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Nationale Luftfahrtkonferenz
Wandel in der Luft

Rund 850.000 Beschäftigte arbeiten in Deutschland in der Luftfahrtindustrie und in der Luftverkehrswirtschaft, in den vergangenen Jahren befand sich die Branche im Aufschwung. Bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig zeigte sich: Große Herausforderungen stehen an. Klimaschutz wird elementar.


Rosige Aussichten, könnte man denken, wenn man auf die Zahlen schaut, und liegt damit ja gar nicht falsch: Seit Jahren bereits wächst die Zahl der Menschen, die, irgendwo auf der Welt, in ein Flugzeug steigen. In der kommenden Dekade, davon ist auszugehen, wird Wachstum vor allem in den Schwellenländern, vor allem in China stattfinden – was aller Voraussicht nach zu wachsender Wertschöpfung, aber auch zu einer Verlagerung von Wertschöpfungsketten führen wird. Rund 850.000 Arbeitsplätze tragen gegenwärtig direkt und indirekt dazu bei, eine Wertschöpfung in Höhe von über 60 Milliarden Euro in Deutschland zu schaffen. Die Luftfahrtbranche sichert heute zuverlässig Einkommen und Beschäftigung.

Alles eitel Sonnenschein also, kein Grund, sich groß Gedanken über die Zukunft zu machen? Keineswegs.

Auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz, zu der heute Expertinnen und Experten der Branche auf dem Flughafen Halle/Leipzig zusammenkamen und bei der Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, zusammen mit hochkarätigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Unternehmen diskutierte, wurde eines sehr deutlich: Die Branche steht gegenwärtig vor einer Reihe von Herausforderungen – vor allem die Fragen von Klimaschutz und klimaschonender Mobilität treffen mit voller Wucht eine Branche, die in den kommenden Jahren von einem tiefgreifenden Wandel erfasst sein wird.
 

Infos zur Nationale Luftfahrtkonferenz

Bei der ersten Nationalen Luftfahrtkonferenz diskutieren 500 Expertinnen und Experten über die Zukunft der Luftfahrtindustrie. Bei der Veranstaltung am Flughafen Leipzig/Halle mit dabei sind Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verkehrsminister Andreas Scheuer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Lufthansa-Chef Carsten Spohr, Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall sowie weitere hochkarätige Teilnehmer, unter anderem: Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Martin Dulig, stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Freistaates Sachsen, Tarek Al-Wazir, Verkehrs- und Wirtschaftsminister des Landes Hessen sowie Kristina Vogt, Wirtschaftssenatorin von Bremen. Luftverkehr und Luftfahrtindustrie sind vertreten durch Klaus Richter, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sowie Professor Klaus-Dieter Scheurle, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

 

„CO2-neutrales Fliegen voranzubringen, ist für die IG Metall ein wichtiger Baustein, um die Pariser Klimaziele zu erreichen“, sagt Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall in Leipzig. „Für die Hersteller heißt das: Innovationen vorantreiben, neue Techniken entwickeln, um die Energieeffizienz zu erhöhen und die Beschäftigten für neue Produkte und Dienstleistungen qualifizieren.“


Technologischer Fortschritt

Treiber des Wandels ist vor allem der technologische Fortschritt, der sich hauptsächlich in fortschreitender Digitalisierung, in der teilweise rasanten Entwicklung neuer Antriebe und dem Einsatz leichter Materialien zeigt. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Nationalen Luftfahrkonferenz ist das sehr bewusst.

In ihrem „Leipziger Statement für die Zukunft der Luftfahrt“, das Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung der Luftfahrtstratgie der Bundesregierung sein soll, schreiben sie: „Gleichzeitig steht die Luftfahrt vor der großen Herausforderung, die Auswirkungen wachsenden Flugverkehrs auf Mensch und Umwelt zu minimieren und einen angemessenen Beitrag zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu leisten.“ Ziel bleibe ein CO2-neutrales Fliegen. „Elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen sowie die wettbewerbsfähige Einführung alternativer Kraftstoffe sind zentrale Elemente strategischer Industriepolitik.“

Die nötigen Technologien für elektrisches und hybrid-elektrisches Fliegen müssen dabei bereits heute vorbereitet werden, um rechtzeitig für die nächste Generation von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen verfügbar zu sein. Dazu, das wurde auf der Konferenz betont, ist auch der Einsatz von alternativen nachhaltigen, insbesondere von synthetischen Kraftstoffen erforderlich. Die Konferenzteilnehmer sind sich einig, dass sie die marktfähige Entwicklung dieser Kraftstoffe fördern wollen. „Hierzu müssen Energiewirtschaft, Anlagenbauer, Luftfahrtindustrie, Luftverkehrsunternehmen, Bund und Länder eine … Roadmap definieren und gemeinsam umsetzen“, schreiben sie. „Wir werden eine entsprechende industriepolitische Initiative der Europäischen Union initiieren.“ Die Politik ist dabei gefordert, einen Rahmen zu schaffen, mit der die ökologische Mobilitätswende möglich wird. „Das heißt konkret: Es muss eine Infrastruktur für eine ökologische Mobilitätswende aufgebaut werden, die den Flugverkehr einschließt und die dem Verkehr auf der Schiene mehr Bedeutung beimisst“, so Jörg Hofmann.


Beschäftigte im Zentrum

Klar ist aber auch: Ohne motivierte, sehr gut ausgebildete Beschäftigte wird es nicht gehen. Die Beschäftigten der Branche stehen im Zentrum. Sie müssen im Zentrum stehen – denn ohne sie gibt es keine Innovation und nur mit ihnen zusammen können die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden. Jörg Hofmann betont. „Gelingen wird die ökologische Wende im Luftverkehr nur, wenn Beschäftigte und Betriebsräte in diesem Wandel einbezogen werden. Wenn die Kolleginnen und Kollegen ihre Kompetenz einsetzen können und motiviert sind, lassen sich in Zukunft Produkte herstellen, die Mobilität sichern, eine intakte Umwelt erhalten und gute Arbeit für die 850.000 Beschäftigten in der Luftfahrtindustrie und in der Luftverkehrswirtschaft garantieren.“

Der scharfe Wettbewerb vor allem der Fluggesellschaften im europäischen Luftverkehr dürfe nicht auf dem Rücken der Angestellten ausgetragen werden. Jörg Hofmann sprach in Leipzig von „inakzeptablen Arbeitsbedingungen“ in der Luftverkehrsbranche. Dieses Problem müsse zur gesellschaftlichen Akzeptanz des Flugverkehrs genauso angegangen werden wie das Ziel des klimaneutralen Fliegens.


Mittelständler in Konkurrenz zu globalen Großkonzernen

Das gilt nicht nur für die großen OEMs, das gilt auch und besonders für die vielen, zumeist mittelständisch geprägten Zulieferbetriebe. „Mittelständige Zulieferer stehen in Konkurrenz zu globalen Großkonzernen, bereits heute findet eine spürbare Markkonsolidierung statt, was nicht selten zu Lasten von Zukunftsperspektiven und Beschäftigung geht“, sagt Werner Rieder, Betriebsratsvorsitzender bei PFW Aerospace in Speyer, im Panel „Deutscher Mittelstand im internationalen Wettbewerb“. Neben einer aktiven industriepolitischen Flankierung durch Bund und Länder brauche die Zulieferindustrie ausreichend Finanzierungsoptionen für die risikobehafteten Zukunftsinvestitionen. „Für die Zukunft der Zulieferer ist es unerlässlich, sich innovativer aufzustellen, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und neue Märkte zu erschließen.“

Damit alleine aber ist es nicht getan. Das Leipziger Statement formuliert weiterhin einen klaren Auftrag an die Unternehmen der Branche, nämlich: „Die Unternehmen fördern die Beteiligung der Belegschaften, um Innovationspotenziale in allen Bereichen zu heben. Die Unternehmen geben ihren Beschäftigten Sicherheit im Wandel und Mitbestimmung in der Bewältigung der neuen Herausforderungen.“ Um Beschäftigung langfristig in Deutschland zu sichern, werden von den Unternehmen „zukunftsfähige Standort- und Personalkonzepte“ entwickelt und in „Zukunftsarbeitsplätze“ investiert. Die Sozialpartner, darüber sind sich die Akteure einig, werden „die Aus- und Weiterbildung sowie die gezielte Personalentwicklung mit Blick auf neue Technologien und neue Materialien ausbauen und weiterentwickeln.“

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