Betriebsräte-Preis 2021
Ausgezeichnete Betriebsratsarbeit

Für ihren erfolgreichen Kampf gegen Verlagerung und Outsourcing wurden die Betriebsräte der Hauni Maschinenbau GmbH mit dem Deutschen Betriebsräte-Preis in Gold ausgezeichnet. Den Sonderpreis in der Kategorie „Zukunftssicherung“ erhielt die WMF Group aus Geislingen.


Christiane Benner kommt sofort zum Punkt: „Ihr habt tatsächlich die Weichen für die Zukunft eurer Fabrik und eurer Arbeitsplätze gestellt“, sagt die Zweite Vorsitzende der IG Metall. „Gemeinsam mit den Beschäftigten habt ihr Alternativen zum unternehmerischen Restrukturierungskonzept erarbeitet. Ihr habt Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen analysiert. Ihr habt euch also voll ins Zeug gelegt. Damit habt ihr beachtliche Erfolge erzielt: Ihr konntet Beschäftigung sichern, Verlagerung und Outsourcing vermeiden. Ihr habt insbesondere verhindert, dass die Fertigung geschlossen wird. Darauf könnt ihr stolz sein.“ Vor Christiane Benner stehen die diesjährigen Preisträger des Deutschen Betriebsräte-Preises in Gold, drei Betriebsräte in drei Maschinenbau-Unternehmen mit vier Betrieben – und, ja, sind stolz. Sie strahlen gemeinsam in die Kameras.

Ausgezeichnet wurden die Betriebsräte der Hauni Maschinenbau GmbH (Bild oben, rechts: Christiane Benner) und Baltic Metalltechnik GmbH, der Universelle Engineering U.N.I.GmbH und der Hauni Primary GmbH im Geschäftsfeld Tabak der Körber AG. Der Titel ihres Projektes klingt selbstbewusst: „Wir bauen die Fabrik der Zukunft – Der Hauni-Weg.“
 

Plädoyer für mehr Mitbestimmung

Für Christiane Benner ist der Preis für die Kolleginnen und Kollegen von Hauni auch ein politisches Signal. „Damit noch mehr Betriebsräte so wie ihr im Sinne der Beschäftigten aktiv werden können, brauchen wir eine Runderneuerung der Mitbestimmung“, sagt die Zweite Vorsitzende der IG Metall in ihrer Laudatio. „Zentral ist: Wir brauchen mehr Mitbestimmung in wirtschaftlichen Angelegenheiten. Die zweite Kernforderung ist ein Mitbestimmungsrecht bei der Personalplanung und –bemessung“, so Benner. Es brauche ein generelles Mitbestimmungs- und Initiativrecht bei Ein- und Durchführung der betrieblichen Berufsbildung, bei der Qualifizierung. „Lasst uns gemeinsam dafür eintreten, dass Betriebsräte künftig bessere Voraussetzungen haben, um Arbeitsplätze zu sichern und Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens zu nehmen.“

Der Weg, den der Betriebsrat des Hamburger Maschinenbauers Hauni zusammen mit den Beschäftigten gegangen ist, war zwar lang und manchmal steinig. Aber er war sehr erfolgreich. Und sehr erfolgreich, das waren alle Projekten, die für den Betriebsrätepreis nominiert wurden, das war der Weg bei allen Betriebsrätinnen und Betriebsräten, die hier versammelt sind: Im großen Bonner Plenarsaal, in dem rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Deutschen Betriebsräte-Tag gekommen sind.


Beispielhafte Leistungen

Hier wird heute der „Deutsche Betriebsräte-Preis“ vergeben. Mit dem Preis, eine Initiative der Fachzeitschrift „AiB – Arbeitsrecht im Betrieb“, werden besondere und beispielhafte Leistungen von Betriebsräten in Deutschland ausgezeichnet. Und von diesen gab es in diesem Jahr sehr beeindruckende.

Insgesamt vier Projekte aus dem Bereich der IG Metall hatten es in die Endrunde geschafft. Zwei von Ihnen wurden am Ende mit Preisen ausgezeichnet: Neben Hauni ist das die WMF Group aus Geislingen, sie wurde in der Sonderkategorie „Zukunftssicherung“ ausgezeichnet. „Ihr habt erreicht, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2020 gibt, dass ein attraktives Freiwilligenprogramm aufgelegt wird und auch, dass sehr gute Abfindungsleistungen geleistet werden“, sagt Heike Madan, Ressortleiterin Betriebspolitik beim Vorstand der IG Metall. „Zudem gelang es Euch, eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2026 und die Standortgarantie des Kaffeekompetenzzentrums durchzusetzen.“


Sicherung von Arbeitsplätzen

Dem Betriebsrat des Kochgeschirr- und Gastro-Kaffeemaschinenbauers ging es also, wie den Kolleginnen und Kollegen von Hauni, vor allem darum, Arbeitsplätze zu sichern. Am Ende, wie bei Hauni, war der Kampf erfolgreich. Bei Hauni allerdings war der Weg zum Ziel länger.

Er begann Ende 2018, Anfang 2019. Da beschloss das Management des Maschinenbaukonzerns Körber, zu dem Hauni Maschinenbau in Hamburg gehört, eine Unternehmensberatung mit einem weiteren Restrukturierungskonzept zu beauftragen: Das Konzept war dann ebenso drastisch wie einfallslos. Es sah vor: Kopfzahl und Neuorganisation nach Umsatz anpassen, betriebsbedingte Kündigungen mit Angebot des Übergangs in eine Transfergesellschaft aussprechen, Verlagerungen und Outsourcing nach reinen Personalkosten zur Gewinnmaximierung durchziehen. Betroffen waren Konstruktion, Fertigung, Montage, Inbetriebnahme, aber auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilung.


Neue Wege gehen

Doch so einfach wollte es der Betriebsrat der Konzernführung nicht machen: Und so wurden nicht weniger als drei Maschinenbau-Unternehmen mit vier Betrieben und drei Betriebsräten unter aktiver Beteiligung der Belegschaft umgestaltet. Dabei wurden neue Wege in der Kommunikation, in der Mitbestimmung und für den internen Arbeitsmarkt beschritten – die Betriebsräte entscheiden nun gleichberechtigt im Lenkungsgremium des Projektes mit.

Verhandelt wurde ein Zukunftstarifvertrag, unter anderem mit einem Innovationsfonds und einem neuen Team zur Stärkung von Diversifikation. Eine „Fabrik der Zukunft“ mit Produktion in Deutschland entstand. Mit dem Zukunftstarifvertrag gelang vor allem eine wesentliche Reduzierung des geplanten Stellenabbaus. Betriebsbedingte Kündigungen konnten sogar ganz verhindert werden – und das trotz Reduzierung der Belegschaft um ein Drittel. Dazu konnte die Schließung der Fertigung und eine Teilschließung der Montage gestoppt werden. Prozessreorganisation und Optimierung der Arbeitsabläufe ersetzt das ursprünglich geplante Outscourcing, beziehungsweise eine Teilverlagerung. Eine Betriebsvereinbarung „Make or Buy“ soll maximale Transparenz zu Aufgaben und Arbeiten in der Internationalen Gruppe steuern, um so mit den Kolleginnen und Kollegen Einfluss auf Verlagerungsideen des Managements nehmen zu können. Schließlich wurde ein umfangreiches Qualifizierungskonzept eingeführt.


Keine betriebsbedingten Kündigungen

„Unser Versprechen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird, haben wir eingehalten“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bernd Arend. Und der Betriebsratsvorsitzende Uwe Zebrowski ergänzt: „Transformation mit vorausschauender Personalplanung statt betriebsbedingter Kündigungen und Sozialauswahl, das haben wir geschafft. Damit ist für den gesamten Konzern ein neuer Standard in der Zusammenarbeit mit der Mitbestimmung gesetzt worden.“

In Geislingen, bei WMF, haben sie auch hart gekämpft und viel erreicht – sie haben dem Arbeitgeber die Vereinbarung „Zukunftssicherung WMF 21“ abgerungen.


Protest gegen Abbaupläne

Bis dahin war es, im wahrsten Sinne des Wortes, ein langer Weg gewesen: Von Juli 2019 an für einen Zeitraum von acht Monaten, immer um Punkt fünf vor zwölf, trafen sich Betriebsrat und Beschäftigte zu einem Protestmarsch um das gesamte Werksgelände, bei jeder Witterung, ganz egal, ob es stürmte, regnete oder die Sonne vom Himmel brannte. Mit ihren montäglichen Märschen protestierten Betriebsrat und Beschäftigte gegen die Abbaupläne des Managements. Und waren am Ende erfolgreich.

Angefangen hatte es im Juli 2019. Da wurde der Betriebsrat von der Geschäftsleitung unterrichtet, dass unter der Bezeichnung „Agenda 21“ in der WMF Group bis Ende 2021 rund 400 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, auch bei Tochterunternehmen, hauptsächlich aber am Stammsitz in Geislingen. Beschlossen war auch die Schließung der Kochgeschirrproduktion in Geislingen und Verlagerung der Fertigung nach Italien und Frankreich. All das wollte der Betriebsrat nicht stillschweigend hinnehmen.


Großer, solidarischer Einsatz

„Wir haben verschiedenen Vorschläge diskutiert, die Idee eines montäglichen Protestmarsches fanden alle gut“, sagt Betriebsratsvorsitzender Frank Schnötzinger. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Aktionen federführend in die Hand nahm, es wurde Werbung gemacht. Woche für Woche schlossen sich mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen, Geislinger Bürger und sogar Politiker an. „Das war toll zu sehen.“ Während der montäglichen Märsche führt der Betriebsrat viele Gespräche – unter anderem mit dem Oberbürgermeister und mit Gemeinderäten. Daraus folgte eine Resolution der Stadt an die Eigentümerin der WMF, Group SEB in Frankreich.

Am Ende hat der große, solidarische Einsatz sich gelohnt. Rund 400 Beschäftigte konnten aufgrund sehr attraktiver Freiwilligenprogramme und dem Wechsel in eine Transfergesellschaft mit Abfindungen das Unternehmen verlassen. Betriebsbedingte Kündigungen konnten komplett verhindert werden. „Die Kochgeschirrfertigung aber wurde trotz all unserer Bemühungen Ende 2020 geschlossen und verlagert“, sagt Frank Schnötzinger. „Wir haben allerdings eine Beschäftigungssicherung bis 2026 ausgehandelt und eine unbegrenzte Standortgarantie für das Kaffeekompetenzzentrum in Geislingen erhalten.“

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