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Allianz für Aus- und Weiterbildung
Mehr Jugendliche in betriebliche Ausbildung bringen

Thomas Ressel, Leiter des Ressorts Bildungs- und Qualifizierungspolitik beim IG Metall-Vorstand über die Fortführung der Allianz für Aus- und Weiterbildung bis ins Jahr 2021, Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt – und was jetzt dringend getan werden muss.


Die Allianz für Aus- und Weiterbildung ist bis 2021 neu aufgelegt. Was ist deren zentrale Zielsetzung?

Thomas Ressel: Wesentliches Ziel ist es, dass mehr Jugendliche einen betrieblichen Ausbildungsplatz finden und mehr unbesetzte Plätze besetzt werden können. Wir werden die Allianz daran messen, ob es gelingt, mehr betriebliche Ausbildung zu generieren.


Die Arbeitgeber haben zugesagt, mehr betriebliche Ausbildungsplätze anzubieten …

Naja. Ziel ist es, mehr Jugendliche in betriebliche Ausbildung zu bringen - fest zugesagt haben sie allerdings lediglich die Stabilisierung der Ausbildungsplätze. Da hätten wir eine mutigere Aussage erwartet. Positiv ist die Aussage, Ausbildungsplätze offen für alle Schulabschlüsse anzubieten. Wir werden nun bis 2021 gemeinsam die Ausbildungssituation beraten und die Maßnahmen voranbringen.


Was konnte dazu geregelt werden?

Um junge Menschen mit Förderbedarfen in Ausbildung zu integrieren, wurde vereinbart, die Assistierte Ausbildung zu entfristen und zu einem dauerhaften Instrument auszubauen. In Regionen mit angespanntem Ausbildungsmarkt soll es vom Bund geförderte Pilotprojekte, beispielsweis die Förderung der Verbundausbildung geben, um ein ausreichendes Ausbildungsplatzangebot bereitzustellen. Und die Allianz setzt sich auch für Azubi-Tickets in allen Bundesländern ein. Um nur einige der zentralen Vorhaben zu nennen.


Was sind gegenwärtig die zentralen Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt?

Die Zunahme der unbesetzten Ausbildungsstellen auf rund 58.000 bei gleichzeitig festem Sockel von rund 80.000 jungen Menschen, die vergeblich eine Ausbildungsstelle suchen, ist die zentrale Herausforderung. Ursache dafür sind berufliche sowie regionale Passungsprobleme und das Auswahlverhalten der Betriebe. Hier sollen die vereinbarten Maßnahmen ansetzen.


Was ist darüber hinaus dringend zu tun?

Aktuell haben über zwei Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss, Tendenz steigend. Diese jungen Menschen sind die Hochrisikogruppe auf dem Arbeitsmarkt. Ihnen drohen Langzeitarbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigung.

Was mich besorgt: Der Ausbildungsmarkt zerfällt zunehmend in parallele Welten. Auf der einen Seite steigt die Zahl der unbesetzten Plätze, auf der anderen bleiben die Regionen mit einem angespannten Ausbildungsmarkt. Die Ausbildungschancen der Jugendlichen hängen insbesondere von ihrem Wohnort, ihrem Schulabschluss und ihrem Pass ab. Hier muss gegengesteuert werden.

Es ist dringend geboten, die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz deutlich zu reduzieren. Eigentlich bräuchten wir eine gesetzliche Finanzierungsregelung für die Ausbildung. Nur noch 19,8 Prozent aller Betriebe bildet aus, ein historischer Tiefstand. Das Handwerk hat unlängst Ablöseforderungen für ausgebildete Fachkräfte vorgeschlagen. Das halte ich für falsch, aber eine Umlagefinanzierung kann die Betriebe, die ausbilden, entlasten und die Betriebe, die sich ihre Fachkräfte von anderen billig ausbilden lassen in die Pflicht nehmen. Leider kann das in der Allianz nicht diskutiert werden – denn dann säßen die Gewerkschaften allein am Tisch.    

Zukunft der Arbeit - Bildung und Qualifizierung

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