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Metall-Tarifrunde 2015: WIR für gerechte Ausstiege. Foto: IG Metall

Metall-Tarifrunde 2015: WIR für gerechte Ausstiege

Zehn Gründe für eine neue Altersteilzeit

09.02.2015 Ι Die Beschäftigten wollen und brauchen eine Altersteilzeit, die nicht nur auf dem Papier steht: Sie wollen flexible Übergänge in die Rente. Zu Bedingungen, die sich jede und jeder leisten kann. Wir nennen zehn Gründe, warum die IG Metall in der Metall-Tarifrunde eine neue Altersteilzeit-Regelung vorantreiben will.

1. Chance nutzen

Wegen der neuen Gesetze des Rentenpakets müssen die Altersteilzeit-Tarifverträge jetzt neu verhandelt werden. Wir nutzen diese Chance.

2. Rentenpaket reicht nicht

Die Verbesserungen für langjährig Versicherte lösen das Problem der Altersteilzeit nicht. Für die Jahrgänge 1953 und jünger gilt die abschlagsfreie Rente mit 63 nicht mehr. Die Rentenabschläge verschärfen die Lage: Wer 40 Jahre durchschnittlich verdient hat, bezahlt zum Beispiel in Westdeutschland einen früheren Ruhestand mit einer Kürzung von 41 Euro monatlich. Lebenslang.

3. Perspektive für Alt und Jung

Mit den älter werdenden Belegschaften steigt der Bedarf an Altersteilzeit. Auch die Jungen brauchen verlässliche Altersteilzeit-Regelungen: Laut der Beschäftigtenbefragung der IG Metall wollen 85 Prozent der unter 35-Jährigen im Alter ihre Arbeitszeit absenken können. Außerdem: Wenn mehr Ältere aus dem Beruf aussteigen, können mehr Jüngere ein- und aufsteigen.

4. Kaum altersgerechte Arbeitsplätze

"Nahezu nie" oder nur "selten" gestalten 92 Prozent der Betriebe laut der IG Metall-Betriebsrätebefragung von 2012 ihre Arbeitsplätze altersgerecht. Wenn die Anforderungen an die Einzelnen trotz geringerer Leistungsfähigkeit gleich bleiben, brauchen sie frühere Ausstiegsmöglichkeiten - erst recht, wenn Arbeitsplätze für gesundheitlich Beeinträchtigte ausgelagert werden.

WIR für gerechte Ausstiege

5. Untere Entgeltgruppen fördern

Beschäftigte in den unteren Entgeltgruppen brauchen bessere Altersteilzeit-Möglichkeiten. Wer wenig verdient, kann sich eine Altersteilzeit seltener leisten. Die bisherige Besserstellung reicht nicht aus. Die IG Metall will diese Regelung ausbauen

6. Alle Belastungen berücksichtigen

Besonders Belastete können sechs statt vier Jahre Altersteilzeit beanspruchen. Beschäftigte in Projektarbeit oder mit psychischen Belastungen sind hier aber bisher nicht berücksichtigt. Aktuell gilt als besondere Belastung vor allem langjährige Schichtarbeit, nicht aber Taktarbeit oder Außenmontage. Die IG Metall will die Möglichkeit einer längeren Altersteilzeit für weitere Beschäftigtengruppen, die beruflichen Belastungen ausgesetzt sind.

7. So kann es gehen

Altersteilzeit muss nicht kompliziert geregelt sein. Bei den Großreinigungen hat die IG Metall eine saubere Lösung durchgesetzt. Dort bekommt jede und jeder die gleiche Altersteilzeit- Aufzahlung: 20 Prozent der obersten Entgeltgruppe. So sind die unteren Entgeltgruppen mit bis zu 94 Prozent ihres Vollzeiteinkommens überdurchschnittlich gefördert. Begleitet wird das Modell von einer flexiblen Quote, die vom Altersdurchschnitt im jeweiligen Betrieb abhängt.

8. Mehr Firmen in die Pflicht nehmen

Viele kleine und mittlere Firmen bieten gar keine Altersteilzeit an. Betriebsräte brauchen hier bessere Möglichkeiten, um die Interessen der Beschäftigten gut durchsetzen zu können.

9. Bessere Mitbestimmung

Nur wenige Betriebe schöpfen IG Metall-Untersuchungen zufolge die mögliche Altersteilzeitquote von vier Prozent der Belegschaft aus. Meist sind es zwei bis drei Prozent. Wo die Altersteilzeitquote nicht erfüllt wird, muss das Geld anders eingesetzt werden - für die Beschäftigten und nicht für den Profit des Arbeitgebers. Betriebsräte brauchen deshalb bessere Mitbestimmungsrechte.

10. Mehr gesellschaftliche Gerechtigkeit

Das gesetzliche Rentenniveau sinkt noch weiter - von heute 48,8 auf 43 Prozent des Nettoeinkommens vor Steuern bis zum Jahr 2030. Die Politik zwingt vor allem die Beschäftigten, die Rentenlücke etwa mit privaten Versicherungen bei gleichzeitiger Versteuerung auszugleichen. Unternehmen müssen hier mehr Verantwortung übernehmen - beispielsweise mit einer neuen Altersteilzeit.

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Bessere Altersteilzeit für gerechte Ausstiege
Das wollen die Beschäftigten

Neun von zehn Beschäftigten wollen oder müssen früher als gesetzlich vorgegeben in den Ruhestand gehen.

Laut Beschäftigtenumfrage der IG Metall sind flexible Übergänge 32 Prozent der Befragten "wichtig" und 60 Prozent sogar "sehr wichtig". Fast jede und jeder Dritte sieht es als unmöglich an, die Arbeit bei gleichbleibenden Anforderungen bis zum gesetzlichen Rentenalter ausüben zu können. Die Beschäftigten erwarten flexible Übergänge statt starre Einheitsrenten.
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In der Metall- und Elektroindustrie gilt der "Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente" (TV FlexÜ). Wer mindestens zwölf Jahre in einem Betrieb arbeitet, kann die tarifliche Altersteilzeit im Block-modell nutzen. Beschäftigte erhalten zwischen 85 und 89 Prozent ihres bishe-rigen Nettoentgelts.

Mit dem ansteigenden Renteneintrittsalter verschiebt sich auch der mögliche Beginn der Altersteilzeit. Besonders Belastete wie Schichtarbeiter können statt vier bis zu sechs Jahre Altersteilzeit in Anspruch nehmen. Doch es gibt eine betriebliche Höchstgrenze: Insgesamt können nur vier Prozent der Beschäftigten eines Betriebes das nutzen.

Mit der gesetzlichen Regelung zur Rente mit 63 sind IG Metall und Arbeitgeber jetzt verpflichtet, den TV FlexÜ anzupassen.
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