Kampf für Arbeitsplätze bei Mahle Behr
Jede Woche einmal ums Werk – für die Zukunft bei Mahle in Feuerbach

Aktionen trotz Corona – das geht: Seit einem halben Jahr demonstrieren die Beschäftigten von Mahle Behr in Stuttgart-Feuerbach jeden Dienstag für ihre Zukunft. Darunter sind viele Entwickler. Die Konzernleitung will 2000 Arbeitsplätze abbauen, davon 806 in der Entwicklung, 380 allein in Feuerbach.


Wie jeden Dienstag haben sie auch diese Woche wieder für ihre Zukunft demonstriert. Seit Juli treffen sich die Beschäftigten des Autozulieferers Mahle Behr in Stuttgart einmal in der Woche vor dem Tor und ziehen einmal ums Werk. Die Mahle-Konzernleitung will 2000 Arbeitsplätze in Deutschland abbauen. Und längst ist nicht mehr nur die Produktion betroffen: Auch in der Entwicklung sollen über 800 Stellen wegfallen, davon 380 am Entwicklungsstandort Stuttgart-Feuerbach.

(Foto: Joachim Röttgers)

Dabei wäre es in Zeiten von Transformation und dem Umstieg auf Elektroautos wichtig, eher in die Entwicklung zu investieren. Schließlich hängt Mahle derzeit noch größtenteils am Verbrenner.

Mahle will billig verlagern

Betriebsrat und IG Metall gehen jedoch davon aus, dass Mahle auch die Entwicklung billig verlagern will. Sie fordern einen Zukunftsvertrag mit Investitionen in neue Produkte – und haben dazu gemeinsam mit einem Berater des IMU-Instituts und einem Rechtsanwalt ein Alternativkonzept für den Standort erarbeitet.

„Einen Betrieb mit innovativen und zukunftsfähigen Produkten so zu beschneiden, zeigt, dass die Geschäftsleitung nicht den Willen hat, den Standort zukunftsfähig aufzustellen“, kritisiert Ljiljana Culjak, Betriebsratsvorsitzende von Mahle Behr in Feuerbach. „Der Abbau ist nur zu einem kleinen Teil auf Produktumstellungen zurückzuführen. Bei einem großen Teil will das Unternehmen Arbeitsplätze schlicht in billigere Länder verlagern.“

 „Montags-Mahle“ nennen die Mahle-Behr-Beschäftigten in Feuerbach ihre wöchentliche Aktion, die ursprünglich montags stattfand, bevor sie im Herbst auf den Dienstag wechselten, weil dann mehr Beschäftigte im Betrieb sind. Unterwegs ums Werk informieren Betriebsrat und IG Metall-Vertrauensleute über den aktuellen Stand der Verhandlungen.

Jede Woche vorm Tor – trotz Corona

In dieser Woche ging es darum, dass die Geschäftsleitung ab Februar wieder in Kurzarbeit gehen will. Auch in der Entwicklung. Der Betriebsrat hat nun eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit von Februar bis April 2021 mit dem Arbeitgeber abgeschlossen.

Auch die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie waren dieses Woche Thema beim „Montags-Mahle“. Die Top-Themen für die Beschäftigten in Feuerbach: „Wir brauchen Verbesserung bei der Ausbildung - insbesondere die Übernahme für alle. Das sehen wir ja aktuell gerade bei uns“, meint Heike Mücke, Leiterin der IG Metall-Vertrauensleute. „Für uns am Standort sind jedoch besonders die Rahmenregelungen für Zukunftstarifverträge und Zukunftsinvestitionen wichtig. Und schließlich werden wir auch ein Volumen an Geld brauchen, das wir auch zur Beschäftigungssicherung verwenden können.“

Die Corona-Pandemie ist kein echtes Hindernis für ihre wöchentlichen Aktionen. Die Betriebsräte und IG Metall-Vertrauensleute bei Mahle Behr haben alles mit den Ämtern geklärt. Das „Montags-Mahle“ läuft mittlerweile völlig routiniert.

 

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