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Frank Sells Tarif-Blog

Ein Metaller berichtet: So erlebe ich die Tarifrunde

24.11.2017 Ι Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie läuft. Die IG Metall diskutiert, was sie von den Arbeitgebern fordern wird. Die Entscheidung darüber treffen die Tarifkommissionen ("Takos") der einzelnen Tarifgebiete. Doch wer sitzt da eigentlich drin, in den Tarifkommissionen? Unter anderem ich, Frank Sell.

Ich bin Betriebsratsvorsitzender bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach - und Mitglied der Tarifkommission ("Tako" kurz erklärt). der IG Metall für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg. Die Delegierten meiner IG Metall vor Ort in Stuttgart haben mich gewählt. Ich bin 41 Jahre alt, Industriemechaniker und Vater zweier kleiner Kinder. Hier schreibe ich, wie ich die Metall-Tarifrunde erlebe.


24. November 2017
 

Arbeitgeber wollen alleine über Arbeitszeiten entscheiden


Ich fand die Arbeitgeber in der ersten Tarifverhandlung schon sehr extrem: "Forderungen aus einer anderen Galaxie" würden wir stellen, meinen sie zu unserer Wahloption, vorübergehend kürzer zu arbeiten. Und: "Für's Nichtstun  werden wir nicht zahlen". Damit meinen sie den Entgeltzuschuss, den wir für Beschäftigte fordern, die für Kinder, Pflege oder Gesundheit kürzer arbeiten.


Wir haben im Ortsvorstand der IG Metall über die Verhandlung diskutiert. Ich verstehe die Arbeitgeber nicht. In der modernen Zeit musst Du doch den Beschäftigten auch Arbeitszeiten nach ihren Bedürfnissen bieten. Das wissen sie genau. Trotzdem ist es für die Arbeitgeber völlig tabu, dass auch die Beschäftigten über ihre Arbeitszeit bestimmen. Sie wollen weiter alleine entscheiden - und die Arbeitszeiten sogar noch weiter verlängern.


Mich ärgert diese Haltung ganz persönlich. Als ob mit unserer Wahloption dann alle plötzlich "nichts tun" würden. Das erlebe ich bei uns im Betrieb ganz anders. Bei den Langzeit-Arbeitszeitkonten, die wir geregelt haben, funktioniert es doch, ohne dass die Firma überfordert wird. Auch die Wahloption werden die meisten Beschäftigten nur in besonderen Situation nutzen, etwa wenn mal was mit den Kindern oder den Eltern ist. Ansonsten kommt doch jeder normal ins Geschäft (auf die Arbeit). Die meisten richten sich schließlich ihr Leben nach ihrem Entgelt ein. Die können nicht mal gerade eben auf das Geld verzichten und 20 Prozent weniger arbeiten.


Beschäftigte müssen verkürzen, weil es nicht anders geht


Und warum ist es so abwegig, dass die Arbeitgeber einen Entgeltzuschuss zahlen für die Beschäftigten, die kürzen arbeiten müssen, weil es nicht anders geht? Kinder, Pflege, Gesundheit - von wegen "nichts tun". Das sind doch soziale Aufgaben, von denen alle etwas haben. Die Arbeitgeber wissen, dass sie sich da moralisch ziemlich in die Ecke stellen.


Aber sie haben es ganz direkt und knallhart formuliert: Anspruch auf vorrübergehende Reduzierung der Arbeitszeit, Beschäftigte können selbst bestimmen? Mit uns auf gar keinen Fall!


Das ist etwas anders als beim Geld. Da jammern die Arbeitgeber wie immer ein bisschen herum, obwohl sie Geld wie Heu haben. Bei der Arbeitszeit jedoch sagen sie kategorisch Nein.


Die Stimmung bei den Beschäftigten bei uns im Betrieb ist gut. Wir haben wieder morgens an den Toren Flugblätter verteilt. Zum Diskutieren kamen wir nicht so, aber wenn sich keiner beschwert, dann bedeutet das bei uns erst mal große Zustimmung und "alles Gut". ;).


Allen ist klar: Das wird eine harte Tarifrunde. Das ist jetzt schon absehbar. Wenn wir im Januar in Warnstreiks gehen, müssen wir alle mitnehmen, weil wir alle brauchen.


10. November 2017
 

Früh auf den Beinen, mit Flugblättern und guter Laune
 

Nach dem Beschluss über unsere Forderung zur Metall-Tarifrunde haben wir die Metallnachrichten vor allen Toren verteilt. Meine Schicht war von 6 bis 6.30 Uhr. Ich übernehme beim Flugblätterverteilen immer die Schichten, die sonst keiner machen will ;)


Die Stimmung an den Toren war sehr positiv, vor allem was unsere Forderung zur Entgelterhöhung betrifft. Die Forderung zur Arbeitszeit ist komplizierter zu erklären. Aber unsere Beschäftigten sehen schon, dass wir mehr Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit brauchen.


Ansonsten sind wir mitten in den Vorbereitungen für Aktionen. Zunächst wollen wir alle Beschäftigten im Werk noch einmal auf unsere Tarifforderung ansprechen, sowohl die IG Metall-Mitglieder als auch die Nicht-Mitglieder. Von der IG Metall bekommen wir dazu spezielles Material. Was genau, kann ich noch nicht verraten. Es hat auf jeden Fall etwas mit Zeit zu tun.


Außerdem planen wir schon für unseren Aktionstag Mitte Dezember in Ludwigsburg - etwa, welche Bereiche mit wie vielen Leuten dorthin fahren. Wir begleiten dort die zweite Tarifverhandlung. Das ist gute Tradition bei uns in der IG Metall Baden-Württemberg. Und sollten ab Januar Warnstreiks nötig sein, werden wir auch darauf vorbereitet sein.

 

24. Oktober 2017


Forderungsbeschluss in der Tarifkommission!
 

Heute haben wir in der Tarifkommission in Sindelfingen unsere Forderung für die Metall-Tarifrunde in Baden-Württemberg beschlossen: 6 Prozent mehr Geld - und eine Wahloption auf Reduzierung der Arbeitszeit. Die Forderungen sind alle machbar für die Arbeitgeber. Die Stimmung war durchweg positiv. Gut finde ich, dass wir auch qualitative Forderungen haben - und es nicht nur ums Geld geht.

 


Unsere Vorbereitungen zur Metall-Tarifrunde bei uns im Betrieb laufen. Wir hatten dazu letzte Woche eine Klausur der Vertrauenskörperleitung, mit rund 60 IG Metall-Vertrauensleuten und Betriebsräten aus allen Bereichen. Einen Tag lang haben wir diskutiert, wie wir unsere Kampagne zur Tarifrunde gestalten wollen. Wir planen Aktionstage. Außerdem haben wir einen WhatsApp-Channel eingerichtet, um schneller mit unseren Leuten kommunizieren zu können. Und wir haben uns vorgenommen, dass wir mehr Beschäftigte mobilisieren wollen, insbesondere auch aus dem Bürobereich. Die Arbeitszeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist da ein wichtiges Thema. Und schließlich wollen wir auch mehr Mitglieder für die IG Metall gewinnen, um stärker auftreten zu können.


Letzten Montag war ich bei einem Empfang für Personal- und Betriebsräte im Wirtschaftsministerium von Baden-Württemberg. Ich habe dort eine Rede zur Transformation in Sachen Digitalisierung und E-Mobilität aus Sicht unserer Beschäftigten gehalten. Wir sind davon in Stuttgart besonders betroffen.
 

13. Oktober 2017

Tarifforderung: Intensive Debatte in den Betrieben


Top-Thema war bei uns in dieser Woche natürlich die Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstands zur Tarifrunde: Sechs Prozent mehr Lohn plus ein Anspruch darauf, die Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 28 Wochenstunden zu reduzieren. Die Resonanz der Kollegen war sehr positiv. Sechs Prozent mehr Geld passen ins Bild, auch in unserem Betrieb. Der Laden läuft.

Das Thema Arbeitszeit spielt gerade für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Produktion eine große Rolle. Dort gibt es immer wieder welche, die gerne kürzer arbeiten wollen - aber sie kriegen es nicht genehmigt. Viele sagen: Lieber verzichte ich auf etwas Geld und habe dafür mehr Zeit für Familie, Freunde oder den Verein.

Im Bürobereich können Beschäftigte nach einer Phase mit reduzierter Arbeitszeit oft nicht mehr in die Vollzeit zurückkehren. Unsere Vorschläge zur kurzen Vollzeit wären ein sozialer Fortschritt.

Am Mittwoch hatten wir noch eine Vollversammlung der Vertrauensleute. Auch dort wurde die Forderungsempfehlung diskutiert. Die Stimmung ist insgesamt gut. Und in der kommenden Woche haben wir eine zweitägige Klausur der Vertrauenskörperleitung in der wir eine Kampagne zur Tarifrunde planen.
 

 

06. Oktober 2017

Tarifforderung: Intensive Debatte in den Betrieben
 

Am Freitag haben wir auf einer Konferenz mit Betriebsräten und IG Metall-Vertrauensleuten aus den Betrieben unsere Forderung der IG Metall-Geschäftsstelle Stuttgart zur Metall-Tarifrunde beschlossen. Jeder Betrieb hat seine Empfehlung abgegeben. Teilweise gab es da doch recht unterschiedliche Vorstellungen, die wir intensiv debattiert haben. Die Situation in den Betrieben ist eben differenziert. Am Ende sind wir dann doch zu einer gemeinsamen Forderung gekommen, die allen gerecht wird.

Alle betrieblichen Vertreter haben zuvor mit den Beschäftigten in den Betrieben diskutiert. In einigen Betrieben fanden Vollversammlungen statt. In anderen - so wie bei uns - gab es Aktionen vor der Kantine. In einigen Betrieben sind die Vertrauensleute direkt an ihre Kolleginnen und Kollegen in ihren Bereichen herangetreten, haben mit ihnen über die Forderung geredet und ihre Meinungen dokumentiert.

Unsere Forderung der IG Metall Stuttgart nehmen wir in die Tarifkommission mit. Am 24. Oktober beschließen wir dann in der Tarifkommission unsere Forderung als IG Metall Baden-Württemberg für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie.

Ansonsten hatte ich diese Woche vor allem Sitzungen und Verhandlungen im Betrieb. Auch dort stehen gerade wichtige Entscheidungen an, die wir als Betriebsrat im Sinne der Beschäftigten mitgestalten wollen.

 

 

29. September 2017

Freiheit bei der Arbeitszeit - Zeit für Kinder

 

Anfang dieser Woche haben wir in einer Sondersitzung alle IG Metall-Vertrauensleute über das Konzept informiert und diskutiert. Passt. Dann ging es weiter mit Bereichsausschusssitzungen in den verschiedenen Bereichen.


Am Mittwoch hatten wir dann wieder keine Kinderbetreuung. Ich bin morgens zu Hause geblieben. Um 13 Uhr kam meine Frau von der Arbeit, wir haben uns kurz abgeklatscht - und ich bin noch mal bis 20 Uhr ins Büro. Gestern ist dann meine Schwiegermutter 300 Kilometer mit dem Zug angereist, um sich um die Kinder zu kümmern. Ich hatte verschiedene Workshops und Konferenzen im Betrieb.


Dass ich mich auch mal um die Kinder kümmern kann, geht bei uns bei Bosch zum Glück problemlos. Das haben wir in Betriebsvereinbarungen gut geregelt - allerdings nur für die Bürobeschäftigten. Die Schichtarbeiter in der Produktion haben da noch keinerlei Wahlfreiheit. Da müssen wir noch vorankommen. Am besten per Tarifvertrag.

 

22. September 2017

Um die 6 Prozent, kurze Vollzeit: die Beschäftigten finden es gut

 

Die Tarifrunde läuft. Letzte Woche haben wir die metallnachrichten zu unserem Forderungsvorschlag aus der letzten Tarifkommissionssitzung vor dem Tor an die Kollegen verteilt. Bei der Sitzung selbst konnte ich nicht dabei sein, da ich unsere Kinder betreuen musste. Mit der Tagesmutter und unserem Kleinen hat es einfach nicht geklappt.


Nach der Aktion am Tor hatten wir eine Kantinenaktion. Dort haben wir an Infowänden mit Smileys abgefragt, was unsere Beschäftigten von unseren Forderungsvorschlägen halten: Um die 6 Prozent mehr Geld. Arbeitszeit wählen nach Lebenssituation. Und der Entgeltzuschuss bei kurzer Vollzeit um Kinder zu erziehen, um zu pflegen und bei belastender Arbeitszeit wie Schichtarbeit. Rund 80 Prozent wählten die lachenden Smileys. Später haben wir noch mit den Kollegen diskutiert. Unsere Vorschläge kommen gut an.

 


 

Kurz erklärt:

 

Die TARIFKOMMISSION ("Tako") ist ein Gremium, das von IG Metall-Mitgliedern vor Ort gewählt wird. Sie bereitet die Tarifrunde vor, beschließt die Forderung, gibt Empfehlungen für die Gespräche mit den Arbeitgebern und ist an den Verhandlungen beteiligt. Sie befindet über die Annahme oder Ablehnung eines Verhandlungsergebnisses, über Urabstimmung und Streik. Der Großteil der Tako-Mitglieder sind Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall aus den Betrieben.


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Werner Bachmeier
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