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Aufzugsmonteure und IG Metall fordern Bonuszahlung
Klatschen alleine reicht nicht

Seit Wochen arbeiten Aufzugsmonteurinnen und -monteure unter widrigen Umständen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Zurecht verlangen sie dafür mehr als warme Worte.


Mit Lob sparen sie nicht. Von „Helden“ und einer „großartigen Leistung“ reden die Chefs der Aufzugsbranche, wenn sie über ihre oder zu ihren Monteurinnen und Monteuren sprechen.

Davon kann auch Stefan Hoock berichten. Er ist stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Otis GmbH & Co. OHG. Doch nur warme Worte machen nicht wett, unter welchen Bedingungen die Aufzugsmonteurinnen und Monteure die letzten Wochen arbeiten mussten und es teilweise noch müssen. Hoock und die Betriebsräte der Branche sowie die IG Metall fordern eine Bonuszahlung von den Unternehmen.


Fehlende Corona-Schutz-Maßnahmen

Die Aufzugsmonteurinnen und -monteure mussten ran, während vielerorts die Bänder stillstanden und die Büros leer blieben. Denn ohne sie ist der reibungslose Betrieb, beispielsweise von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie Logistikzentren, nicht möglich. Damit die Intensivstation nicht plötzlich für bettlägerige Patienten unerreichbar wird, sorgen die Beschäftigten der Aufzugsbranche mit ihrem Einsatz.

Das Problem ist nur: Die meisten bekamen in den vergangenen Wochen von ihren Betrieben nicht das nötige Rüstzeug, um sich und andere vor einer Corona-Infektion zu schützen. Masken und Desinfektionsmittel waren Mangelware.

Dabei ist gerade in Krankenhäusern und Altenheimen besondere Vorsicht und Sorgfalt von Nöten. Die Betriebsräte der Branche sowie die IG Metall prangerten das bei den Unternehmenschefs an und mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt. Schutzausrüstung ist nun weitestgehend wieder verfügbar, bestätigt Hoock.

 

Hygieneregeln kaum einzuhalten

An anderer Stelle sind die Bedingungen aber weiterhin schlecht: In Zeiten von Corona sind erhöhte Hygienemaßnahmen erforderlich. Doch für die Monteurinnen und Monteure ist regelmäßiges Händewaschen in Wohnhäusern ohnehin nicht möglich.

Jetzt sind zusätzlich in vielen Bürokomplexen und Werkshallen die Sanitäreinrichtungen nur für die Beschäftigten des Auftraggebers geöffnet. Oder sie sind gleich ganz abgeschlossen, da die dortigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entweder ins Homeoffice verbannt wurden oder in Kurzarbeit sind.

Dabei geht es ja nicht nur ums Händewaschen, sondern auch um andere Bedürfnisse. Ein Punkt, der die Monteurinnen und Monteure momentan in sehr unangenehme Situationen bringt, denn viele öffentliche Toiletten, Toiletten auf Baustellen, Tankstellen oder in Geschäften und Restaurants sind ebenfalls geschlossen oder werden nicht gereinigt.


Führungskräfte beschweren sich über „Ekelbilder“

Um dem Management mal vor Augen zu führen, wie es aussieht, vor verschlossenen Toilettentüren zu stehen, ungereinigte Baustellenklos benutzen zu müssen oder gar ganz andere Alternativen in Erwägung zu ziehen, ließen sich die Betriebsräte von den Beschäftigten Bilder aus ihrem Corona-Arbeitsalltag schicken. Der Betriebsausschuss des Gesamtbetriebsrates montierte sie zu einem Film und zeigte ihn dem Management.

Bei den Führungskräften kam die ungeschönte Realität nicht gut an. „Sie beschwerten sich über die Ekelbilder“, berichtet Hoock. Doch die schwierige Situation ihrer Beschäftigten anzuerkennen und mit einem Bonus zu vergüten, dazu konnten sie sich noch nicht durchringen – in der ganzen Branche nicht.


IG Metall setzt sich für Gesundheitsschutz ein

Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, erinnert die Geschäftsführer aller Deutschen Aufzugsunternehmen in einem Brief an ihre Fürsorgepflicht und fordert sie auf:

  • Initiativen zu ergreifen, die eine Verbesserung der Versorgung im Außendienst (zum Beispiel Toilettengang und Verzehr ermöglichen) sicherstellen.
  • Die Einhaltung der Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz der Auswärtsbeschäftigten zu gewährleisten.
  • Eine Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie vorzunehmen.

 

IG Metall fordert Prämie für Monteure

Zudem weist Lemb in seinem Schreiben darauf hin, dass die besondere Belastung der Monteurinnen und Monteure honoriert werden muss: „Wie Ihnen bekannt ist, hat der Gesetzgeber den Arbeitgebern bei Zahlungen einer zusätzlichen Vergütung für besondere Arbeitsleistungen im Rahmen der Corona-Pandemie einen Beitrag von bis zu 1500 Euro steuerfrei gestellt. Ich fordere sie deshalb dazu auf, einen entsprechenden Bonus auch für Ihre Beschäftigten zur Auszahlung zu bringen.“

Jetzt sind die Geschäftsführer von Haushahn, Otis, Tepper Aufzüge, Thyssen Krupp Aufzüge, Kone und Schindler, die alle diesen Brief bekommen haben, am Zug. Auf ihre warmen Worte müssen die Geschäftsführer nun auch entsprechende Taten folgen lassen.

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