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Sozialtarifvertrag bei Voith Sonthofen
Beschäftigte von Voith Sonthofen erstreiken Sozialtarifvertrag

Voith Sonthofen schließt im Herbst. 170 Beschäftigte der 500 werden drei Jahre weiterbeschäftigt. Für die anderen gibt es Abfindungen, sowie bis zu 18 Monate Weiterbeschäftigung und Qualifizierung in einer Transfergesellschaft. Das haben sich die Beschäftigten in einem Sozialtarifvertrag erstreikt.


Nach fünf Wochen Streik haben sich die IG Metall Bayern und der Maschinenbauer Voith auf Eckpunkte für einen Sozialtarifvertrag für die IG Metall-Mitglieder im Voith-Werk Sonthofen geeinigt. Die Beschäftigten erhalten zusätzliche Abfindungen und werden auch nach Schließung des Werks im Herbst von Voith weiterbezahlt. Alle Auszubildenden können ihre Ausbildung am Standort Sonthofen bis zum erfolgreichen Abschluss fortführen.

„Die Beschäftigten haben sich diesen Sozialtarifvertrag hart erkämpft und erstreikt“, meint Johann Horn, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall Bayern. „Sie erhalten nun angemessene Abfindungen für den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Ihre Solidarität zahlt sich jetzt für sie aus.“

87,1 Prozent der IG Metall-Mitglieder bei Voith haben in einer Urabstimmung dem neuen Sozialtarifvertrag und dem Ende des Streiks zugestimmt.

„Uns schmerzt ungemein, dass wir unser Werk und unsere Arbeitsplätze nicht retten konnten“, erklärt die Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde. „Wir haben aber einen guten Sozialtarifvertrag errungen, der gewährleistet, dass niemand in existenzielle Nöte gerät.“


Voith bezahlt Beschäftigte zunächst weiter

Arbeitslos wird in Sonthofen durch die Schließung zunächst niemand: 170 der 500 Beschäftigten werden in einem neuen Büro Allgäu von Voith zu Tariflöhnen für drei Jahre weiterbeschäftigt. Für die übrigen Beschäftigten finanziert Voith eine bis 18 Monate lange Weiterbeschäftigung in einer Transfergesellschaft. Dort werden die Beschäftigten weiterbezahlt, qualifiziert und in neue Arbeitsplätze vermittelt.

Wenn Beschäftigte die Transfergesellschaft vorzeitig verlassen, um eine neue Arbeit aufzunehmen, fließt das eingesparte Geld in einen Fortbildungsfonds. Aus diesem Fortbildungsfonds werden weitere Qualifizierungen für Beschäftigte bezahlt, die innerhalb der bis zu 18 Monate langen Transfergesellschaft keine neue Arbeit finden.

Exklusiv für IG Metall-Mitglieder gibt es einen Härtefonds, aus dem sie zusätzliche Abfindungen erhalten – insbesondere ältere Beschäftigte, Eltern, Alleinerziehende und Lebenspartner, die beide bei Voith arbeiten.

Sollten die Beschäftigten im neuen Büro Allgäu doch innerhalb der vereinbarten drei Jahre betriebsbedingt gekündigt werden, haben auch sie Anspruch auf Abfindungen und Transfergesellschaft nach dem Sozialtarifvertrag.


Acht Monate Kampf für das Werk in Sonthofen

Bereits im Herbst 2019 hatte Voith seine Schließungspläne für das Werk in Sonthofen bekannt gemacht. Das Werk produziert Spezialgetriebe und schreibt schwarze Zahlen. Dennoch wird die Produktion an andere Standorte verlagert, um Kosten zu sparen. Acht Monate lang haben IG Metall und Beschäftigte für den Erhalt des Werkes gekämpft und dabei viel Unterstützung aus der gesamten Region und darüber hinaus erhalten. Ihr Streik für einen Sozialtarifvertrag begann am 23. April.

„Ich bin tief beeindruckt und ziehe meinen Hut, wie die Mannschaft bei Voith über all die Monate und bis zuletzt zusammengehalten hat“, erklärt Carlos Gil, Streikleiter und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Allgäu. „Ich bedanke mich bei allen, die sich an unserem Arbeitskampf beteiligt und ihn unterstützt haben.“

 


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