aus“, sagt sich die 55jährige und legte los. Also durchstöberte sie Stellenanzeigen, telefonierte mit Unternehmen, fahndete nach Praktikumsstellen.

 

Auf sie ist Verlass: Marion Both hat schon einer ganzen Reihe von Geflüchteten wie Mustafa, Amer und Tarek geholfen, in Deutschland Fuß zu fassen. (Foto: Willi Schmidt)

 


„Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich Marion Both, „aber ich habe nicht locker gelassen.“ Durch ihre Betriebsratsarbeit bei SKF ist sie firm in vielen Fragen des Arbeitsrechts. Hinzu kamen Kontakte zu Betrieben in der Region und zur Arbeitsagentur. Schließlich fand sie einen Schlosserbetrieb in Schweinfurt, der einen Geflüchteten einstellte. Zunächst als Praktikant. Inzwischen ist Mustafa, Vater von vier Kindern, in dem Betrieb fest als Schlosser angestellt und nicht mehr auf staatliche Hilfe angewiesen. Dieser erste geglückte Vermittlungsversuch eines Schützlings machte Marion Mut. Es sprach sich herum, dass man sich auf sie verlassen kann und dass sie mit ihrer freundlichen Art die Kunst beherrscht, Türen zu öffnen.


Geglückte Vermittlungsversuche machten Mut

Für Marion Both war dieses ehrenamtliche Engagement der Start in ein neues Aufgabengebiet: In 20 Fällen hat sie seither Geflüchteten geholfen – in ganz unterschiedlichen Bereichen. Manche vermittelte sie ein Schülerpraktikum, um schon mal ein Gefühl für den deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen. Manche haben erfolgreich ein Betriebspraktikum absolviert und sind danach in die Ausbildung übernommen worden. Sie begleitet Geflüchtete zu Terminen im Jobcenter. Einer ihrer Schützlinge studiert Maschinenbau an der Fachhochschule Schweinfurt. Ein anderer, Tarek, hat sich mit einem Lebensmittelladen im Zentrum von Schweinfurt selbstständig gemacht. Amer macht eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker. Inzwischen hat Marion auch zu den Angehörigen ihrer Schützlinge engere Kontakte geknüpft. „Da ist eine Art große Familie entstanden“, sagt sie.

Marion Both hat auch die Erfahrung gemacht, dass viele Kollegen, aber beileibe nicht alle den Einsatz für Geflüchtete gut finden. Im Betrieb hört sie manchmal Bemerkungen wie „Mensch, mach doch mal die Augen auf“. Marion lässt sich davon nicht irritieren. Für sie sind die Kontakte und die gemeinsamen Erfolgserlebnisse wertvolle Erfahrungen, die ihr Leben bereichern. In all den Jahren hat sie gelernt: Trotz unterschiedlicher Kulturen gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes zwischen ihr und den vielen Menschen, denen sie helfen konnte. „Für meinen Einsatz bekomme ich viel Positives zurück.“

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