Holz- und Kunststoffbetrieb „Heim & Haus“
Osterfelder gehen für Tarifbindung in den Warnstreik

So manch ein Betrieb profitiert von der Coronakrise. So auch der Hersteller für Bauelemente „Heim & Haus“. Trotz mehr Arbeit wurden die Löhne der Beschäftigten kaum merklich erhöht. Im Warnstreik kämpfen die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt jetzt für die Tarifbindung des Unternehmens.


Baumärkte haben seit Beginn der Coronakrise einen wahren Boom erlebt. Plötzlich im Homeoffice mit den eigenen vier Wänden konfrontiert, treibt es viele in den Heimwerkermodus. Auch Direktvertriebe für Bauelemente profitieren von dem Hype. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen „Heim & Haus“ – ein Hersteller für Markisen, Vordächer, Rollläden, Fenster und Türen. Die Auftragsbücher des Unternehmens haben sich im vergangenen Jahr gefüllt, immer mehr Leiharbeiter wurden eingestellt. Doch trotz Mehrarbeit für die Beschäftigten weigert sich die Unternehmensleitung des Familienbetriebs die Löhne entsprechend zu erhöhen. Dabei liegen die Grundlöhne in dem Betrieb teilweise nur knapp über dem Mindestlohn.

Der Betrieb weigert sich an allen Standorten, die Tarifverträge für die Holz- und Kunststoffindustrie anzuerkennen. Die Beschäftigten in Osterfeld in Sachsen-Anhalt wollen das nicht akzeptieren und organisieren sich in der IG Metall. Mitte März sind die Beschäftigten zum ersten Mal in den Warnstreik getreten. Momentan boomt das Geschäft bei „Heim &Haus“ – davon muss auch die Belegschaft profitieren.


Warnstreik folgt auf Blockadehaltung der Arbeitgeber

In dem Betrieb in Osterfeld arbeiten rund 90 Beschäftigte, hinzu kommen mittlerweile 30 Leiharbeiter. „Die Kolleginnen und Kollegen stemmen seit einem Jahr mehr Arbeit“, berichtet der zuständige Gewerkschaftssekretär Sebastian Fritz, „aber trotzdem gab es vom Arbeitgeber nur einen minimalen Zuschlag, der in keinem Verhältnis zu der geleisteten Arbeit steht“. In zwei Stufen gab es insgesamt 0,60 Cent mehr pro Stunde für die Beschäftigten. Die Erhöhung sei sowieso längst überfällig gewesen, sagt Sebastian Fritz von der IG Metall Halle/Dessau – „und selbst die wurde erst bereitgestellt, nachdem im vergangenen Jahr im Betrieb Druck gemacht wurde und beispielsweise zahlreiche Beschäftigte aus Protest mit IG Metall Shirts zur Betriebsversammlung erschienen sind.

Nach der Aktion sind dann zum ersten Mal Sondierungsgespräche mit der IG Metall erfolgt. Ansonsten ist die Geschäftsführung nicht bereit, mit der IG Metall zu verhandeln. „Die wollen gerne alles ohne Gewerkschaft lösen“, sagt Sebastian Fritz. Nach den Sondierungsgesprächen blieben die Arbeitgeber bei ihrer harten Linie gegen die Tarifbindung – deshalb nun der Warnstreik, an dem ein großer Teil der Belegschaft teilgenommen hat.


Beschäftigte vor Altersarmut schützen

Solidarische Grüße für ihren Warnstreik erhalten die Osterfelder aus Auerbach – dem bayrischen Standort von „Heim & Haus“. Auch sie kämpfen seit Jahren für die Tarifbindung. „Bevor vor vier Jahren der Betriebsrat in Osterfeld gegründet wurde, haben die Arbeitgeber von `Heim &Haus` den Beschäftigten in Auerbach immer gedroht: Wenn ihr uns blöd kommt, verlagern wir mehr Produktion nach Osterfeld“, sagt Udo Fechtner von der IG Metall Amberg. Mit diesem Druckmittel war nach der Betriebsratsgründung in Sachsen-Anhalt Schluss, doch nun baut der Hersteller für Bauelemente sein nächstes Werk im nordrhein-westfälischen Voerde auf, was ihm erneut als Drohmittel für Standortverlagerung dienen dürfte.

Auf einem Plakat, das die Beschäftigten zum Warnstreik vor dem Werk in Osterfeld angebracht haben, steht: „Dieser Betrieb produziert Altersarmut“. Der Durchschnittsmitarbeiter bei „Heim &Haus“ verdient nicht genug, um auch nach 45 Arbeitsjahren bei Renteneintritt vor der Altersarmut geschützt zu werden. „Es muss noch eine große Lücke gestopft werden, bis bei „Heim &Haus“ alle genug verdienen, um ohne Angst in Rente zu gehen“, sagt Sebastian Fritz. „Eine Tarifbindung würde den Beschäftigten von ‚Heim & Haus‘ viele Verbesserungen bringen, denn mit Tarif wird eben vieles gerechter.“

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