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Nachqualifizierung bei Schunk

Ausbildung neben dem Job nachholen

19.02.2015 Ι Bei Schunk im hessischen Heuchelheim holen un- und angelernte Beschäftigte ihre Ausbildung neben der Arbeit nach. Dadurch haben sie bessere Chancen, im Betrieb und draußen. Die Ausbildung hat der Betriebsrat geregelt.

Sie feilen, bohren, messen und montieren pneumatische Schaltungen, angeleitet von zwei Ausbildern des Berufsfortbildungswerks (bfw) des DGB im hessischen Wetzlar. Elf un- und angelernte Beschäftigte des Elektronikteileherstellers Schunk im benachbarten Heuchelheim machen hier ihre Ausbildung zu Maschinen- und Anlagenführern. Fast jeden Samstag, dazu noch einen Abend in der Woche im Betrieb, anderthalb Jahre lang.

"Klar ist das aufwendig, vor allem wenn du Familie hast", meint Sergeij Solo, 42. "Aber ich mache das für mich, um meine Ausbildung in der Tasche zu haben. Und um meinen Kindern zeigen zu können: Schaut, ich lerne immer noch."Die jüngste Teilnehmerin ist 22, die älteste 48 Jahre alt. Die Ausbildung erhöht ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt und im Betrieb: Viele waren vor Kurzem noch Leiharbeiter - und haben nun feste Verträge.

Betriebsrat als Macher

Diese Chance hat ihnen der Betriebsrat ermöglicht. Vor rund fünf Jahren hat er die Nachqualifizierung für An- und Ungelernte angestoßen. "Damals steckten wir in der Krise. Der Arbeitgeber wollte Geld aus unserem Era-Fonds", erinnert sich Betriebsrat und Metaller Pietro Coladangelo. "Wir haben gesagt: Ihr bekommt das Geld, aber wir machen damit auch etwas für die Beschäftigten: eine Qualifizierung."

 

 

Mit dem Netzwerk Nachqualifizierung Gießen-Lahn-Dill und dem bfw fand der Betriebsrat Kooperationspartner. Der erste Kurs startete 2012 mit 15 Teilnehmern. Alle haben bis zur Prüfung durchgehalten. Auch beim zweiten Kurs, der im Juni Prüfung macht, haben die Ausbilder "keinerlei Bedenken ", dass es alle schaffen.

Mittlerweile ist die Nachqualifizierung bei Schunk bundesweit ein Vorzeigeprojekt. Und die Geschäftsleitung ist stolz darauf. Letztlich hat sie ja auch einen Benefit: Fachkräfte. Denn die werden mittlerweile rar in der Region.

Doch am meisten investieren die Teilnehmer selbst dafür: In den 400 Kursstunden steckt fast ausschließlich ihre Freizeit. "Nach Feierabend lernen wir noch zusammen in der Kantine", erzählt die 22-jährige Serena Möller.

Viel Zeit, die jedoch nicht jeder aufbringen kann. In Möllers Abteilung etwa gibt es noch einige Interessierte, die das nicht schaffen, etwa weil sie Kinder betreuen müssen. Unwirklich allen Zeit für ihre Bildung zu schaffen, bei Schunk und allen anderen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie, fordert die IG Metall nun in der Tarifrunde eine neue Bildungsteilzeit.

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Stichwort: TV Quali
In einigen Tarifgebieten der Metall- und Elektroindustrie gelten Tarifverträge, die für die Beschäftigten einen individuellen Anspruch auf Qualifizierung und Weiter-bildung regeln. Arbeitnehmer können dort ein Personalgespräch verlangen, um den Bedarf festzustellen.

Bei Qualifizierung aus betrieblichen Gründen trägt der Arbeitgeber die Kosten. Wer aber etwa eine Meister- oder Technikerschule besuchen will, hat keinen An-spruch auf (bezahlte) Freistellung. Der- oder diejenige hat nur das Recht, nach der Weiterbildung auf einer vergleich-baren Stelle wie zuvor weiterbeschäftigt zu werden.
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