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Berufsstart mit böser Überraschung

© Wilfried Hiegemann

Berufsstart mit böser Überraschung

Ausbildung zum Leiharbeiter

07.09.2017 Ι Phillip Jochmann und seine Kollegen dachten, sie hätten eine sichere Zukunft in einem Traditionsbetrieb. Doch die Auszubildenden landeten bei einer Tochterfirma - ohne Tarifvertrag. Gemeinsam mit der IG Metall packten sie ihre Situation an - und veränderten Vieles.

Phillip Jochmanns (Foto) Ausbildung begann mit einer bösen Überraschung: Seinen Vertrag hatte er nicht mit der Firma direkt, sondern mit einer Tochterfirma im dritten Stock des gleichen Gebäudes. Anders als bei der Mutterfirma unten galt oben der Tarifvertrag der IG Metall nicht.


Das bedeutete 20 Prozent weniger Ausbildungsvergütung und keine Übernahme nach der Ausbildung - sondern befristet, als Leiharbeiter. Die Mutterfirma, der Verpackungsdruckmaschinenbauer Windmöller Hölscher in Lengerich bei Münster, lieh sich die ausgebildeten Fachkräfte von der Tochter, der Windmöller Hölscher Ausbildungs GmbH aus. "Bei der Einstellung war den meisten nicht klar, dass sie in eine Tochterfirma kommen", kritisiert Phillip Jochmann.


Betriebsrat gegründet

Phillip Jochmann fand das extrem ungerecht. Als der Betriebsrat des Hauptbetriebs die Auszubildenden zu einem Grillabend einlud, nutzte er die Gelegenheit. "Wir haben uns ein paar Mal gemütlich getroffen und überlegt, wie wir unsere Situation verbessern", erzählt Jochmann. Auch ein Sekretär der IG Metall in Münster war dabei. "Schnell war klar: Wirmüssen erst einmal einen Betriebsrat gründen."


Damals, vor vier Jahren, war Phillip erst wenige Wochen in der Ausbildung. Ein Dreivierteljahr später war er Betriebsrat bei der Windmöller Hölscher Ausbildungs GmbH, mit 20 Jahren.


Tarifvertrag geholt

Als gut die Hälfte der Beschäftigten bei der Ausbildungs GmbH in die IG Metall eingetreten war, wählten Phillip und die anderen IG Metall- Mitglieder eine Tarifkommission, die über Forderungen diskutierte und mit dem Arbeitgeber verhandelte, mit Jürgen Schmidt von der IG Metall Münster als Verhandlungsführer. Sie wollten die Bedingungen für die Auszubildenden, für die Leiharbeiter und die Ausbilder verbessern.


"Das Verhandeln war gar keine so große Sache, wie ich dachte", erinnert sich Jochmann. "Ich habe ein fachmit Beispielen aus unserem Alltag im Betrieb argumentiert." Als der Arbeitgeber sich sperrte, organisierten sie eine Unterschriftenaktion. Alle unterschrieben. Und gemeinsam mit den Beschäftigten des Hauptwerks traten sie in einen Warnstreik.


Der Tarifvertrag für die Ausbildungs GmbH ist unter Dach und Fach. Danach steigen die Ausbildungsvergütungen um 10 Prozent. Fertig ausgebildete Beschäftigte, die an die Hauptfirma verliehen werden, erhalten 93,4 Prozent des Entgelts der Stammbeschäftigten und werden bei Einstellungen bevorzugt.


Phillip Jochmann ist nicht mehr da. Trotz Betriebsrat und Verhandlungen schloss er die Ausbildung zum technischen Produktdesigner vorzeitig ab und studiert jetzt. Für die IG Metall Jugend ist er weiter aktiv, im Orts- und Bezirksjugendausschuss und im Arbeitskreis Antirassismus.

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