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Stellenabbau bei Rauch Möbel
Nach Aktionen und Verhandlungen nur noch 32 statt 253 Entlassungen

253 Entlassungen hatte die Geschäftsführung von Rauch Möbel im Februar angekündigt. Durch Verhandlungen und Aktionen drückten Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall den Abbau auf 32 Vollzeitstellen. 21 weitere gehen frühzeitig in Rente. Kein Grund zum Jubeln - aber das Bestmögliche herausgeholt.


253 Beschäftigte sollten beim Möbelhersteller Rauch im nordbadischen Freudenberg gekündigt werden. Daraus sind 32 Vollzeitkräfte geworden, die entlassen werden, mit guten Abfindungen sowie Qualifizierung und Vermittlung durch eine Transfergesellschaft. 21 weitere gehen frühzeitig in Rente. Das haben Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall mit Aktionen und Verhandlungen bei Rauch durchgesetzt. Dafür machten die Beschäftigten mit Aktionen Druck. Unter dem Motto „Rauch steht auf - #onespecialfamily“ demonstrierten sie geschlossen gegen den Stellenabbau.

Die jetzt ausgehandelte Lösung ist allerdings kein Sieg und kein Grund zum Jubeln, findet Betriebsrätin Cornelia Miltenberger. „Die Reaktionen auf der Betriebsversammlung waren nicht prickelnd. Stellenweise sind die Beschäftigten in Tränen ausgebrochen. Denn egal wie hoch die Zahl ist - jeder der gehen muss, ist ein Verlust für die „Onespecialfamily“. Denn es ist unser aller Zuhause. Allerdings wissen die Leute, dass die geplanten 253 Entlassungen des Arbeitgebers ohne Betriebsrat, IG Metall und unsere gemeinsamen Aktionen als Belegschaft eins zu eins so umgesetzt worden wären.“


Immer alle mitgenommen - das Bestmögliche erreicht

Das liegt im Wesentlichen daran, dass Betriebsrat und IG Metall ständig über Aushänge und auf Betriebsversammlungen die Situation und das weitere Vorgehen kommuniziert und erklärt haben: Dass der Arbeitgeber rechtlich die unternehmerische Macht hat, über Standort, Investitionen und Personalbemessung zu entscheiden. Wie Betriebsrat und IG Metall nun vorgehen. Wie die Verhandlungen laufen. Wie genau ein Sozialplan funktioniert. Oder was in einer sogenannten Einigungsstelle passiert.

„Wir haben viele positive Nachrichtung über Facebook und WhatsApp bekommen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Peter Müller. „Ein Beschäftigter hat mich gedrückt und sich bedankt.“

Rauch Möbel hatte die 253 Entlassungen Anfang Februar verkündet. Betriebsrat und IG Metall forderten die Geschäftsführung zu Verhandlungen auf. Der Betriebsrat verweigerte in den Wochen bis zur Einigung sämtliche Überstunden. Das setzte die Geschäftsführung unter Druck, da die Auftragsbücher voll sind.


Abfindungen, Transfergesellschaft, Qualifizierung und Vermittlung

Für die vom Stellenabbau betroffenen Beschäftigten haben Betriebsrat und IG Metall dem Arbeitgeber finanziell einiges abgerungen: Die Entlassenen erhalten Abfindungen und haben zudem die Wahlmöglichkeit, ab 1. Juli für bis zu zwölf Monate in eine sogenannte Transfergesellschaft zu wechseln, von Rauch finanziert wird. Dort erhalten die Beschäftigten weiterhin Lohn, werden in neue Arbeitsplätze vermittelt und gezielt dafür qualifiziert. Die Vermittlungsquote der Transfergesellschaft liegt bei rund 96 Prozent. Das sogenannte Profiling - die Analyse der Beschäftigungschancen und Qualifizierungsbedarfe hat bereits begonnen.

Bis Ende letzter Woche konnten die von den betroffenen Beschäftigten ihre Wahl treffen. Der größte Teil von ihnen nimmt das Wechselangebot zur Transfergesellschaft an. Einige haben bereits neue Arbeitsplätze gefunden. Abfindungen erhalten alle.

Auch die 21 Beschäftigten, die früher in Rente gehen, wechseln zunächst in die Transfergesellschaft, wo sie weiter Entgelt erhalten und dadurch erst später und mit weniger Abschlägen in die Rente eintreten.

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