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Metall-Tarifrunde 2015: Bildungsteilzeit könnte eine qualitative Forderung sein. Foto: Mardre/Fotolia

Metall-Tarifrunde 2015: Bildungsteilzeit könnte eine qualitative Forderung sein

Aufstiegschancen für alle

04.09.2014 Ι Der IG Metall-Vorstand hat den Tarifkommissionen empfohlen, für die nächste Metall-Tarifrunde qualitative Forderungen zu diskutieren. Eine davon könnte besonders junge Beschäftigte interessieren: Weiterbildung. Was sie den Arbeitnehmern und auch dem Betrieb bringt, zeigt das Beispiel MAN Salzgitter.
Sich weiterentwickeln können - kein Thema interessiert die junge Generation mehr, wenn es um die Arbeit geht. Das belegen Umfragen der IG Metall unter Azubis, Studierenden, jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Junge Leute wollen ihre beruflichen Chancen verbessern, aufsteigen können und fit bleiben, um den Anforderungen auch in 20 oder 30 Jahren noch gewachsen zu sein.

In der Praxis scheitern ihre Wünsche jedoch oft daran, dass ihnen die Zeit für Qualifizierung fehlt und sie es sich finanziell nicht leisten können, eine Auszeit dafür zu nehmen. Lösungen müssen her - darauf dringt vor allem die IG Metall Jugend.

Gutes Beispiel

Wie eine solche Lösung aussehen könnte, zeigt das Beispiel bei dem Nutzfahrzeughersteller MAN in Salzgitter. "Ohne Qualifizierung wären wir nicht da, wo wir heute stehen", ist sich Andrea Deiana, Betriebsratsmitglied bei MAN, sicher. Von den rund 2500 Beschäftigten am Standort Salzgitter bilden sich jährlich etwa 1000 Mitarbeiter weiter. Das Angebot umfasst Tagesschulungen bis zu Seminaren mit einer Dauer von vier bis sechs Wochen.

Neben den Bildungsangeboten zur beruflichen Qualifizierung umfasst der Weiterbildungskatalog auch Angebote zur persönlichen, gesundheitsschützenden und kulturellen Qualifizierung. Möglich machte das eine Gesamtbetriebsvereinbarung, die der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber im Dezember 2012 vereinbarte. Und nachdem der Arbeitgeber erkannt hatte, welches Potenzial in der Weiterbildung steckt, öffneten sich Türen. Der Betriebsrat nutzte den in Niedersachsen geltenden Tarifvertrag zur Qualifizierung und etablierte Weiterbildungsgespräche.

Ein Ergebnis dieser Gespräche war, dass 16 ungelernte Beschäftigte eine Ausbildung zum Fachlagerist machen. Schon zuvor, während der Wirtschaftskrise, bildeten sich einige Arbeitnehmer zum Mechatroniker weiter. Dafür stellte das Unternehmen sie teilweise frei. Wer Schicht arbeitet und zum Beispiel begleitend den Meister oder Techniker macht, für den wird die Schicht angepasst.



Neue Wege

Die IG Metall will das Thema Weiterbildung jetzt grundsätzlich für alle anpacken. Die anstehende Metall-Tarifrunde 2015 bietet eine erste Chance, neben einem Einkommensplus eine Bildungsteilzeit zu fordern. "Mit einer Bildungsteilzeit wollen wir Aufstiegschancen für alle eröffnen", sagt der Zweite IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. "Die Beschäftigten brauchen sowohl eine finanziell als auch eine zeitlich gesicherte Möglichkeit zur qualifizierten Weiterbildung."

Bei der Bildungsteilzeit kann sich Hofmann zwei Modelle vorstellen: Eine "echte" und eine "geblockte" Teilzeit. So könnten Beschäftigte zeitlich befristet in Teilzeit arbeiten, wenn sie etwa einen Schul- oder Berufsabschluss nachholen, sich zum Techniker weiterbilden oder studieren wollen. Sie sollen wählen können zwischen klassischer Teilzeit oder Blockmodellen, bei denen sie eine bestimmte Zeit für ein niedrigeres Entgelt arbeiten und dann für die Fortbildung bezahlt freigestellt werden. Der Arbeitgeber, so die Idee, stockt das Entgelt auf ähnlich wie bei der Altersteilzeit.

Die Bildungsteilzeit sollen Beschäftigte jeden Alters in Anspruch nehmen können. Spezielle Förderprogramme könnte es für An- und Ungelernte geben - denn sie, das zeigen Statis­tiken, bilden sich seltener weiter, obwohl sie Qualifizierungen genauso brauchen wie andere Beschäftigte.

Altersteilzeit ist das zweite qualitative Thema, das der IG Metall-Vorstand für die tarifpolitische Forderungsdebatte empfiehlt. Auch die junge Generation profitiert davon, wenn Ältere vor der regulären Rente aussteigen. Denn freie Stellen werden meist mit Jungen besetzt.

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