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Kfz-Tarifrunde 2019
Kfz-Beschäftigte machen Druck

Die Tarifverhandlungen im Kfz-Handwerk stocken. Auch bei der Verhandlung gestern in NRW boten die Arbeitgeber lediglich 2,3 Prozent mehr Geld. Wir fordern 5 Prozent mehr. Jetzt machen die Beschäftigten in den Autohäusern und Kfz-Werkstätten Druck.


Flashmob in Idstein im Taunus. 85 IG Metall-Aktive aus hessischen Kfz-Betrieben klappern acht Autohäuser in der Black-und-Decker-Straße ab. Sie informieren die Beschäftigten über die Tarifverhandlungen im Kfz-Handwerk und klären sie über die Vorteile von Tarifverträgen auf. Kleine Gruppen gehen rein in die Autohäuser, ein Teil vorne in den Verkaufsraum, die anderen hinten durch das Rolltor in die Werkstatt – mit IG Metall-Kappen und Infomaterial. Der verbliebene Demozug auf der Straße schlägt Alarm zu Musik aus den Lautsprechern des Trucks der IG Metall-Roadshow.


Arbeitgeber bieten viel zu wenig

Wir fordern in der Kfz-Tarifrunde 5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate – mit einem Extraplus für die Auszubildenden. Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit einigen Wochen. Am Tag vor dem Flashmob war erstmals Hessen dran. Die Arbeitgeber boten lediglich 2,3 Prozent mehr Geld für dieses Jahr und 2 Prozent für das nächste Jahr. Oder alternativ 2 Prozent mehr, drei Jahre hintereinander.

Viel zu wenig, finden die 85 Aktiven – dafür, dass die Arbeit in den Kfz-Betrieben immer mehr wird. Dieses Fazit haben sie am Vormittag vor dem Flashmob gemeinsam auf einer Konferenz gezogen.

Vollgas für Tarifverträge

Es geht um mehr Geld – aber auch darum, dass endlich wieder mehr Kfz-Arbeitgeber nach Tarif zahlen. Von den acht Autohäusern in der Black-und-Decker-Straße sind nur drei an den Tarifvertrag für das Kfz-Handwerk gebunden.

Zwei davon gehören Jürgen Karpinski, dem Präsidenten des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), dem Dachverband der Kfz-Arbeitgeber. Auf Druck der IG Metall ist der Arbeitgeberpräsident mit seinen beiden Idsteiner Autohäusern dem Tarif beigetreten. „Folgt dem Präsidenten!“, rufen die Aktiven. Der Spruch steht auch auf einem großen Transparent mit Karpinskis Konterfei, das sie dabeihaben.

Allerdings: So richtig bekennt sich der Präsident noch nicht zur Tarifbindung. Die Filialleiter der beiden Schmitt-Autohäuser wollen die Aktiven nicht reinlassen, obwohl Gewerkschaften laut Gesetz ein Zutrittsrecht in Betriebe haben und die IG Metall im Vorfeld bereits Gespräche geführt hat. Doch viele Beschäftigte kommen von sich aus raus und suchen das Gespräch.

„Von der neuen Tarifbindung haben wir hier noch nicht allzu viel gemerkt. Wir arbeiten immer noch 42 Stunden in der Woche“, erzählt ein Verkäufer. Im Tarifvertrag stehen 36 Stunden. Immerhin hat Karpinski schon mal den Urlaub von 24 auf die tariflichen 30 Tage im Jahr verlängert.

„Ihr müsst auch einen Betriebsrat wählen“, der dafür sorgt, dass der Arbeitgeber den Tarifvertrag auch einhält“, macht einer der Aktiven klar. „Sonst bleibt der Tarifvertrag ein Papiertiger.“


Tarifverhandlungen bislang ohne Ergebnis

Vor Hessen haben wir bereits in anderen Tarifgebieten mit den Arbeitgebern verhandelt. Den Anfang machte Bayern am 7. Mai. Es folgten Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin-Brandenburg-Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Hamburg. Und auch die Tarifverhandlung gestern in NRW brachte kein Ergebnis.

Überall offerieren die Arbeitgeber ähnliche Angebote wie in Hessen. Zudem lehnen sie kategorisch die Angleichung der Löhne und Gehälter im Osten an den Westen ab.


Kfz-Aktionstage

Am 31. Mai endet die Friedenspflicht. Dann sind Warnstreiks im Kfz-Handwerk möglich. Um Druck auf die Arbeitgeber zu machen, wollen die Kfz-Beschäftigten in der gesamten Republik vom 3. bis 5. Juni gleichzeitig für ihre Forderungen demonstrieren. Insbesondere am 4. Juni sind zahlreiche Kundgebungen, Autokorsos und Warnstreiks geplant. Fragt Euren Betriebsrat oder Eure IG Metall vor Ort, was in Eurer Region läuft.

Die nächsten Tarifverhandlungen sind für Mitte Juni angesetzt.

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