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Opel baut Batteriezellfabrik in Kaiserslautern

Bei Opel in Kaiserslautern entsteht ab 2024 eine neue Gigafactory für Batteriezellen mit 2100 Arbeitsplätzen. Der Staat fördert die Fabrik mit 437 Millionen Euro. Betriebsrat und IG Metall haben das Projekt mit angeschoben. Jetzt geht es darum, dass die neue Arbeit auch gute tarifliche Arbeit wird.


Neue Batteriezellfabrik bei Opel in Kaiserslautern: Ab 2024 will ein Joint Venture aus Opel, der Konzernmutter Stellantis (früher PSA), Totalenergies und, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, auch Daimler hier Batteriezellen mit einer Kapazität von zunächst 24 Gigawatt fertigen, für rund eine halbe Million Autos jährlich. Mehr als 2 Milliarden Euro sollen investiert werden und dadurch 2100 Arbeitsplätze in der Automotive Cells Company (ACC) auf Werksgelände entstehen.

437 Millionen Euro kommen vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz. Anfang September überreichten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den Förderbescheid auf dem Opel-Gelände in Kaiserslautern.
 

Betriebsrat und IG Metall sichern Zukunft

„Die wesentlichen Zahlen zu diesem Projekt standen bereits Anfang 2020. Doch noch hatten wir keine Zusage der Förderung vom Staat“, erklärt Thorsten Zangerle, Betriebsratsvorsitzender auf dem Opel-Gelände in Kaiserslautern, wo Komponenten für den Stellantis-Mutterkonzern gefertigt werden. „Wir haben direkt im Anschluss nach der ersten Pressekonferenz im Jahr 2020 eine Betriebsversammlung einberufen, um die Belegschaft zu informieren und dabei unsere Themen im Beisein von Politik und der Unternehmensleitung dargestellt“.

Die Forderungen von IG Metall und Betriebsra waren:

  • Klärung des Verhältnisses von Opel zu ACC
  • Tarifbindung und Betriebsrat
  • Einhaltung des Opel-Zukunftstarifvertrages 2018 und der Zukunftsvereinbarung 2019 zum Komponentenwerk Kaiserslautern.

Einige Punkte der Forderungen sind bei der Förderung durch Bund und Land in Ansätzen berücksichtigt worden. Betriebsrat und IG Metall haben in den Gesprächen mit Politik darauf hingewiesen und hingearbeitet, dass die Ansiedlung der Batteriezellenfertigung nicht zu einem Ausbluten des Komponentenwerks führen darf. Denn die Beschäftigungssicherung wurde bereits in der Zukunftsvereinbarung für Kaiserslautern 2019 in Bezug auf den Opel Zukunftstarifvertrag geregelt - inklusive Investitionen für eine längerfristige Beschäftigungssicherung im Komponentenwerks.

„Mit der Ansiedlung der Batteriezellenfertigung gibt es nun zusätzliche Perspektiven für unsere Beschäftigten, die heute unter anderem noch Dieselmotoren fertigen“, erklärt Zangerle. „Somit können wir die Transformation deutlich besser gestalten.“
 

2100 neue Arbeitsplätze

Ab 2024 entstehen neben dem Komponentenwerk nun 2100 neue Arbeitsplätze – nachdem Opel und PSA in den letzten Jahren massiv Stellen abgebaut haben. Auch in Kaiserslautern haben 1000 Kolleginnen und Kollegen im Opel-Komponentenwerk ihren Arbeitsplatz verloren, wenn auch gemäß Zukunftsvereinbarung auf freiwilliger Basis, über Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen sowie Abfindungen.

Rund 1300 Beschäftigte sind noch übrig. Als Thorsten Zangerle hier vor 32 Jahren seine Ausbildung zum Industriemechaniker begann, arbeiteten noch rund 6400 Beschäftigte am Standort.

„Bisher hatten wir vor allem Abbauprogramme. Wir wollten Perspektiven, um mit Zukunftstechnologie Arbeitsplätze zu schaffen“, meint Bernd Löffler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern. „Die Batteriezelle ist jetzt wie ein Sechser im Lotto. Doch um wirklich zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, brauchen wir auch weiterhin neue Produkte für das Komponentenwerk. Sonst investiert der Staat viel Geld, ohne dass mehr Arbeitsplätze dabei herauskommen.“
 

„Wir wollen gute Arbeit mit Tarif und Betriebsrat“

Auf den Betriebsrat und die IG Metall kommt jetzt viel Arbeit zu. Derzeit fertigen die 1300 Beschäftigten vor allem Blechteile für Karosserie, Achsen und Sitze – aber eben auch Verbrennungsmotoren, die in den nächsten Jahren weiter zurückgehen und kompensiert werden müssen. Zudem geht es auch darum, den Wechsel von Beschäftigten aus dem Komponentenwerk in die neue ACC-Batteriezellfabrik nebenan voranzutreiben – und sie für die neue Arbeit zu qualifizieren.

Und schließlich geht es auch darum, dass die neue Arbeit auch gute Arbeit wird, zu tariflichen Bedingungen.

„Das ist für uns immer eine zentrale Frage: Welche Arbeitsbedingungen gelten in der neuen Gigafactory? “, betont Betriebsrat Zangerle. „Hier entstehen 2100 neue Arbeitsplätze auf unserem Werksgelände – doch lange war nicht einmal klar, welche Gesellschaftsform die neue ACC-Batteriezellfabrik haben soll. Etwa eine eigenständige GmbH, in der wir dann wieder mühsam mit der IG Metall einen Betriebsrat und Tarif durchsetzen müssen? Jetzt ist schon mal klar: Leider ist dies eine eigenständige GmbH, aber wir sehen hier immer noch viele Schnittstellen zwischen beiden GmbH´s. Diese wollen wir in die zukünftigen Gespräche auch einbringen, denn wir sehen für beide Gesellschaften auch ein riesiges Potential an Synergien.“

Bis 2024 muss das noch geklärt werden. Betriebsrat und IG Metall wollen alles dafür tun, dass bei ACC Batteriezellen auch zu guten Arbeits- und Tarifbedingungen produziert werden.

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