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Berufskrankheiten an Armen und Händen; Foto BGHM

Berufskrankheiten an Armen und Händen

Wenn die Hände kribbeln und taub werden

01.03.2016 Ι Oft kommen die Schmerzen in der Nacht. Die Hände kribbeln, werden taub, tagsüber lässt die Kraft in den Händen nach. Betroffen sind Beschäftigte, die mit Maschinen arbeiten, von denen starke Vibrationen ausgehen. Sie sollten frühzeitig reagieren, denn irgendwann geht bei der Arbeit nichts mehr.
Stundenlang den Bohrer oder die Schleifmaschine bedienen, ist kein Zuckerschlecken. Jahrelang zeigen sich keine größeren Beschwerden, bis sich irgendwann Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schmerzen einstellen. Diese Symptome sollte keiner  auf die leichte Schulter nehmen. Denn wer Hände und Arme beruflich dauerhaften Vibrationen aussetzt, kann ernsthaft erkranken. Das bestätigt Christoph Hecker, Leiter der Hauptabteilung Sicherheit und Gesundheit der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Mainz. Tätigkeiten in den Branchen Holz und Metall gehören neben denen in den Branchen Bau, Bergbau und Forstwirtschaft zu den am stärksten gefährdenden. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die IG Metall und die Betriebsräte aus den betroffenen Branchen machen dazu jetzt verstärkt Aufklärung, damit in den Betrieben frühzeitig präventive Maßnahmen ergriffen werden. 

Beim Schleifen übertragen sich Vibrationen auf Hand und Arm. Wer das oft und viele Jahre macht, kann krank werden. Foto: BGHM

Die Liste der Arbeitsgeräte, die eine Gefährdung durch Hand-Arm-Vibrationen verursachen können, ist umfangreich: Schlaghämmer, Nadelklopfer, Nietgeräte, Schlagbohrmaschinen, Schlagschrauber und Schleifer verschiedenster Art. Diese Arbeitsmaschinen übertragen beim Einsatz Vibrationen auf Arme und Hände. Besonders gefährdet sind Schlosser, Nieter und Schleifer sowie Beschäftigte, die in einer Gießerei entgraten oder intensiv mit Exzenterschleifern arbeiten.

Stellt sich die Frage, was Beschäftigte tun sollten, die belastende Tätigkeiten ausüben. Experten schätzen, dass über alle Branchen hinweg zwischen ein und zwei Millionen Beschäftigte potentiell gefährdet sind. Das heißt nicht, dass sie auch zwingend erkranken. Die Vibrationen müssen dauerhaft und sehr hoch sein, bis es zu arbeitsbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen kommt. Man geht zum Teil von einigen Jahren Latenzzeit aus. 

Aufklärung und Prävention sind das A und O

Erkrankungen durch Vibrationen sind in ihrer Dimension unterschätzt. Das war auch die Erkenntnis der Betriebsräte auf der Handwerkskonferenz der IG Metall, auf der das Thema intensiv diskutiert wurde. Wer Schmerzen hat und Veränderungen an Armen und Händen beobachtet, sollte,  sofern vorhanden, zum Betriebsarzt oder zur Sicherheitsfachkraft im Betrieb gehen und die Symptome schildern. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz vorzunehmen. Dabei ermitteln Betriebsärzte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit, ob die geltenden Auslöse- und Expositionsgrenzwerte eingehalten sind und ob ein Erkrankungsrisiko besteht.

Wo Betriebe zögerlich an Gefährdungsbeurteilungen rangehen, sollten Betriebsräte umso offensiver diese einfordern, denn die Aufklärung über Gesundheitsgefahren ist dringend geboten. Im Betrieb können eine Menge einfacher Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Die Maschinen müssen regelmäßig gewartet werden. Zu alte Maschinen sind auszusondern. Auch die Wahl des richtigen ergonomischen Werkzeugs ist entscheidend. Eine bessere Arbeitsorganisation mit Pausen und Jobrotation können helfen, dass der einzelne Beschäftigte nicht so stark belastet wird.

Wenn die Attacken immer öfter kommen

Durch Vibrationen kommt es zu Durchblutungsstörungen in den Händen. Zunächst kribbeln nur die Kuppen oder einzelne Finger. Bei dauerhafter Belastung können die Finger bis zur Fingerwurzel weiß werden (sogenannte Weißfingerkrankheit). Wenn das Blut zurück in den Finger strömt, werden die Finger rot und beginnen oft zu schmerzen. Die Attacken treten vermehrt auf, sobald die Umgebungstemperatur kühler wird. Viele betroffene Arbeitnehmer klagen dann über Schmerzen in den Händen und Armen und über verringerte Muskelkraft. Im Endstadium kann es zum vollständigen Verlust des Tastgefühls  kommen. Die davon Betroffenen sind dann gezwungen, die entsprechenden Tätigkeiten zu unterlassen, schon allein deshalb, weil durch den Verlust der manuellen Beweglichkeit die Unfallgefahr steigt.

Über eine Million Menschen potentiell gefährdet

Seit 2015 ist das sogenannte Carpaltunnelsydrom (CTS) als Berufskrankheit anerkannt. Dabei wird ein Nerv im Carpaltunnel, der in der Handmitte liegt, geschädigt, der unter anderem die Bewegungen der Finger und des Daumens steuert. Die Ursache für diese Krankheit liegt in einer Überbeanspruchung durch Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen. Die Berufsgenossenschaften rechnen in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Verdachtsanzeigen auf Carpaltunnelsydrom, da diese Krankheit erst seit einem Jahr als Listen-Berufskrankheit anerkannt werden kann.

Handschuhe alleine schützen nicht

Auf dem Markt werden spezielle Handschuhe angeboten, die vor Vibrationen schützen sollen. Diese Handschuhe wirken jedoch nur bei hochfrequenten Vibrationen. "Solche Handschuhe sind ein Zusatzschutz, zum Beispiel wenn man an Schleifmaschinen im hochtourigen Bereich über 9000 Umdrehungen in der Minute arbeitet. Sie reichen allein aber keinesfalls aus", sagt Christoph Hecker. Eine wirksame Schutzmaßnahme ist vielmehr, die Expositionsdauer zu reduzieren, das heißt die belastenden Tätigkeiten nicht mehr so lange auszuführen, dass es nicht zu Schädigungen der Gesundheit kommt.

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