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Ratgeber Arbeitszeugnis

Ratgeber Arbeitszeugnis

Die Bewertung im Arbeitszeugnis

06.09.2017 Ι Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn sie aus dem Betrieb ausscheiden, aber auch beim Wechsel des Vorgesetzten. Bei der Bewerbung um eine neue Stelle gehört das Arbeitszeugnis zu den wichtigsten Empfehlungen. Tjark Menssen vom DGB Rechtsschutz erläutert, was bei Form und Inhalt gilt und welche Noten bestimmte Standardsätze bedeuten.

Jeder Beschäftigte hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis, wenn er das Arbeitsverhältnis beendet. Für den Inhalt ist der Arbeitgeber verantwortlich.

Grundsätzlich können Beschäftigte wählen, ob sie ein einfaches Zeugnis erhalten möchten, in dem nur die Art der Beschäftigung und deren Dauer festgehalten wird. Speziell bei kurzen Arbeitseinsätzen reicht dies regelmäßig aus, um die Tätigkeiten zu dokumentieren. Kommt es entscheidend auf die Bewertung der konkret erbrachten Arbeitsleistung und das Verhalten im Betrieb an, sollte man ein qualifiziertes Zeugnis verlangen.

 

Form und Inhalt

Zunächst muss der Arbeitgeber die Anforderungen an die äußere Form für ein Arbeitszeugnis erfüllen. Hierzu gehört, dass es maschinenschriftlich und auf dem üblichen Geschäftspapier erstellt wird. Auch darf die Urkunde keine Rechtschreibfehler, Ausbesserungen oder Flecken enthalten. Einzelne Wörter dürfen weder gestrichen noch unterstrichen noch kursiv oder fett gedruckt sein. Auch Geheimzeichen, wie Häkchen oder Striche, um etwa die Mitgliedschaft des Beschäftigten in der Gewerkschaft zu signalisieren, haben im Zeugnis nichts zu suchen.

Das Ausstellungsdatum muss zeitlich in Verbindung mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses stehen. Der Grund des Ausscheidens ist nur auf ausdrücklichen Wunsch des Beschäftigten zu erwähnen. Das Zeugnis muss eigenhändig vom Arbeitgeber selbst oder von einem beauftragten ranghöheren Vertreter unterschrieben
werden. Einen Dank für die Zusammenarbeit und Wünsche für die Zukunft kann der Arbeitnehmer nicht verlangen.

 

Die Sprache

Das Gesetz sieht vor, dass das Zeugnis klar und verständlich formuliert sein muss. Im Lauf der Zeit hat sich unter den Personalverantwortlichen eine verschlüsselte Sprache entwickelt. Auf den ersten Blick positiv wirkende Formulierungen können - auch in Verbindung mit dem übrigen Inhalt - genau das Gegenteil bedeuten. Ist etwa formuliert, dass die Arbeit "zur vollen Zufriedenheit" oder "stets zur Zufriedenheit" erledigt wurde, bedeutet dies eine durchschnittliche Beurteilung. Beansprucht der Arbeitnehmer eine bessere Schlussbeurteilung wie "gut" oder "sehr gut", muss er in einem Zeugnisrechtsstreit entsprechende Leistungen darlegen und beweisen können. Andersherum ist es Sache des Arbeitgebers, dem Gericht nachzuweisen, aus welchen Gründen er den Beschäftigten unterdurchschnittlich bewertet hat.

 

Fristen beachten

Wenn einzel- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen die Geltendmachung aller Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis oder seiner Beendigung innerhalb einer bestimmten Frist vorsehen, zählt hierzu auch der Anspruch auf Zeugnisänderung. Erfolgt innerhalb der Frist kein entsprechendes Verlangen, geht der Anspruch unter. Im Streitfall oder bei Fragen zum Arbeitszeugnis sollten sich Mitglieder deshalb von ihrer IG Metall vor Ort beraten lassen.

 

Zwischenzeugnis

Für das Zwischenzeugnis gelten die gleichen Regeln wie für das Abschlusszeugnis: Es muss Auskunft über die Dauer des Arbeitsverhältnisses geben, die Art der Tätigkeit und der Leistung ebenso widerspiegeln wie die sozialen Kompetenzen des Beschäftigten.

Die Sprache des Zeugnisses muss klar und verständlich sein, alle Bewertungen müssen wohlwollend formuliert werden, damit dem Mitarbeiter eine Suche nach einer neuen Stelle nicht erschwert wird. Verschlüsselte Formulierungen sind unzulässig. Wer auf solche stößt, sollte beim Arbeitgeber ebenso Einspruch anmelden wie derjenige, der ein unvollständiges Zeugnis in der Hand hält.

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Links und Zusatzinformationen
Tjark Menssen. Foto: Frank Rumpenhorst
Der Arbeitsrechtsexperte

Tjark Menssen ist Jurist bei der DGB Rechtsschutz GmbH in Frankfurt am Main. Dort ist er auch zuständig für den internationalen Rechtsschutz.

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