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Frank Sells Tarif-Blog

Ein Metaller berichtet: So erlebe ich die Tarifrunde

13.10.2017 Ι Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie läuft. Die IG Metall diskutiert, was sie von den Arbeitgebern fordern wird. Die Entscheidung darüber treffen die Tarifkommissionen ("Takos") der einzelnen Tarifgebiete. Doch wer sitzt da eigentlich drin, in den Tarifkommissionen? Unter anderem ich, Frank Sell.

Ich bin Betriebsratsvorsitzender bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach. Die Delegierten meiner IG Metall vor Ort in Stuttgart haben mich gewählt. Ich bin 41 Jahre alt, Industriemechaniker und Vater zweier kleiner Kinder. Und ich bin unserer Tarifkommission ("Tako" kurz erklärt). Hier schreibe ich jede Woche, wie ich die Tarifrunde erlebe:
 

13. Oktober 2017

Tarifforderung: Intensive Debatte in den Betrieben


Top-Thema war bei uns in dieser Woche natürlich die Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstands zur Tarifrunde: Sechs Prozent mehr Lohn plus ein Anspruch darauf, die Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 28 Wochenstunden zu reduzieren. Die Resonanz der Kollegen war sehr positiv. Sechs Prozent mehr Geld passen ins Bild, auch in unserem Betrieb. Der Laden läuft.

Das Thema Arbeitszeit spielt gerade für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Produktion eine große Rolle. Dort gibt es immer wieder welche, die gerne kürzer arbeiten wollen - aber sie kriegen es nicht genehmigt. Viele sagen: Lieber verzichte ich auf etwas Geld und habe dafür mehr Zeit für Familie, Freunde oder den Verein.

Im Bürobereich können Beschäftigte nach einer Phase mit reduzierter Arbeitszeit oft nicht mehr in die Vollzeit zurückkehren. Unsere Vorschläge zur kurzen Vollzeit wären ein sozialer Fortschritt.

Am Mittwoch hatten wir noch eine Vollversammlung der Vertrauensleute. Auch dort wurde die Forderungsempfehlung diskutiert. Die Stimmung ist insgesamt gut. Und in der kommenden Woche haben wir eine zweitägige Klausur der Vertrauenskörperleitung in der wir eine Kampagne zur Tarifrunde planen.
 

 

06. Oktober 2017

Tarifforderung: Intensive Debatte in den Betrieben
 

Am Freitag haben wir auf einer Konferenz mit Betriebsräten und IG Metall-Vertrauensleuten aus den Betrieben unsere Forderung der IG Metall-Geschäftsstelle Stuttgart zur Metall-Tarifrunde beschlossen. Jeder Betrieb hat seine Empfehlung abgegeben. Teilweise gab es da doch recht unterschiedliche Vorstellungen, die wir intensiv debattiert haben. Die Situation in den Betrieben ist eben differenziert. Am Ende sind wir dann doch zu einer gemeinsamen Forderung gekommen, die allen gerecht wird.

Alle betrieblichen Vertreter haben zuvor mit den Beschäftigten in den Betrieben diskutiert. In einigen Betrieben fanden Vollversammlungen statt. In anderen - so wie bei uns - gab es Aktionen vor der Kantine. In einigen Betrieben sind die Vertrauensleute direkt an ihre Kolleginnen und Kollegen in ihren Bereichen herangetreten, haben mit ihnen über die Forderung geredet und ihre Meinungen dokumentiert.

Unsere Forderung der IG Metall Stuttgart nehmen wir in die Tarifkommission mit. Am 24. Oktober beschließen wir dann in der Tarifkommission unsere Forderung als IG Metall Baden-Württemberg für die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie.

Ansonsten hatte ich diese Woche vor allem Sitzungen und Verhandlungen im Betrieb. Auch dort stehen gerade wichtige Entscheidungen an, die wir als Betriebsrat im Sinne der Beschäftigten mitgestalten wollen.

 

 

29. September 2017

Freiheit bei der Arbeitszeit - Zeit für Kinder

 

Anfang dieser Woche haben wir in einer Sondersitzung alle IG Metall-Vertrauensleute über das Konzept informiert und diskutiert. Passt. Dann ging es weiter mit Bereichsausschusssitzungen in den verschiedenen Bereichen.


Am Mittwoch hatten wir dann wieder keine Kinderbetreuung. Ich bin morgens zu Hause geblieben. Um 13 Uhr kam meine Frau von der Arbeit, wir haben uns kurz abgeklatscht - und ich bin noch mal bis 20 Uhr ins Büro. Gestern ist dann meine Schwiegermutter 300 Kilometer mit dem Zug angereist, um sich um die Kinder zu kümmern. Ich hatte verschiedene Workshops und Konferenzen im Betrieb.


Dass ich mich auch mal um die Kinder kümmern kann, geht bei uns bei Bosch zum Glück problemlos. Das haben wir in Betriebsvereinbarungen gut geregelt - allerdings nur für die Bürobeschäftigten. Die Schichtarbeiter in der Produktion haben da noch keinerlei Wahlfreiheit. Da müssen wir noch vorankommen. Am besten per Tarifvertrag.

 

22. September 2017

Um die 6 Prozent, kurze Vollzeit: die Beschäftigten finden es gut

 

Die Tarifrunde läuft. Letzte Woche haben wir die metallnachrichten zu unserem Forderungsvorschlag aus der letzten Tarifkommissionssitzung vor dem Tor an die Kollegen verteilt. Bei der Sitzung selbst konnte ich nicht dabei sein, da ich unsere Kinder betreuen musste. Mit der Tagesmutter und unserem Kleinen hat es einfach nicht geklappt.


Nach der Aktion am Tor hatten wir eine Kantinenaktion. Dort haben wir an Infowänden mit Smileys abgefragt, was unsere Beschäftigten von unseren Forderungsvorschlägen halten: Um die 6 Prozent mehr Geld. Arbeitszeit wählen nach Lebenssituation. Und der Entgeltzuschuss bei kurzer Vollzeit um Kinder zu erziehen, um zu pflegen und bei belastender Arbeitszeit wie Schichtarbeit. Rund 80 Prozent wählten die lachenden Smileys. Später haben wir noch mit den Kollegen diskutiert. Unsere Vorschläge kommen gut an.

 


 

Kurz erklärt:

 

Die TARIFKOMMISSION ("Tako") ist ein Gremium, das von IG Metall-Mitgliedern vor Ort gewählt wird. Sie bereitet die Tarifrunde vor, beschließt die Forderung, gibt Empfehlungen für die Gespräche mit den Arbeitgebern und ist an den Verhandlungen beteiligt. Sie befindet über die Annahme oder Ablehnung eines Verhandlungsergebnisses, über Urabstimmung und Streik. Der Großteil der Tako-Mitglieder sind Betriebsräte und Vertrauensleute der IG Metall aus den Betrieben.


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