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Plattform Industrie 4.0

Plattform Industrie 4.0

Den Wandel der Industriearbeit gestalten

20.04.2015 Ι Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt fundamental verändern. Was das für die Arbeit und Beschäftigung bedeutet, ist noch nicht sicher. Die IG Metall will die Chancen verwirklichen - und engagiert sich in Plattformen zur Industrie 4.0.

Kaum zu glauben, dieses Tempo, diese Rasanz, diese ungeheure Vehemenz der Veränderung. Kaum zu glauben, wie schnell und umfassend aus einem schicken Schlagwort nun also Wirklichkeit geworden ist - zumindest hier, an diesem wolkenlos-warmen Vormittag Mitte April auf der Hannover-Messe, in den Messehallen 7 und 8.

Wer sich ein Bild und ein Begriff davon machen wollte, was sich hinter "Industrie 4.0" verbirgt, wer eine Ahnung davon bekommen wollte, was Vernetzung und Digitalisierung bereits heute zu leisten imstande ist, der bekam in diesem Jahr auf der größten Industriemesse der Welt Anschauungsmaterial in Hülle und Fülle: Roboter gab es da zu sehen, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten, 3D-Drucker, die leise surrend und irrsinnig schnell Geschirr aus Keramik drucken, Maschinen, die selbstständig miteinander kommunizieren, intelligente Anlagen, die rundum vernetzt sind. Alles sehr beeindruckend.

Wer allerdings wissen wollte, wie die Zukunft der Industriearbeit unter den Bedingungen von "Industrie 4.0" aussieht, wer erfahren wollte, welche Auswirkungen die technischen Neuerungen auf die Beschäftigten und auf ihre Arbeit haben - der bekam in Hannover keine eindeutigen Antworten.

Für gesunde und qualifikationsfördernde Arbeitsbedingungen

Das aber, sagt Jörg Hofmann, liegt in der Natur der Sache: "Industrie 4.0 ist in ihren Folgen für die Arbeitsprozesse vielfach noch eine Blackbox", betonte der Zweite Vorsitzende der IG Metall auf der Tagung "Gute Arbeit in der Fabrik 4.0" auf der Hannover-Messe. Zu der Konferenz hatten Vorstand und Betriebsrat von Volkswagen und die IG Metall 200 Experten aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Gewerkschaften eingeladen, um mit ihnen Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu suchen. Das Themenspektrum umfasste Fragen zur Arbeitsorganisation in der Fabrik 4.0, zur Ausbildung und Qualifizierung, zu erweiterten Beteiligungsmöglichkeiten für die Beschäftigten und ging bis zur Arbeits- und Datensicherheit in der vernetzten Fabrik.

Zusätzlich zu den Diskussionsrunden wurde auf der Konferenz eine offene Plattform für gute Industriearbeit gegründet. Sie steht Unternehmen, Betriebsräten und Wissenschaftlern offen, um sich miteinander intensiv über Ideen, Konzepte und Praxisbeispiele für gesunde, qualifikationsfördernde Arbeitsbedingungen in der Industrie 4.0 auszutauschen.

Leitbild von guter Arbeit in einer digitalisierten Welt

Ein Austausch, das betonten alle Teilnehmer, ist wichtig - denn auch wenn bislang keineswegs klar sei, was Industrie 4.0 und Digitalisierung für Arbeit und Beschäftigung bedeute, sei, darauf verwies Jörg Hofmann, eines doch unstrittig: Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt fundamental verändern. "Alles hängt davon ab, wie wir die Weichen stellen, welche Leitbilder, Leitplanken und Gestaltungsansätze wir für die betriebliche Praxis entwickeln."

Zu tun, das wurde auf der Konferenz klar, gibt es eine Menge. Zwar biete Industrie 4.0 die Chance, den Anteil qualifizierter Arbeit in der Fabrik zu steigern und monotone Arbeit abzuschaffen, zwar könne der mit Digitalisierung einhergehende Wandel beschäftigungspolitisch verträglich gestaltet werden - eine wesentliche Voraussetzung dafür sei jedoch, die Beschäftigten zügig auf ein sich veränderndes Aufgabenspektrum vorzubereiten.

Nötig sei vor allem eine solide Technikfolgenabschätzung und daraus abgeleitete Qualitätsbedarfe für die Aus- und Weiterbildung. "Weiter brauchen wir Veränderungen der akademischen Ausbildung", so Hofmann, "erweiterte Mitbestimmungsrechte in den Betrieben und wirksamen Beschäftigtendatenschutz." Es gehe um ein "Leitbild von guter Arbeit in einer digitalisierten Welt", das die Interessen der Beschäftigten an mehr Arbeitsqualität, besseren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und einem guten Leben aufnehme. "Industrie 4.0 muss ihren gesellschaftlichen Nutzen unter Beweis stellen", sagte Jörg Hofmann. "Rationalisierungsstrategien sind zu wenig."

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Plattform Gute Arbeit in der Fabrik 4.0
Die IG Metall beteiligt sich bei einer von der Bundesregierung ins Leben gerufene Plattform Industrie 4.0. Sie soll die Arbeit der Verbändeplattform des VDMA, ZVEI und BITKOM fortsetzen und das Thema Industrie 4.0 auf eine breite politische und gesellschaftliche Basis stellen.

Die Plattform steht unter der Leitung eines Kreises um Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesforschungs- ministerin Johanna Wanka, dem unter anderem der Zweite IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann angehört. Im Strategiekreis vertritt Christiane Benner, geschäfts- führendes Vorstandsmitglied, die IG Metall. Constanze Kurz, Leiterin des IG Metall-Ressorts "Zukunft der Arbeit" leitet die Arbeitsgruppe "Arbeit, Aus- und Weiterbildung" und sitzt im Lenkungskreis, der für die industrielle Strategieentwick- lung, Koordinierung, Entscheidung und Umsetzung verantwortlich ist. Auch in den weiteren Arbeitsgruppen wird die IG Metall vertreten sein.
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