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Stahlindustrie
Demo für klimafreundlichen Stahl

Wir können und wollen klimafreundlich Stahl erzeugen, rufen die Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter der Politik entgegen. Bei einer Demo vor dem Bundeswirtschaftsministerium forderten sie Unterstützung dafür ein.


Die Beschäftigten der Stahlindustrie stehen zum Pariser Klimaschutzabkommen. Auch sie wollen ihren Beitrag leisten. Wie sie das tun können, wissen sie bereits. Durch neue Technologien kann das Ziel einer CO2-neutralen Stahlerzeugung bis 2050 technisch erreicht werden. Die Devise der Zukunft ist also: Direktreduktion mit Wasserstoff, statt kochen im Hochofen. Die Stahlhersteller haben die Zeichen der Zeit längst erkannt.

(Foto: Christian von Polentz)

 

Fast alle großen Hütten kündigten bereits an, künftig auf die neue Produktionsmethode umstellen zu wollen. Damit diese Umstellung auch realisiert und das Klima so geschützt werden kann, braucht es aber einige strukturpolitische Maßnahmen. So fordern die Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter:


Forschungs- und Investitionsförderung

Die Umstellung der Produktion auf das Direktreduktionsverfahren ist in der Theorie relativ einfach. In der Praxis benötigt sie aber eine Menge Geld. Geld, das die Unternehmen nicht haben. Denn Stahl zu produzieren, ist momentan nicht besonders lukrativ. Die Margen und Gewinne sind verschwindend gering. Das liegt auch daran, dass hierzulande Hersteller für jede Tonne CO2, die bei der Stahlproduktion anfällt, CO2-Zertifikate brauchen. Teilweise bekommen sie diese kostenfrei zugeteilt, es muss aber auch ein Teil gekauft werden. In Ländern außerhalb der EU sind Hütten hingegen dazu nicht verpflichtet. Unterm Strich heißt das: Möchte man also in Deutschland eine dekarbonisierte Stahlindustrie, muss das politisch und finanziell unterstützt werden.


Den Ausbau der Infrastruktur

Wer Stahl ohne Kokskohle produzieren will, der braucht Strom und Wasserstoff. Eine durchgehend CO2-arme Stahlerzeugung wird im Jahr 2050 aber zu einem zusätzlichen Strombedarf von mindestens 130 TWh pro Jahr führen, insbesondere für die Deckung eines Wasserstoffbedarfs von 1,8 Millionen Tonnen. Das hat die Wirtschaftsvereinigung Stahl, der wirtschaftspolitische Verband der Stahlindustrie, berechnet. Die Stahlarbeiterinnen und Stahlarbeiter fordern deswegen nicht nur den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur, sondern vor allem auch Versorgungssicherheit, Netzstabilität und bezahlbare Preise beim Strom. Ein deutlich stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien ist also zwingend erforderlich.


Eine kluge Handelspolitik

Zurzeit werden Stähle in die EU importiert, bei deren Produktion deutlich mehr CO2 anfällt als bei den Produkten aus heimischen Werken. Stahl aus China, zum Beispiel, macht dem hiesigen mächtig Konkurrenz. Warum? Er ist einfach billiger. Das lieg aber neben den massiven staatlichen Subventionen auch daran, dass in China die Hersteller aufgrund fehlender Emissionsrechtehandelssysteme günstiger produzieren können. Dem Klima ist damit natürlich nicht geholfen. Die Beschäftigten der Stahlindustrie verlangen deswegen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, dass er sich in Brüssel für eine klügere Handelspolitik stark macht.

Besondere Brisanz hat das Thema durch die 2018 von den USA eingeführten Strafzölle auf Stahl und Aluminium bekommen. Die EU versuchte daraufhin zu verhindern, dass sie von umgeleiteten Stahl überschwemmt werde. So führte die EU ebenfalls Zölle von 25 Prozent auf Stähle ein, die zum Tragen kommen, sobald das normale Importvolumen überschritten wird. Doch nun ist die EU dabei, diese Schutzmaßnahme aufzuweichen. Bereits zum zweiten Mal seit Einführung des Instruments hob die EU-Kommission das zulässige Importvolumen um 5 Prozent an. Dabei bedrohen die drastisch angestiegenen Importe die heimischen Arbeitsplätze und das Klima gleichermaßen. Die Beschäftigten der deutschen Stahlindustrie fordern deshalb, die Lockerung der Schutzmaßnahme wieder rückgängig zu machen.

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