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Atypische Arbeitszeiten

Zu wenig Zeit zum Leben

14.12.2011 Ι Ein freies Wochenende ist für viele Beschäftigte keine Selbstverständlichkeit mehr. Knapp 44 Prozent der Beschäftigten arbeiteten 2010 samstags und immerhin jeder Vierte auch noch am Sonntag. Dieser Trend hat einen hohen Preis: Überlange Arbeitszeiten gehen auf die Gesundheit und beeinträchtigen das familiäre und soziale Leben.

Nur noch jeder sechste Arbeitnehmer geht zu einer festen Zeit von montags bis freitags zur Arbeit. Alle anderen müssen regelmäßig abends, nachts oder am Wochenende ran. Im Jahr 2010 arbeiteten mehr als 25 Prozent der Beschäftigten sonntags und über 43 Prozent auch am Samstag. Das belegt eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung.

 

Auch Schichtarbeit gehört für immer mehr Menschen zum Alltag. Vor 20 Jahren waren es lediglich 12,7 Prozent der Arbeitnehmer, die in Wechselschicht tätig waren. Im letzten Jahr kletterte diese Quote auf über 17 Prozent. Egal ob Schichtarbeit oder Nachtarbeit - alle diese Formen der Arbeitszeit erhöhen die gesundheitlichen und sozialen Risiken für die Beschäftigten. Dass Krankenhäuser Pflegepersonal rund um die Uhr einsetzen, ist für jeden verständlich. Inzwischen haben jedoch die atypischen Arbeitszeiten ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Denn tatsächlich arbeitet nur noch jeder siebte Arbeitnehmer zu einer normalen Arbeitszeit. Und: Je größer ein Betrieb ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass in wechselnden Schichten gearbeitet wird.


Nicht gesund

Die Arbeitszeit hat einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlergehen. Deshalb sollte sie so gestaltet werden, dass die Beschäftigen sich auch während und nach der Arbeitszeit von den Belastungen erholen können. Die Regenerationszeit muss also entsprechend lang sein. Denn das leuchtet jedem ein: Wenn es zuviel wird, macht der Körper schlapp. Wenn man erschöpft ist, dauert es nicht nur länger, ein kniffliges Problem zu lösen. Zu lange Arbeitszeiten können auch massive gesundheitliche Probleme verursachen, das ist arbeitsmedizinisch erwiesen. Dazu gehören nicht nur Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen. Auch die Infektanfälligkeit nimmt zu, ebenso wie Herzkrankheiten, Tinnitus und Hörsturz. Andere Menschen leiden unter Übermüdung, Schlafstörungen und psychischer Erschöpfung.


Neben den gesundheitlichen Problemen können atypische Arbeitszeiten auch zu sozialen Problemen führen. Um eine Balance von Arbeit und Privatleben zu ermöglichen, müssen Arbeitnehmer möglichst viel individuellen Einfluss auf die Lage der freien Zeit nehmen können. Schichtarbeitern muss ausreichend Freizeit zu sozial wichtigen Zeiten wie abends und an Wochenenden zugesichert werden.


Den Betriebsrat nachfragen

Auch wenn sich die Arbeit auf dem Schreibtisch türmt und die Bänder in den Produktionshallen Tag und Nacht laufen: Beschäftigte sollten sich Zeit für die eigene Gesundheit nehmen. Zwar lassen sich atypische Arbeitszeiten nicht immer vermeiden, doch es gibt Möglichkeiten, die Arbeitszeit gesünder zu gestalten. Dazu können Sie bei Ihrem Betriebsrat oder Ihrer IG Metall nachfragen.

Arbeitszeit selbst prüfen

Um die eigene Situation einschätzen zu können, hat die IG Metall einen Arbeitszeit-Check entwickelt. Mit diesem Check können Sie die Gesundheitsverträglichkeit Ihrer Arbeitszeit prüfen. Die Ampeln zeigen an, ob die Arbeitszeit im grünen Bereich liegt oder ob auf Dauer die Gesundheit aufs Spiel gesetzt wird.

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Links und Zusatzinformationen
Der IG Metall-Arbeitszeit-Check

Lässt Ihnen Ihre Arbeitszeit Zeit für ein gutes Leben? Im Bedarfsfall sind Sie als Erstes gefragt, Grenzen zu ziehen.

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