AOK-Fehlzeitenreport
Gerechter Chef, gesunde Belegschaft

Wer sich vom Chef ungerecht behandelt fühlt, fehlt öfter wegen Krankheit am Arbeitsplatz. Das ist das Ergebnis des AOK-Fehlzeitenreports 2020 zum Thema „Gerechtigkeit und Gesundheit“. Die IG Metall sieht die Unternehmen in der Pflicht, Defizite beim Führungsverhalten zu beseitigen.


Der AOK-Fehlzeitenreport wertet die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten aus und beschäftigt sich jeweils mit einem Schwerpunktthema des betrieblichen Gesundheitsmanagements – 2020 mit dem Thema „Gerechtigkeit und Gesundheit“.

Der aktuelle Fehlzeitenreport zeigt: Beschäftigte, die ihre Vorgesetzten als ungerecht empfinden, leiden wesentlich häufiger unter körperlichen Erkrankungen. Im Schnitt weisen sie 15 Fehltage und damit etwa 2,3 Fehltage mehr pro Jahr auf als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit fairen Chefs. Dagegen kommen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Vorgesetzten die besten Noten für Fairness geben, durchschnittlich auf nur 12,7 Arbeitsunfähigkeitstage pro Jahr.


Lustlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen

Vier Mal so viele Beschäftigte, die sich von ihrer Führungskraft ungerecht behandelt fühlen, berichten über Rücken-, Gelenk- oder Kopfschmerzen als Mitarbeitende, die ihre Vorgesetzten als fair empfinden. Hinzu kommen bei jeweils rund jeder und jedem Fünften Lustlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen. Deutlich seltener (3,4 Prozent) treten diese Beschwerden in der Gruppe auf, die ihre Führungskraft als fair bewerten.

Dass der Krankenstand und eine gesunde Unternehmenskultur in engem Zusammenhang stehen, ist für die IG Metall keine Neuigkeit. „Unsere Kolleginnen und Kollegen berichten immer wieder, dass schlechtes Führungsverhalten eine Hauptquelle von gesundheitlichen Einschränkungen ist“, sagt Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Ob ein Unternehmen als gerecht oder ungerecht eingeschätzt wird, hängt der Studie zufolge vor allem mit der jeweiligen Führungskraft zusammen, die ein zentrales Scharnier zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft darstellt. „Das Maß der Belastungen für die Beschäftigten hängt in hohem Maß vom Führungsverhalten ab. Wir wissen aus vielen Betrieben, dass oftmals Führungskräfte bei einem Stellenwechsel die Krankenstände regelrecht ‚mitnehmen‘“, betont Hans-Jürgen Urban.


Betriebe sind in der Pflicht

Was für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Job also vor allem zählt, sind Anerkennung, Vertrauen und eine faire Streitkultur. Doch genau hier haben viele Unternehmen noch Nachholbedarf: Jedem zweiten Beschäftigten (46,4 Prozent) fehlt es derzeit an gerechten Konfliktlösungen. Wertschätzung im Job vermissen 40,8 Prozent. Und auch die Rückendeckung kommt zu kurz: Rund ein Drittel (32,9 Prozent) der Befragten bemängelt, dass das Unternehmen nicht hinter dem Personal steht. Hans-Jürgen Urban: “Die Unternehmen stehen in der Pflicht, die Gesundheit der Beschäftigten nachhaltig zu sichern. Dazu gehört auch, Defizite beim Führungsverhalten zu beseitigen. “

Für die Ergebnisse des AOK Fehlzeitenreports 2020 wurden vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) 2500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Alter von 18 bis 65 Jahren zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz befragt und die Auswirkungen auf die Gesundheit analysiert.

Zusätzlich liefert der Report detaillierte Auswertungen zum aktuellen Arbeitsunfähigkeitsgeschehen. Datenbasis sind die Krankschreibungen der 14,4 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder in Deutschland. Danach ist der Krankenstand im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gesunken und lag bei 5,4 Prozent. Im Schnitt waren die Versicherten 19,8 Kalendertage arbeitsunfähig. Für etwas mehr als die Hälfte (52,8 Prozent) wurde mindestens einmal im Jahr eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt.

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