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Der Conti-Skandal
Stillos: Erst absahnen, dann Standorte schließen

Sowohl die Bundesregierung als auch die Beschäftigten haben über die letzten Jahre massiv in die Continental AG eingezahlt. Doch der Konzern gibt nichts zurück, sondern will Standorte schließen.


Satte 72 Millionen Euro sind an Bundesmitteln seit 2007 an die Continental AG und ihre Tochterunternehmen geflossen. Das ergab eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE an die Bundesregierung. Und damit nicht genug: Auch die Beschäftigten haben jahrelang in den Konzern investiert. Beispiel Babenhausen: Um ihr Werk zu stützen, hatten Betriebsrat, IG Metall und Beschäftigte 2013 einem Ergänzungstarifvertrag zugestimmt: Seitdem kloppen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Woche für Woche zusätzliche Stunden – unentgeltlich für den Konzern.

 

Beschäftigte der Continental AG demonstrieren am 24. Oktober 2019 in Babenhausen gegen die geplante Standortschließung. (Foto: Frank Rumpenhorst)


Auch am Standort Oppenweiler machten die Beschäftigten seit Jahren über mehrere Ergänzungstarifverträge große Zugeständnisse. Und auch in Roding sieht die Sache ganz ähnlich aus: Als das Management vergangenes Jahr im Februar die Idee äußerte, die Pumpenproduktion, die mechanische Bearbeitung der Gehäuse und den Turbolader ins Ausland zu verlagern, gingen die Beschäftigten einen riesen Schritt auf den Arbeitgeber zu. Durch einen Ergänzungstarifvertrag erklärten sie sich bereit, bis 2023 auf die Angleichung ihrer Entgelte an das Niveau der Fläche zu verzichten. Dafür wurde ihnen eigentlich die Standortsicherung bis zum 30. Juni 2023 zugesprochen. Eigentlich…


Streichen statt Strategie

Denn was haben diese Beispiele alle gemeinsam? Statt der Belegschaft zu danken, wollen die Konzernbosse ihr das Werkstor vor der Nase zuknallen, die Standorte schließen. Frei nach dem Motto: Danke, wir brauchen euch nicht mehr. „Strategie 2030“ und „Transformation 2019 – 2029“ nennen die Herren Manager ihren Plan. Was sie Strategie nennen, ist unterm Strich ein Zeugnis reiner Ideenlosigkeit, es ist ein massives Sparprogramm. Die Geschäftsführung hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und trotz der massiven jahrelangen Unterstützung die notwendigen Umbaumaßnahmen und Qualifizierungsprojekte für die Mobilitätswende verpennt.

Zu den Herausforderungen der Zeit fällt ihnen nichts Besseres ein, als den Gürtel enger zu schnallen. Natürlich nicht bei sich, sondern bei der Belegschaft. Konkret heißt das: Die Kosten sollen ab 2023 jährlich um rund 500 Millionen Euro sinken. Dazu sollen allein in Deutschland 7000 Stellen verlegt oder gar ganz gestrichen werden.


IG Metall, Beschäftigte und Politik wehren sich

Nicht mit uns, sagen Betriebsrat, Beschäftigte und IG Metall. In den vergangenen Wochen traten die Beschäftigten in Babenhausen, Oppenweiler und Roding zu Demos vor die Werkstore. Im Babenhausen waren es sogar über 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie stellten zu Recht das Management in Frage: „Beim Sport geht der Trainer. Bei uns die Mannschaft … ?!“ Doch wie es jetzt weitergeht? Die Antwort gaben die Beschäftigten auf ihren Transparenten: „Was machen Wir? Wir bleiben hier!“

Und auch ersten Mahnungen aus der Politik gehen Richtung Conti. Gerade hat der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger den Konzern zum Rapport geladen. Der Bedarf an neuen Produkten für Elektro- und Wasserstoff-Mobilität sei auch bei Continental vorhanden, meinte der Wirtschaftsminister. Aiwanger missfällt natürlich zudem, dass Continental bei der Ansiedlung in Roding einen einstelligen Millionenbetrag an Fördermitteln bekommen habe und nun einfach gehen wolle. Das Unternehmen steht für den Wirtschaftsminister auch in einer „moralischen Pflicht“.

Betrachtet man, wie viel Geld Continental über die letzten Jahre vom Bund bekommen hat, ist anzunehmen, dass die Conti-Manager nicht nur aus München, sondern bald auch aus Berlin eine Ansage bekommen.

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