Transformation
Bosch will billig verlagern

Bosch will Arbeit billig verlagern. 1000 Arbeitsplätze sind allein bei Bosch in Bühl/Baden betroffen. Nicht nur Produktion – sondern auch Forschung und Entwicklung. Die Transformation vom Verbrenner zum Elektroauto ist aus Sicht von Betriebsräten, Beschäftigten und IG Metall meist nur ein Vorwand.


Gut 2000 Beschäftigte sind raus zur Betriebsversammlung gekommen, auf den Hof bei Bosch in Bühl/Baden, direkt neben dem neuen International Simultaneous Engineering Campus (ISEC). Sie sind verunsichert, was aus ihnen wird. 1000 Arbeitsplätze will Bosch hier abbauen – und an billigere Standorte verlagern, nach Ungarn, Serbien, China. Betroffen ist nicht etwa nur die Produktion, sondern auch massiv die Forschung und Entwicklung.

Dabei baut Bosch in Bühl Motoren für Fensterheber und Sitze – also Produkte, die eins zu eins so auch noch in Elektroautos benötigt werden. Doch die Nachfolgeserien landen nicht mehr in Bühl, sondern anderswo. Es geht darum, wettbewerbsfähiger zu werden, erklärt die Geschäftsleitung.

„Die Verlagerung hat mit der Transformation gar nichts zu tun. Da geht es um reine Profitmaximierung“, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz. „Unserer Region droht ein sozialer Kahlschlag, auch für die Zulieferer.“

Bereits Ende letzten Jahres hatte die Werkleitung angekündigt, dass sie Stellen abbauen will. Von 4100 ging es dann runter auf 3800. Im Juli verkündete die Werkleitung an, dass weitere 700 Vollzeitäquivalente abgebaut werden sollen. Über 1000 Beschäftigte sind davon betroffen.


Ingenieure bekommen Aufhebungsverträge vorgelegt

Der Abbau läuft zwar formal freiwillig. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2025 ausgeschlossen – das hat der Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung gesichert. Doch die Beschäftigten bekommen in Personalgesprächen Aufhebungsverträge vorgelegt. Ein harter Schlag etwa für Ingenieure, die sich bisher in ihrem Arbeitsleben als unverzichtbare Experten fühlen durften.

„Zwar erhalten die Beschäftigten Abfindungen, sie verlassen jedoch dennoch häufig nur unter Druck das Unternehmen“, meint Ahmet Karademir von der IG Metall vor Ort in Offenburg. „90 Prozent des Stellenabbaus soll in den kommenden zwei Jahren stattfinden. Das schafft man nicht über Fluktuation und Freiwilligkeit.“

Es erwischt auch Entwicklerinnen und Entwickler, die Bosch erst vor einigen Jahren als Spezialisten für besondere Projekte eingestellt hat, berichtet Betriebsrat Andreas Kühnpast. Der Leiter der Vertrauensleute bei Bosch in Bühl arbeitet selbst als Entwickler. „Jetzt heißt es auf einmal: „Wir haben keine Arbeit mehr für Dich. Tschüss.“

Das Verlagerungsprogramm läuft im Stillen schon länger. Und es läuft nicht einmal gut. An den neuen Billigstandorten stellt Bosch unerfahrene Ingenieure direkt von der Uni ein, die dann nach wenigen Monaten schon wieder weggehen. Die Ergebnisse sind oft mäßig.

„Die Projekte landen dann doch wieder bei uns auf dem Schreibtisch. Doch wir können dann oft kaum noch etwas retten, wenn das Grunddesign schon nicht passt“, kritisiert Entwickler Andreas Kühnpast. „Die große Stärke von uns in Bühl ist ja, dass wir alle Kompetenzen bei uns am Standort haben. Entwicklung, Fertigung, Einkauf und Verkauf arbeiten Hand in Hand. Wir stimmen uns eng ab und entwickeln so gemeinsam optimale Produkte. Das funktioniert eben nicht, wenn die Leute quer über die Welt verteilt sind und auch noch ständig wechseln.“


Beschäftigte, Betriebsrat und IG Metall leisten Widerstand

Bislang haben Betriebsrat und IG Metall versucht, in Gesprächen eine Lösung zu finden, auch über den Gesamtbetriebsrat. Doch die Geschäftsleitung hält an ihren Plänen fest und will zügig über die Gestaltung des Stellenabbaus verhandeln.

„Wir haben lange Gespräche geführt. Jetzt müssen wir in den öffentlichen Protest gehen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz. „Wir sind nicht bereit, die Zeche für Fehlentscheidungen des Managements zu tragen. Wir haben noch gar nicht angefangen, richtig zu verhandeln. Wir fordern langfristige Perspektiven. Die Transformation muss an unseren Standorten umgesetzt werden. Der Mensch muss vor der Marge stehen.“

Bühl ist nicht allein betroffen. Auch in Arnstadt und München will Bosch abbauen.

In München geht es um die Verlagerung der Fertigung von Einspritzventilen und Kraftstoffpumpen nach Osteuropa. 265 Arbeitsplätze sind betroffen. Bosch „prüft“ zudem die Schließung des Standorts.

In Arnstadt will Bosch das Elektronik-Werk bis zum Jahresende schließen – unter Bruch eines Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung. 100 Arbeitsplätze sind betroffen.

Bosch-Beschäftigte, Betriebsräte und IG Metall leisten jetzt gemeinsam Widerstand. Am 19. November gehen die Belegschaften der von Abbauplänen bedrohten Bosch-Standorte in Arnstadt, Bühl und München vor die Tore - gemeinsam mit Beschäftigten der anderen Bosch-Standorte, die vorbeikommen und für ihre Kolleginnen und Kollegen demonstrieren, mit einem gemeinsamen Solidaritäts-Aktionstag.

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